Rezension: Der wahrhaftige Volkskontrolleur von Andrej Kurkow

07 September 2011 |

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Originaltitel: Skazanie ob istinno narodnom kontrolere
Verlag: Haymon
Format: Gebunden
Seiten: 432
ISBN-13: 978-3852186795
Preis: 22,90 €

Zwischen Vorschriften und Wodka

Im Buch gibt es eigentlich nicht nur eine Geschichte, sondern vier. Die Hauptgeschichte ist dabei die von Pawel Dobrynin, der durch seine Ehrlichkeit und seinen Sinn für Gerechtigkeit, von der Kolchosversammlung zum Volkskontrolleur gewählt wird. Durch diese Ernennung verschlägt es ihn zu einer Reise auf der er vielen neuen Dingen begegnet und die vor dem hohen Norden nicht Halt macht, in dem er nicht nur gute Erfahrungen machen muss. Die drei anderen Handlungen drehen sich um einen Engel, der auf der Suche nach dem Grund: Warum keine Sowjetbürger ins Himmelreich gelangen, schlussendlich zu einer Gruppe gelangt, die das Gelobte Land sucht, einen Schuldirektor, der eine Frau, die ein Kind in ihrer Obhut hat, wieder zum Träumen und Lachen bringen will und einem Künstler, der mit seinen Gedichte vortragenden Papagei sogar im Kreml landet.

Diesen vier skurrilen Charakteren begegnet man in diesem Buch und trotzdem treffen sie nie aufeinander. Einzig durch Kleinigkeiten und Details sind die vier Geschichten ein wenig verbunden.
Zu Beginn hatte ich aufgrund dieser vielen Wechsel zwischen den Geschichten Probleme in das Buch hineinzufinden. Ich hatte die Lust schon am Lesen verloren und dachte mir: Was soll das alles? Doch ich hab mich durchgerungen und mich weiter durch eine Reise in die Sowjetunion zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg führen lassen und es hatte sich gelohnt. Durch den wunderbaren Schreibstil von Andrej Kurkow findet man Zugang zu einer sowjetischen Welt in der vor allem zwei Dinge wichtig zu seien scheinen: Wodka und Vorschriften. Denn eins habe ich gelernt: In der Sowjetunion ist alles verordnet. Dabei ist hinter den Seiten Sozialkritik versteckt, die einem nicht um die Ohren gehauen wird, sondern schleichend daherkommt und einem unterschwellig erwischt. Dieser Roman ist auch witzig, auch wenn auf einer etwas anderen Ort. Denn auch hier kommt der Witz eher ruhig und gelassen daher und ist ein wenig versteckt zwischen Zeilen wie es aber in Osteuropa üblich ist. Die Charaktere dabei sind einfach skurrile Gestalten auf die man sich einlassen muss und einen gerne mal zum Schmunzeln bringen. Doch neben der Skurrilität und auch dem Witz fließt immer die Verzweiflung und Tragik der zu dieser Zeit lebenden Menschen ein, so dass man merkt, dass nicht alles immer so wunderbar wie es scheint. Doch trotzdem hat mich das Buch nicht vollends überzeugt. Mir fehlte am Schluss ein wenig der passende Abschluss und man hatte keinen richtigen Abschied von den skurrilen Persönlichkeiten in diesem Buch. Man verlässt einfach ihr Leben. Das hätte ich mir etwas anders gewünscht.

Fazit

Es ist ein heiteres Buch und unterhält einen gut. Zudem bietet es einen wunderbaren Einblick in die damalige Sowjetunion und die damalige Zeit, dabei immer mit einen weinenden und lachenden Auge erzählt. Es ist kein Buch für jedermann. Es ist etwas Ausgewöhnliches und wird nicht jedem gefallen. Es ist ein Roman auf den man sich einlassen muss.

★★★★☆

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