Rezension: Das Gegenteil von oben von Oliver Uschmann

15 Oktober 2011 |

Zum Buch

Verlag: script5
Format: Taschenbuch
Seiten: 336
ISBN-13: 978-3839001325
Preis: 8,95 €

Wenn das Leben Kopf steht

Dennis ist 15 Jahre alt und lebt in einer bahnhofsnahe Plattenbausiedlung. In einem der riesigen Betonbauten lebt ihr mit seiner Mutter, die in einem Altenheim in leitender Position arbeitet, und vertreibt sich seine Zeit mit Games und Beobachtungen des Nebenhochhauses. Durch sein Fernglas sieht er in ihr Leben und schickt denen, die Probleme zu haben scheinen, kleine Botschaften oder andere Dinge um ihnem zu helfen. Doch irgendetwas scheint plötzlich nicht mehr zu stimmen. Seine Lieblingsfamilie scheint völlig verändert und auch der Sohn der Familie ist plötzlich verschwunden. Aber Dennis muss noch mit weitaus mehr kämpfen: Zwischen Verliebt sein, Freundschaften und seinen Gefühlen fühlt er sich überlastet und scheint immer weiter durchzudrehen. Gut ist es doch, wenn man Leute hat wie Ingo, der 24-jährige Videothekar, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

Oliver Uschmann schafft in „Das Gegenteil von oben“ etwas, was nur wenige Jugendromane schaffen. Sein Protagonist wie auch dessen Umfeld wirkt so realistisch jugendlich, dass man ihnen problemlos auf der Straße begegnen könnte. Alle Charaktere sind so lebendig charakterisiert, dass man sich ihnen nahe fühlt. Jeder für sich ist skurril, besonders und individuell wie Menschen nur sein können. Dabei greift der Autor nie auf die üblichen Klischees von Plattenbaubewohnern zurück. Manche Leser werden sich eventuell sogar bewusst werden, dass sie viel zu sehr in ihren eigenfahren Stereotypen denken und die wahren Persönlichkeiten übersehen. In diesem Buch wird sich jeder wiedererkennen können und dabei betrifft es nicht nur die eigentliche Zielgruppe des Romans. Die Geschichte die in diesem Milieu spielt ist zeitgemäß und gibt ein perfektes Bild der heutigen Jugend ab. Dennis und seine Probleme sind in einem witzigen Stil erzählt ohne anspruchslos zu sein wie manche Jugendbücher daherkommen. Die gesamte Story ist sehr interessant und lebt vor allem durch Dennis, der mit seinen Gefühlen kämpft wie er an ihnen wächst. Sich bewusst wird wie er sich immer mehr ändert und wie die Ereignisse sein Leben beeinflussen. Diese Entwicklung des Charakters wie auch die spannenden und interessanten Handlungsstränge treiben den Leser voran in der Geschichte und verleitet zum Weiterlesen. Immer wieder mit Witz, neuen Erkenntnissen wie auch der Sog von Dennis selbst erzählt Oliver Uschmann die Handlung seines Charakters und man fühlt sich einfach verbunden mit ihm. Die Verzweiflung die ihn immer wieder packt, die Unverständnis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen wie auch der Popularitätsdruck der Jugend wird in diesem Buch sichtbar ohne zu übertrieben und überladen zu sein. Besonders deutlich wird in diesem Buch eine Aussage: Computerspiele, die Jugendliche gewalttätig machen, beruhigen sie statt sie zu zukünftigen Amokläufern auszubilden. Sie sind ein Ventil über das man seinen Stress und Probleme für einen Moment vergessen lassen können. Und nicht nur diese Erkenntnis macht diesen Roman lesenswert, auch für die ältere Generation. Denn hier wird auch auf die Macht des Alltags eingegangen, wie wichtig Rituale und Routine sind und wie sehr unser Leben sich danach richtet. Der Autor beweist damit, dass Jugendbücher nicht immer jugendliche Problematiken besprechen müssen, sondern durchaus die von Erwachsenen behandeln kann und darf.

Fazit

„Das Gegenteil von oben“ ist in sich ein perfektes Jugendbuch. Realistische und zeitgemäße Jugendliche, gepaart mit einer spannenden Handlung, verfasst mit spitzer, witziger und intelligenter Feder bilden einen Jugendroman den man leider viel zu selten in der Jugendliteratur zu findet.

★★★★★

Kommentare:

  1. Das klingt auf jeden Fall sehr interessant. Werd ich mir mal merken. Eine wunderbare Rezension hast du geschrieben.

    Liebe Grüße, Diti

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  2. Wirklich tolle Rezi, das Buch wird auf meine Wunschliste geschrieben :) Bin auch Leser geworden und wär richtig cool, wenn du auch mal bei mir vorbeiguckst, bin neu und regelmäßige Leser sind immer willkommen ^^ www.un-bon-livre.blogspot.com

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  3. Hört sich gut an... dachte immer man muss so um die 200 Leser haben, dass man Rezensionsexemplare kriegt... aber Glückwunsch ;)
    Würde mich freuen, wenn du mal bei mir vorbeischaust :)
    Liebste Grüße
    Corinna

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  4. Das Buch steht auch noch auf meiner Wunschliste. :) Oliver Uschmann ist mein Lieblingsschriftsteller und unter den ganzen Blogs die ich mir immer anschaue bist du tatsächlich der einzigste der auch mal ein Buch von ihm gelesen hat. ;)
    Hast du schon ein Buch der Hartmut und ich Reihe gelesen?
    Lg Steffi

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    1. Bisher nicht. Aber es sollen auf jeden Fall noch andere Bücher vom Autor folgen. ;)
      Ich weiß, ich lese allgemein glaub ich anders, als andere Blogs hier :D Und schön, dass du zu mir gefunden hast! Über neue Leser freue ich mich immer!

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