Rezension: Die Marionette von Alex Berg

13 Dezember 2011 |

Zum Buch

Format: Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN-13: 978-3426508992
Preis: 9,99 €

Die Soldaten im Afghanistan-Einsatz

Katja Rittmer ist Soldatin einer Eliteeinheit in Afghanistan und gehört zu den wenigen Frauen dieser Sondereinheit. Als sie mit ihrer Truppe in einen Hinterhalt der Taliban gerät und dabei die einzige Überlebende bleibt, schlägt ihr die komplette grausame Fratze des Krieges entgegen. Während sie Glück hatte, hat ihr Verlobter Chris beide Beine in einem anderen Einsatz verloren und sie selbst wird mit Vorwürfen überschüttet. Die Kugel, die in ihr gesteckt hatte stammte dabei aus deutscher Produktion vom größten Rüstungskonzerns Deutschlands: den Larenz-Werken. Woher haben die Taliban die deutschen Waffen? Wie kommen sie an die Munition heran? Die Fragen stellt sich auch Eric Mayer, ein Bundesnachrichtendienst-Agent, der zur Aufklärung dieses Dilemmas ins Epizentrum der Katastrophe geschickt wurde und früher selbst in den höheren Rängen der Bundeswehr für Deutschland gekämpft hat, wie auch die Anwältin Valerie Weymann , die mit ihrer Kanzlei die Larenz-Werken in diesem Krisenfall vertritt.
Aufgrund der Geschehnisse wird Katja zurück nach Deutschland geschickt und sie versucht hinter das Netz aus Intrigen und Korruption zu blicken um die Wahrheit ans Licht zu bringen, warum ihre Kameraden gefallen sind und scheut nicht davor zurück unkonventionelle Mittel einzusetzen, die ihr zur Verfügung stehen. Doch die Spinnen, die in diesem Netzwerk sitzen, spinnen ihre Fäden durch Wirtschaft und Politik und bringen Valerie und Eric ins Frontfeuer zwischen Wahn und erschreckender Wirklichkeit.

Mit einem Ruck wird man schon zu Beginn nach Afghanistan verschleppt und schmeckt dem Staub auf der Zunge. Plötzlich sieht man sich als Leser konfrontiert mit dem Afghanistan-Einsatz, direkt vor Ort, konfrontiert, vor dem man oft die Augen verschließt und verdrängt. Das Grauen, was dieser unausgesprochene Krieg hervorbringt lässt einen schlucken. Man wird sich erstmalig bewusst, mit was sich ein Soldat dort täglich auseinandersetzen muss. Als dann Politik und Wirtschaft in den Thriller verwebt wird, ist man in der Welt von Korruption, Intrigen und dem eigenen Vorteil angelangt. Wie manche diesen Konflikt zu einer monetären Anlage mache und skrupellos handeln, ohne zu Bedenken welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Fassungslosigkeit macht sich in einen breit und treibt einen durch den spannungsgeladenen Thriller.
Es sind Dinge, die nur, wenn überhaupt, unter vorgehaltener Hand besprochen werden, die Alex Berg hier aufgreift: Afghanistan-Einsatz und die Folgen für die Soldaten, die dort kämpfen müssen. Ergreifend schildert sie das Leben eines Soldaten in Afghanistan, kritisiert die intentionierte Blindheit der Menschen gegenüber dem Blutvergießen und scheut nicht vor Politik und Wirtschaft zurück. Dabei besitzt dieser Politthriller eine Authentizität, die einen aufhorchen und an mediale Ereignisse zurückdenken lässt. Sie beschreibt die Ausläufer einer Krankheit, die aufgrund der Unterversorgung in der Bundeswehr nicht behandelt wird. Die Posttraumatische Belastungsstörung, ausgelöst durch die stetige Konfrontation mit der Waffe und dem Töten zwischen Bomben und Körperflüssigkeiten, die Soldaten zu Wracks machen und sie nicht mehr in ein normales Leben zurückkehren lässt. Zu lange sind sie schon im Krieg und können damit nicht mehr umgehen, nicht mehr Angst haben zu müssen vor den nächsten Angriff, sie nicht kämpfen müssen.
Aus diesen ganzen Komponenten spinnt Alex Berg einen atemberaubenden Thriller, der sich kritisch mit dem Afghanistan-Einsatz auseinandersetzt und Dinge in den Fokus rückt, die sonst gänzlich unberührt in der Bevölkerung sind. Plastisch und spannend erzählt sie dadurch eine Geschichte, die realitätsnäher fast nicht sein kann. Fiktion und Wirklichkeit gehen Hand in Hand und man merkt dem Buch an, was für eine Recherchearbeit dahintergesteckt haben muss. Nichts wirkt aufgesetzt, aufgezogen und überzogen, sondern glaubwürdig von den Charakteren zu den politischen und wirtschaftlichen Vorgängen bis hin zu den Gefühlen und der Psyche der jeweiligen Charaktere. Der Thriller arbeitet dabei mit vielen Orts- und Perspektivenwechseln um alle Seiten beleuchten zu können und hinterlässt einen Gesamteindruck wie es nur wenige Politthriller hinterlassen. Von Afghanistan, Politik und Wirtschaft zu Soldaten und dem inneren Krieg wird ein Bogen gespannt, der tief trifft und den Leser nachdenklich stimmt.

Fazit

Ein kritischer und atemberaubender Thriller zum Thema Afghanistan-Einsatz, der zum Nachdenken animiert und Bereiche betritt, die sonst unbeleuchtet in Medien wie Bevölkerung bleiben. Ein Pageturner und Politthriller wie er sein sollte. Absolut lesenswert!

★★★★★

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