Rezension: Torso von Wolfram Fleischhauer

14 November 2011 |

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Verlag: Droemer
Format: Gebunden
Seiten: 432
ISBN-13: 978-3426198537
Preis: 19,99 €

Über Torsi, Wirtschaft und DDR

Ein Frauentorso wird in einem Plattenbau gefunden. Die menschlichen Teile wurden mit einem Ziegenkopf zu einer grotesken Skulptur und Hauptkommissar Zollanger wird gerufen um den Fall aufzuklären. Zuerst scheint das Täterprofil auf einen makaberen Künstler zu deuten und auch der zweite Torso scheint geradezu gewollt seinen Platz in einem Szene-Club in Berlin zu finden. Doch was hat es damit auf sich? Wieso diese Bilder? Was ist die Intention dieser Grausamkeiten? Hat der Mörder noch „Vorrat“?
Derweil sucht Elin Hilger mit dem Hauptkommissar in ein Gespräch zu gekommen. Er hat die Ermittlungen in dem Todesfall ihres Bruders geführt, der klar als Selbstmord deklariert wurde. Elin ist anderer Meinung und glaubt ihr Bruder ist ermordet worden. Wieso hat er seine Festplatte sonst verschlüsselt? Wieso hatte er Schulden, dabei hat er doch gut verdient und was hat seine ehemalige Firma „BIG“ damit zu tun?
Zieten ist Leiter einer Bank, die immer mehr in den Weg des Konkurses geht. Ausgeschlachtet hat er sie und das mit vollem Bewusstsein um die Schulden schlussendlich vom Stadtstaat Berlin begleichen zu lassen ohne dass sie es ahnen. Doch seine Tochter wird entführt. Ahnt jemand etwas darüber? Ist ihm jemand auf der Spur und seine Machenschaften sind entdeckt?

Torso behandelt eine Thematik, die in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Medien wie der Politik gelangt ist. Es gibt keinen Tag an dem das Wort „Bankenkrise“ nicht in den Mund genommen wird. Spielend im Jahre 2003 geht dieser Thriller auf einen Wirtschaftfall ein, der ähnlich fast so geschehen ist: Der „Berliner Bankenskandal“, dessen Hintergründe heute noch im Schatten der Politik wie der Banker liegen. An dieses Ereignis angelehnt baut Wolfram Fleischhauer seinen Thriller auf und schickt seine Charaktere durch den Urwald des durchgestylten Thrillers. Doch da fangen schon die Probleme an: Der Protagonist, wie alle anderen Figuren in diesem Buch fehlt das Leben um sie greifbar zu machen. Sie haben alle einen Stempel aufgesetzt und dieser bleibt ihnen ewiglich auf der Stirn haften, was die Persönlichkeiten schlicht und ergreifend einfach blass macht. Widererkennungswert: Fehlanzeige. Besonderheiten der jeweiligen Personen: Nicht vorhanden.
Bei der Geschichte verhält es sich ähnlich. Typisch beginnend mit der Leiche und der forensische Analyse verwandelt sich der Thriller immer mehr in einen Wirtschaftskrimi, der schlussendlich auch noch mit Stasi und DDR aufwartet. Zwar ist die Hauptfigur Zollanger ein Volkspolizist gewesen im damaligen Osten und durch und durch Sozialist, arbeitet aber für den heutigen Staatsapparat problemlos weiter, was aber zur Haupthandlung sehr wenig beiträgt und nur gegen Ende dann an Bedeutung gewinnt. Leider im negativen Sinne. Denn am Ende sind wir an der Geschichte vorbei, bleiben mit noch mehr Fragezeichen zurück als wir zu Beginn über uns kreisen hatten und werden etwas ausgesetzt, was als passionierter Leser nur enttäuschen kann. Zudem ist der ganze Verlauf der Handlung zeitweise nicht nachvollziehbar. Die Schritte der jeweiligen Personen sind oft wirr und basieren auf Rückschlüsse, die wie aus der Luft gegriffen scheinen. So wird aus einer simplen, schon abstrusen wirkenden, Hypothese plötzlich der Wendepunkt in der Geschichte, der alles zum Einsturz bringt. Außerdem wirkt der ganze Aufbau viel zu konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Zusammenhänge werden gezogen, wo eigentlich keine sein sollten. Denn von drohender Bankenpleite, die Berlin auszugleichen hat, zu Stasi und Menschentorsi wird ein weiter Bogen gespannt, der am Ende leider unter seiner Last zerbricht.

Fazit

Gut angesetzt, schlecht weitergeführt, katastrophal geendet. So kann man Torso zusammenfassen. Von allem zu viel und zu pathetisch aufgebaut. Hier hätte man sich an: „Weniger ist mehr“ halten sollen. Dann wäre es ein spannender Wirtschaftsthriller mit aktuellem Bezug geworden.

★☆☆☆☆

1 Kommentar:

  1. Mal eine Verriss-Rezi von dir. Das Buch hätte mich sowieso nicht angesprochen, aber so: Aus dem Auge, aus dem Sinn. :D

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