Rezension: Das Parfum von Patrick Süskind

22 Januar 2012 |

Zum Buch

Verlag: Diogenes
Format: Taschenbuch
Seiten: 336
ISBN-13: 978-3-257-22800-7
Preis: 10,90 €

Die Seele aller Dinge, ist ihr Duft

Jean-Baptiste Grenouille wird Mitte des 18. Jahrhunderts in Paris geboren. Eigentlich hätte er eine Todgeburt wie die anderen Kinder seiner Mutter sein sollen, doch er wollte leben und brachte damit seiner Mutter den Tod. Doch etwas stimmt mit dem Kind nicht. Es ist anders als die Anderen, denn es hat ein Talent: Es hat einen perfekten Geruchssinn, obwohl er selbst geruchslos ist. Sein Leben richtet sich ganz nach dem Duft der Dinge und schließlich landet er auch im Reich der Parfums: Beim Parfümeur Baldini, der sein Talent erkennt und durch seinen guten Geschäftssinn ausnutzt. Doch Grenouille ist es nicht genug und er möchte lernen jeden Duft zu konservieren und reist deswegen nach Grasse um dort schlussendlich das perfekte Parfum erschaffen zu können.

„Das Parfum“ ist einer der erfolgreichsten Romane der heutigen Zeit und ist weltweit anerkannt und bekannt, obwohl vom Autor selbst nur wenig in die Welt getragen wurde. Doch umso unglaublicher ist das Werk von Patrick Süskind. Mit Jean-Baptiste Grenouille hat er einen seelenlosen und morallosen Charakter erschaffen, der beim Leser von Beginn an, eine Antipathie auslöst, die bis zum Ende nicht loslässt. Man ekelt sich, hat Angst, findet ihn seltsam. Und dass macht Grenouille aus und zu einem interessanten und einmaligen Figur in der Literatur. Oft hat man das Gefühl der Unnahbarkeit gegenüber ihm und möchte wissen, wer Grenouille eigentlich wirklich ist, und bleibt doch vor einem Rätsel stehen. Er ist der Meister der Düfte und hat einen absoluten Geruch und kann damit alles riechen, doch alles andere bleibt verschlossen und unklar um bringt das gesamte dunkle Wesen dieses Protagonisten hervor. Ein Genie, ein Außenseiter und gleichzeitig ein olfaktorisches Monster auf der Suche nach dem göttlichen Duft. Misanthropisch und gefühlskalt kommt er daher und lässt uns die Welt durch seine Nase sehen, die nicht nur den schönen Düften gewidmet ist.
Dabei beschreibt Süskind die Geruchswelt sehr blumig, mit vielen Vergleichen und endloser Anzahl von Adjektiven, um nur einen Teil seines genial ausgeprägten Sinnes anschneiden zu können und setzt ihn in die Zeit, die man selbst doch als so wunderschön empfindet, obwohl sie geruchstechnisch eine Zumutung für die Nase war. Im 18. Jahrhundert herrschte neben den Prunk und der wunderschönen Welt der Düfte, gleichzeitig der ewige Geruch des Gestankes, der Verwesung, des Verfaulten und Ekelerregenden. Plastisch und realistisch lässt er die Zeit, in der Grenouielle lebt, erwecken und bringt uns das Frankreich näher wie es wirklich war und nicht wie es zu dieser Zeit in unseren Herzen rastet. Erläuterend und erklärend erzählt er über die Parfümeure, die Kunst und Zunft, wie das Ansehen dieser modeabhängigen Branche und führt uns das Reich der Düfte nahe, wie ein Parfum entsteht, was es zu erfüllen hat und wie Düfte unsere Welt beherrschen. Man lernt, während man liest, und lernt mit Grenouille: Die Seele aller Dinge, ist ihr Duft. Atemberaubend und historisch wertvoll.
Die Handlung hat tiefenpsychologischen, kriminologische, phantastischen wie historischen Einschlag und lässt alles unter einen Roman Platz nehmen. Wir bekommen ein Psychogramm eines Mörders, eines Wahnsinnigen, einer genialen Persönlichkeit und merken: Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander und sind schier untrennbar. Ein Bild einer ekelerregenden Zeit, in der uns ein auktorialer Erzähler führt und Grenouille Geschichte von Geburt bis Tod erzählt, kommentiert und irgendwie selbst mit angewiderter Stimme das Genie dieser kuriosen Persönlichkeit schildert, ehrfürchtig und angeekelt zugleich.
Alles zusammen findet seinen Höhepunkt in der absoluten Dekadenz des Menschen, jeglichen Verfalls von Moral und einer Kritik an das Leben selbst. Pompös und gottgleich endet die Geschichte von Grenouille und lässt den Leser erstaunen, erschreckt einen und bringt noch einmal den ganzen Ekel der Menschlichkeit zum Vorschein. Ein Höhepunkt und fulminanter Abschluss, der eines innerlich zerbrochenen und wahnsinnigen Genies, der über Leichen ging um sein Werk zu vollenden, gerecht wird.

