Rezension: Ficken und Sterben von Jon Øystein Flink

29 Juli 2011 |

Zum Buch

Originaltitel: Sex, død og ekteskap
Verlag: UBooks
Format: Gebunden
Seiten: 138
ISBN 978-3-866-08146-8
Preis: 12,95 €

Wenn der falsche Song läuft

Es ist fast schon schicksalhaft, wenn man sich mit einer Hängematte auf einer Toilette umbringen will, alles schon vorbereitet hat und der Abschiedsbrief im Büro deponiert ist und plötzlich einen die ganze Stimmung vermiest wird, weil man unbedingt seine Todesgeräusche überdenken wollte. Wenn der IPod doch nur nicht auf Shuffle gestellt gewesen wäre und damit kein fröhliches Lied alles vermasselt hätte. Doch so ist es nun einmal passiert, was bleibt einen also nur noch als ins nächste Bordell zu gehen und die Nacht mit einer Japanerin zu verbringen? Eine Odyssee beginnt mit ungewissem Ausgang.

Als ich die Buchdeckel zugeklappt habe, war ich ziemlich enttäuscht. Der Anfang klang vielversprechend und brachte mich irgendwie, aufgrund seiner Bizarrität, zum Schmunzeln. Was ein einzelner Song nicht ausrichten kann? Doch danach ging es bergab. Man hat ein seltsames Ereignis an das Nächste gereiht. Der Protagonist nimmt einen mit in seine verkorkste Welt und man merkt wie planlos er selbst oft ist. So fühlt man sich auch als Leser, irgendwie hilflos und planlos während man durch die Zeilen wandert. Man weiß einfach nicht worauf, dass alles hinauslaufen soll. Es gibt Momente in denen man sich fragt, warum sie jetzt stattfinden. Es gibt Momente, die für manche Leser einfach wahrscheinlich moralisch anstößig sind. Dies ist ja auch nicht negativ, aber manche Stellen waren fast schon zu abgedreht und passten nicht ganz in den Verlauf der Geschichte. Vom Protagonisten erfahren wir seine komplette Bandbreite der Depressionen und wie sein gesamtes Leben den Bach runtergehen zu scheint. Da bleibt ihm anscheinend nur der Sex. Doch am Ende gibt es doch noch Hoffnung und scheint sich alles zum Guten zu wenden. Hoffnungsschimmer und Glück kommen auf und werden wieder brutal zerschlagen. Wobei das Ende zu konstruiert wirkt und wie mit einen Paukenschlag kommt. Passend zur Geschichte ist auch die Wortwahl. Sie ist umgangssprachlich und fügt sich ins Gesamtbild des Buches ein.
Die Aufmachung des Buches passt wiederum sehr gut zum Buch. Der Titel trifft die Geschichte gut und das Bild ist mit dem Trauerkranz in der Kondomverpackung fasst das Buch gut zusammen.

Fazit

Man merkt es der Rezension an. Es ist schwer das Buch richtig zu bewerten. Es ist ein Buch, welches einen gefällt oder nicht. Es hatte gute Ideen, aber die Umsetzung hätte besser sein können. Es ist unterhaltend, aber von so einem tollen Anfang, hätte ich mehr erwartet.

★★★☆☆

Kommentare:

  1. Vielleicht ist gerade dass das, was das Buch ausmacht: Das der Leser beim Lesen das Gefühl hat, genauso planlos zu sein, wie der Protagonist selbst. Unser LK- Lehrer in Deutsch meinte, sowas käme bei einer Kreativaufgabe im Abitur sehr gut an - beim Leser anscheinend nicht so.

    Dennoch schöne Rezension, auch wenn das Buch für dich kein Highlight war!

    Liebe Grüße,
    Nazurka

    AntwortenLöschen
  2. @Nazurka:

    Es war einfach irgendwie das Gesamtpaket. Die Idee war gut, aber irgendwie... es fehlte einfach was! Ich liebe eigentlich solcher Bücher... aber dieses war nicht so meins ;)
    Aber danke!

    AntwortenLöschen
  3. Auch wenn das Buch nicht so toll war, deine Rezension ist es alle Male. So kann man sich wenigstens ein vernünftiges Bild vom Inhalt machen.
    L.G.
    Sabine

    AntwortenLöschen
  4. @Sabine:

    Das ist aber lieb von dir! Dankeschön!

    AntwortenLöschen