Rezension: Ohne Ziel von Andreas Kurz

20 Dezember 2011 |

Zum Buch

Verlag: UBooks
Format: Taschenbuch
Seiten: 229
ISBN-13: 978-3939239031
Preis: 9,95 €

Unschuld hört einfach auf

Simon hat es nicht und fristet ein Leben als Einzelgänger, als Loser der Gesellschaft. Mit seinen sechzehn Jahren lebt er bei seiner Großmutter, da die eigene Mutter ihren Sohn nicht beachtet und Simon niemals eine Beziehung mit ihr aufbauen konnte, und verbringt seine Nachmittage im nahe gelegenen Wald ihres heruntergekommenen Stadtrandhauses. Unterstützt werden die Beiden vom Großonkel Friedel, dessen Sohn Manfred, ein Unteroffizier bei der Bundeswehr, gestorben ist und er sich seitdem mit dem Leben herumschlägt. Zwischen all dem steht Simon, der sich selbst Bandido nennt, und als Fluchtpunkt vor den Gefühlen ein ewiger Versager zu sein, wie seinen Hass auf alle in seiner Umgebung, seine Nachmittage im Wald verbringt. Doch als er diesmal durch die vertraute Gegend streift, sieht er wie zwei Männer etwas im Wald vergraben und ihre Spuren versuchen zu verwischen. Seine Neugierde ist geweckt und er findet Gewehre und greift sich eines davon. Mit diesem übt er täglich in der Nacht und findet schließlich eine passende Patrone bei Friedel im Zimmer des verstorbenen Manfred. Allmachtsgefühle machen sich in ihm breit und er wünscht sich jemanden treffen zu können, der es mit ihm aufnehmen kann.
Er will mehr über die Gewehre wissen und macht sich auf die Suche nach dem Männer und findet dabei Blacky. Blacky ist die Schwester von einem der beiden Männer, die er im Wald gesehen und zudem die Person, in die er sich verliebt und gerät in eine Sache, bei der er sich wünscht, niemals einen Gegner heraufbeschwören zu haben.

"Ohne Ziel" ist ein Roman über das Heranreifens eines Jungen zu einem Mann und die Veränderung des Körpers wie dem Trieb nach Selbstverwirklichung und Sexualität wie über Gewalt und die wechselnden Verhältnisse zwischen Opfern und Tätern. Simon will wie jeder anderer Sechszehnjähriger eine Freundin und Sex, schaut jedem weiblichen Geschöpf gedankenabschweifend hinterher und ist genervt von seiner Großmutter wie seinen Großonkel Friedel, da sie ihn immer noch behandeln als wäre er noch ein „Bub“. Mit seinem Umfeld und momentanen Lage kann er sich nicht Zufrieden geben und er fühlt sich als Versager und Loser der Gesellschaft. Mit der Waffe glaubt er, er wäre Jemand, denn niemand sonst weiß von dem Gewehr und mit der Patrone kann er das Schicksal bestimmen.
Die Verzweiflung wie Veränderung des jugendlichen Protagonisten stellt Andreas Kurz realistisch, wenn auch zeitweise ordinär, da und macht aus Simon einen interessanten und identifiktationsfähigen Charakter und setzt ihn in ein tragisches Setting. Er beschreibt die Gewaltspirale, die sich im familiären Gefüge abspielt, wie die einzelnen Beteiligten sich jeweils fühlen. Das Opfer, das zukünftig immer wieder Opfer wird, weil ihm nie geholfen wird wie auch denen, die wissen was geschehen, aber wegsehen und aus Angst nicht helfen. Die Ohnmacht, Verzweiflung wie das zerrüttete Verhältnis innerhalb der Familie bringt der Autor zum Ausdruck und wie sich das Verhalten durch weitere Generationen ziehen kann, wenn man den Zyklus nicht durchbricht. Andreas Kurz schreibt von Opfern, die ausgesetzt ihrer Pein, bei ihren Tätern aus Zwang bleiben wie auch über die Kraftlosigkeit dieser sich gegen ihre Peiniger zu erheben und von denen die sich erheben und wie ein in die Ecke getriebenes Tier zur Wehr setzen und das in einem einfachen Schreibstil, der zwar mit kurzen Hauptsätzen arbeitet nicht anspruchsvoll zu lesen, aber keineswegs anspruchslos ist. Bei der Wortwahl muss man sich auf Vulgärsprache gefasst machen, die aber passend und emotionsunterstreichend genutzt wird. Die Figurenkonstellationen wie auch die Charaktere selbst sind authentisch und machen das Lesen des Romans, aufgrund der erdruckenden Umstände, zu keiner Leichtigkeit und wie auch lässt das Ende einen Schlucken. „Ohne Ziel“ entwickelt sich auf die letzten Zeilen hin immer mehr zu einen spannungsgeladenen Drama, dessen Schluss sich nahtlos in das Gesamtgebilde einfügt, auch wenn es eher vorhersehbar ist, rundet den gesamten Roman ab und lässt Platz für Lebensphilosophie und Moral. Denn „Unschuld verliert man nicht. Sie hört einfach irgendwann auf.“

Fazit

„Ohne Ziel“ ist ein spannender und tragischer Roman über Gewalt und die dadurch wechselnden Machtverhältnisse, Ohnmachtsgefühle wie Hilflosigkeit von Tätern und Opfern. Ein lesenswerter Roman mit Moral und Nachdenkpotenzial.

★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Toll geschriebene Rezension. :) (Leider bin ich erst jetzt auf deinen wundervollen Blog gestoßen) Das Buch hört sich wirklich sehr interessant an, ich glaube ich werde es mir womöglich auch bald kaufen.
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