Rezension: Der letzte Schattenschnitzer von Christian von Aster

10 Oktober 2011 |

Zum Buch

Verlag: Hobbit Presse
Format: Gebunden
Seiten: 313
ISBN-13: 978-3608939170
Preis: 19,95 €

Die Welt der Schatten

Jonas Mandelbrodt ist kein gewöhnliches Kind, was seine Umwelt vollkommen missversteht. Statt mit den anderen Kindern zu spielen scheint es nur auf zu Boden zu starren. Doch dieser Junge ist keineswegs Autist, wie es ihm diagnostiziert wurde, sondern er gehört zu den Menschen, die mit den Schatten sprechen. Sein Schatten hat ihn auserwählt ihn die Welt der Schatten zu lehren. Und die Welt der Schatten verliert immer weiter ihr Gleichgewicht. Der Rat der Schatten, ein Engel der einst im Schatten Gottes stand und Maria Doloros Carmen Hidalgo, ein Mädchen ohne Schatten, tragen dazu bei und entscheiden über die aufkommende Finsternis und das damit verbundene Unheil, dass die Welt zu heimsuchen zu droht.

Eins ist „Der letzte Schattenschnitzer“: Innovativ und originell. Schatten als Hauptinstrument im Orchester eines Fantasyromanes zu nutzen ist neu und keineswegs verbraucht wie andere Bestandteile aus dem Genre. Christian von Aster hat es verstanden auch mit diesem neuen Werk umzugehen und webt eine interessante Geschichte rund um die Schatten und wie sie teils zu unseren Körper gehören und wiederum doch eigenständig sind. Diener unsere selbst sind sie und das aus freien Stücken. Die Schattenmagie wie alles was darum gebaut wurde ist wahrlich eine wohlkommende Abwechslung in der doch manchmal schon ausgezerrt wirkenden Fantasyliteratur. Somit wurde eine neue interessante Komponente geschaffen, die diese Art von Literatur weiter voranbringt. Um die Schatten wurde eine spannende Geschichte entworfen über eigene Zweifel und Dinge, die „Anomalien“ sind. Die Charaktere sind dabei gut gezeichnet und entwickeln sich im Laufe der Erzählung zu anderen Persönlichkeiten, deren Schicksal ihnen, allem voran Jonas Mandelbrodt, bewusst wird. Die Sprache, die der Autor gewählt hat erinnert immer wieder an ältere literarische Werke und wirkt aufgrund ihrer Protagonisten niemals fehl am Platz. Zudem ist das Buch in drei Strukturen unterteilt worden: Die Geschichte aus der Sicht des Schattens von dem Protagonisten Jonas, aus der Betrachtungsweise eines auktorialen Erzählers und immer wieder Kapitel aus dem fiktiven Buch Alchimia Umbrarum von John Dee. Vor allem die Abschnitte aus dem fiktiven Werk tragen dazu bei, die Welt hinter den Schatten besser verstehen zu können und für den Leser greifbarer erscheinen zu lassen. Durch diese drei Unterteilungen werden wir durch das Leben dieser Menschen und ihrer Schatten geführt und müssen erkennen, dass die Finsternis so manches vor dem Licht zu verstecken versteht. Manche sind nicht das, was sie zu Beginn scheinen zu sein, andere wiederum sind Trugbilder die von ihrem Schatten kontrolliert zu seinen scheinen. Doch an manchen Stellen wollte der Verfasser wohl zu viel. Manches kam leider viel zu kurz für die gut durchdachte Geschichte. Auf die geringe Seitenzahl eines Fantasyromanes einen solchen Epos zaubern zu wollen, fällt leider dennoch ziemlich schwer. Teile der Protagonisten verlieren im Laufe der Handlung leider an Kraft und Fülle. Das Ende kam mir auch viel zu plötzlich daher und etwas arg konstruiert. Ab den Mittelfeld geht es deswegen leider etwas Richtung Talfahrt. Die Historie und die Wirklichkeit wird als weitere Element in die Geschichte genommen und geändert und soll damit ein verändertes Abbild unserer Welt repräsentieren. Dies ist dem Autor nur teils gelungen. Auf mehr Seitenumfang hätte dies eventuell besser funktioniert und man hätte einen spannenden Epos daraus bauen können. Zwar ist die geschichtliche Komponente wohl durchdacht, kommt aber auch hier wieder viel zu kurz und leider nicht genug zum Ausdruck. Zudem ist das Ende in meinen Augen auch unpassend gegenüber dem eigentlichen Hauptakteur der Geschichte. Jonas Mandelbrodt wirkt zuletzt sehr charakteruntypisch, obwohl er sonst eine gut gezeichnete Figur war.

Fazit

Der letzte Schattenschnitzer ist ein interessanter und innovativer Fantasyroman, denn man sich als Fan des Genres nicht entgehen lassen sollte. Schatten und ihre finstere Macht als Hauptkomponente, wie ein Schreibstil, der an alte Zeiten zu erinnern scheint, macht „Der letzte Schattenschnitzer“ zu einem empfehlenswerten Leseerlebnis trotz seinen Schwächen.

★★★☆☆

1 Kommentar:

  1. Hi,
    ich habe das Buch gerade ausgelesen und ich musste mich hindurch quälen, da es nicht meinen Geschmack getroffen hat - aus denselben Gründen, die duch auch aufgeführt hast. Zudem fand ich es leider gar nicht spannend. Dabei mag ich Bücher mit Perspektivwechseln und eingebauten Ausschnitten aus anderen Dingen (wie hier das alchemistische Buch) und die Visualisierung durch die verschiedenen Schriftarten sehr, doch hier hat dies die Handlung absolut ausgebremst.

    Ich schreibe meine Rezension gleich noch fertig und stelle sie morgen auf meinem(unseren) Blog online. Schau doch mal vorbei uns gib deinen Senf dazu! ;-)

    LG horrorbiene

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