Rezension: Der Waldvogel von Christian Oehlschläger

04 Dezember 2011 |

Zum Buch

Verlag: J. Neumann-Neudamm
Format: Gebunden
Seiten: 312
ISBN-13: 978-3788813901
Preis: 14,95 €

Mendelski/Schnur-Krimis


1. Der Schwanenhals
2. Der Kohlfuchs
3. Die Wolfsfeder
4. Der Waldvogel

Auf der Suche nach dem Waldschrat

Robert Mendelski und Maike Schnur werden nach der Beerdigung eines Kollegen zu einem neuen Fall gerufen. Die Weißrussin Laryssa Ascheschka wurde mit einen grünen Blumendraht erstickt in ihrem Wohnmobil tot aufgefunden, wo so ihrer Tätigkeit als Prostituierte nachging. In Verdacht gerät Bruno Janoske, ein Waldschrat der im niedersächsischen Wald zwischen Celle und Fuhrberg sein Leben verbringt. Doch zu Unrecht gerät er in den Fokus der Ermittlungen: Er hat nur die Weißrussin beobachten wollen und hat gesehen wie der Freier Märtens, der einen Faible für Rollenspiele hat, in das Sexmobil eingestiegen ist und panikartig wieder verlassen hat. Aber wer würde einen verwahrlosten, im Wald herum streifenden, Menschen Glauben schenken und ihn nicht als Mörder von Laryssa betrachten? Deswegen flieht er in den Wald und versteckt sich vor der örtlichen Polizei. Doch nicht nur die ist ihm auf dem Fersen. Als eine zweite Prostituierte, eine gute Freundin von Laryssa, auf dieselbe bestialische Art in ihren Wohnwagen gefunden wird, schlagen die Zuhälter der beiden Prostituierten Alarm und nehmen die Sache selbst in die Hand. Mit einer Gruppe von Jägern machen sie sich auf die Jagd nach dem unschuldigen Waldschrat. Dabei gerät die Situation völlig aus der Kontrolle.

Das Setting des Kriminalromans ist ungewöhnlich und neu. In den niedersächsischen Wäldern zu Hause, erzählt der Förster und Autor Christian Oehlschläger, eine spannende Verfolgungsjagd mit Liebe zum Detail. Die Umgebung ist greifbar und man kann jede Tannennadel einzeln berühren. Man merkt wie der Wind sich verhält, die Wälder rauschen und wie das Getier seinen Weg durch die grüne Landschaft schlägt. Immer mit dem Gespür für lokales Flair und regionaler Genauigkeit. Dabei fällt hin und wieder auch Fachvokabular aus dem Jagd- und Försterbereich, was meistens verständlich ist und für Unwissende in einem Glossar erläutert wird. So bleibt trotz der Ungewöhnlichkeit der Umgebung keine Verwirrung und Unklarheit und man kann sich einen Überblick über den Jagd- und Forstbereich schaffen.
Das Ermittlerduo Robert Mendelski und Maike Schnur kommt dabei so herzerfrischend gegensätzlich daher, dass sie einfach Sympathie ausstrahlen. Während Mendelski eher eine ruhige und besonnene Persönlichkeit hat, hat die jüngere Kollegin Maike eine ungestüme, vorlaute und neckische Art, die sie gegenüber ihren Kollegen auch an den Tag legt und einen Schmunzeln lässt. Auch alle anderen Charaktere haben eine Authentizität, die vor allem durch die zwischenmenschlichen Beziehungen rühren und über die täglichen Sticheleien des Lebens die Personen Leben einhauchen. Zwar fehlt die übliche Hintergrundinformation zum Leben des Ermittlungsteams, außerhalb der kriminologischen Arbeit, was aber nur zum Vorteil des Lesers ist. Obwohl „Der Waldvogel“ der vierte Fall um das skurrile Ermittlerpaar ist, ist das Bild der beiden Protagonisten klar und eindeutig ohne Vorkenntnis der Vorgänger.
Der Autor arbeitet mit Perspektiven um seine Geschichte zu erzählen. So wechselt er hauptsächlich zwischen der Flucht des Waldschrates und der Ermittlungsarbeit, greift aber auch zu anderen Sichten um auch alle Seiten des Falles beleuchten zu können. Immer mit angepassten Schreibstil und Blick der Innensicht des jeweiligen Perspektivträgers. Der Stil ändert sich oftmals von ruhig, spannungserzeugend bis zeitweise ironisch und umgangssprachlich und bildet damit Abwechslung und individuelle Unterschiede zu den jeweiligen Gedanken.
Bis zum Ende ist man gefesselt von der Kriminalgeschichte, empfindet die Auflösung als Überraschung und hat die Feststellung dass man auf die falschen Fährten eingegangen ist. Aber ein Grand Finale bleibt doch irgendwie aus. Das Ende kommt mit keinen Paukenschlag daher, sondern sanft und ruhig, wie der ganze Roman daherkommt. Der Höhepunkt der Geschichte ist schnell abgehandelt, trotz des Falles dass er einem mit Staunen und Faszination die Zeilen lesen lässt. Es bleibt aber realistisch, logisch und auf seine eigene Art skurril und leicht überspitzt. Außerdem ist die ganze Jagd nach dem Waldschrat ein wenig zu ausführlich geraten, so dass die eine oder andere Länge in den spannenden Krimi eingeschlichen hat.

Fazit

Christian Oehlschläger überzeugt mit einen antithetisch-sympathischen Ermittlerduo, einem spannenden Kriminalfall mit ungewöhnlichem, plastisch gezeichneten Spielort wie Umgebung und eigenständigen, ans Herz wachsende Charaktere und schafft daraus einen lesenswerten Regionalkrimi rund um die niedersächsischen Wälder.


★★★★

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen