Rezension: Saeculum von Ursula Poznanski

26 November 2011 |

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Verlag: Loewe
Format: Paperback
Seiten: 496
ISBN-13: 978-3785570289
Preis: 14,95 €

Eine Sage und der finstere Wald

Auf einem Mittelaltermarkt wird Bastian, Medizinstudent mit weltbekannten Arzt als Vater, den er selbst nicht leiden kann, von Sandra, die er seit 6 Wochen erst kennt, dazu überredet auf ein Live-Rollenspiel mitzugehen um sich vom Studium ablenken zu können. Saeculum heißt die Gruppe, die sich wieder zurückversetzen will zur Zeit des 14 Jahrhunderts, wie sie war. Ohne Technik, mit wenig Konform, möglichst realistisch. Dabei wählen sie Gebiete aus, die verlassen sind und wo sie ungestört bleiben können. Bastian lässt sich überreden und geht vor allem wegen Sandra mit zu diesem Ereignis.
Der diesjährige Spielort ist diesmal in einer Gegend, wo früher eine Burg gestanden haben soll um die sich eine Sage rangt, die tödlichen Ausgang hatte. Seitdem sei das Land verflucht. Vor allem Doro, die augenscheinlich glaubt mystische Kräfte zu spüren und auch zu haben, ist davon überzeugt, dass sie in ihr Unglück fahren.
Als sie in die verwitterte Waldgegend kommen, scheint alles perfekt zu sein bis auf einmal einer der Gruppe spurlos verschwindet. Liegt doch ein Fluch über den Land? Warum fühlt sich Iris verfolgt? Hat es etwas mit dem Verschwinden von Warze zu tun?

Die Geschichte greift dort, wo unsere Urängste liegen und die vor allem im Mittelalter gefürchtet waren. Die nächtliche Finsternis, ohne ein Licht das sie erhellen könnte, bringt ungeahnte Furcht in Menschen hervor und führt zu Panik. Das macht sich Ursula Poznanski zu Nutze und führt ihre Charaktere in den dunklen Wald, wo sie auf sich selbst gestellt sind. Ohne Zivilisation, ohne Möglichkeit jemand von außen zu kontaktieren. Dabei sieht man die Geschichte aus zwei personalen Perspektiven. Einmal über Bastian, der dazu überredet wurde und es immer mehr für einen riesigen Fehler hält mitgefahren zu sein, wie auch über Iris, die sich verfolgt zu fühlen scheint und glaubt, dass die Person, die sie sucht, etwas mit dem Verschwinden der anderen Saeculum-Mitgliedern zu tun haben scheint. Dabei werden die Emotionen der beiden Perspektivträger gut eingefangen, so dass deren Innensicht sie zu vollwertigen Persönlichkeiten macht. Auch die anderen Charaktere sind realistisch und greifbar und besitzen alle individuelle Schwächen und Stärken. Die Autorin geht auch auf zwischenmenschliche Beziehungen der einzelnen Charaktere ein und formt sie plastisch. Egal ob Freundschaft, Misstrauen oder Liebe.
Oft fühlt man sich an Horrorfilme wie Blair Witch Project erinnert und hat beim Lesen dasselbe düstere Gefühl. Während man durch die Zeilen streift, wirkt die Dunkelheit bedrohlich und beklemmend wie für die Saeculum-Teilnehmer. Die Anspannung, die wächst, wie auch die Kluft zwischen den Personen sind nachvollziehbar und realitätsnah gezeichnet. Wie auch merkt man jeden Einzelnen seine Entwicklung in der Geschichte an und dass sie ihre Positionen wechseln oder unsicher sind, was sie als nächstes tun sollen.
Der Schreibstil hingegen ist detailliert, aber trotzdem nicht zu ausschmückend um die Umgebung für den Leser spürbar machen zu können. Vor allem wird auf das Verhalten der Charaktere eingegangen und lässt diese zum Leben erwecken. Man fühlt ihre Panik, ihre Wut, wie ihre Verzweiflung, merkt wie sie immer mehr der Sage Glauben schenken, wie Doro immer mehr Holz in die Glut wirft, sie misstrauisch werden und scheinbar den Verstand verlieren zu scheinen. Durchgehend spannend sind die Ereignisse geschildert und man bleibt an den Seiten kleben, lässt sich vorantreiben bis man endlich den Wahnsinn der Lage begreifen kann.
Das Ende des Thrillers kommt leider etwas vorhersehbar daher, obwohl keineswegs alle Zusammenhänge sofort ersichtlich sind. Bis zum Ende ist man sich nicht sicher ob es der Fluch ist, der über dem Gebiet zu herrschen scheint, oder ob andere Mächte am Werk sind und sie in das Unglück stürzt. Logisch und schlüssig ist die Auflösung und man kann die Seiten des Buches zufrieden schließen.

Fazit

Saeculum ist ein spanneder Thriller, der an Filme wie Blair Witch Projekt erinnert, mit der Urangst vor der Finsternis, speziell im Wald, spielt und den Leser in eine beklemmende Lesereise führt. Realistische Persönlichkeiten, zwischenmenschliches Gespür, wie ein Gefühl für Spannungsaufbau machen diesen Thriller lesenswert.

★★★★☆

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