Fazit

„Das Parfum“ ist die Geschichte eines Mörders, ein olfaktorisches Wunder, ein Psychogramm eines Misanthropen, einer Anomalität in der Gesellschaft und zugleich ein historisches Werk über die Wahrheit der pompösen, von Prunk überlagerten, doch stinkenden, wie wohlduftenden, Zeit. Ein Meisterwerk von einem literarischen Genie verfasst. Eine Pflichtlektüre für jeden Literaturliebhaber!

★★★★★

Kommentare:

  1. Lieber Christian!

    Du sprichst mir aus der Seele!

    Die Rezension ist unglaublich toll! Ich habe das Buch zu Schulzeiten lesen sollen und habe es in meinem jugendlichen Leichtsinn nicht verstehen wollen, eben weil ich mit Grenouille nicht warm wurde. Als ich etwas älter war, habe ich es nochmal gelesen, kurz bevor der Film erschienen ist. Ich war hellauf begeistert und heute zählt "Das Parfum" zu meinen Lieblingsbüchern- und Filmen.

    Eine sehr, sehr schöne Rezension!

    Liebe Grüße!
    Saskia

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  2. Hallo :)
    Ich habe die Literaturverfilmung davon gesehen und finde sie klasse.Auch das Buch habe ich gelesen,ich fand es gut,aber es gab ein paar Strecken,die,für mich zumindest,langweilig waren.
    Trotzdem ist das Buch gut.
    Eine tolle Rezension.Kompliment!
    LG
    Lisa

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  3. Freut mich, wenn ihr meine Rezension mögt ;) Werde ja ganz rot!

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  4. Hi Sky,
    Das Parum gehört auch heute noch zu meinen Lieblingsbüchern. Ich hab es schon damals als gebunde Ausgabe gelesen und war hin und weg. Das wird auch nie aus meinem Regal ausziehen. Deiner Rezension stimme ich vollstens zu!!
    LG,
    Damaris

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  5. Hallo sky,
    Ich kann mich deiner Bewertung nur anschließen, jedoch solltest du eventuell noch ein paar formelle Aspekte einer Rezension und generell beachten.
    Der Inhalt des Textes wird generell im Präsens wiedergegeben. Außerdem kann eine Rezension nicht vollkommen positiv ausfallen, du bringst keinerlei Gegenargumente zu der Genialität des Buches. Weiterhin ist bei der Widergabe des Textes darauf zu auchten, dass du den wirklich wichtigen Plot erzählst und wichtiges von unwichtigem trennst,
    Dennoch ist deine Rezension in einem Schreibstil verfasst, die mir gefällt und sich gut lesen lässt, wobei hier und da kleinere Formulierungsschwächen zu vermerken sind.
    Weiter so!
    LG E3na

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    1. Vielen Dank für die konstruktive Kritik. Mittlerweile ist die Rezension schon etwas älter und auch eine meiner Jüngeren. Man entwickelt sich mit Jahren und vor allem beim Schreiben. Aber auch heute bin ich der Meinung, dass eine Rezension sich nicht an den Formalien aufhängen muss. Ich kenne sie, finde sie aber viel zu starr strukturiert und sie rauben mir meine persönliche Note (auch wenn ich meine Kritiken unter den Titel "Rezension" führe. Für Kritiken sind sie zu oberflächlich, für Rezensionen zu tiefsinnig). Dass meine Inhaltswiedergabe nicht immer im Präsens ist, hängt mit der ungewöhnlichen Art der Inhaltsangabe zusammen, die ich schreibe. Mit üblichen Inhaltsangaben hat sie wenig gemein.
      Übrigens muss ich anmerken, dass ich bis heute an diesem Roman, den ich nicht nur einmal gelesen habe, wirklich nichts zu beanstanden habe. Ich wüsste auch jetzt nicht, welche negativen Aspekte ich erwähnen könnte!
      In meinen anderen "Rezensionen" finden sich durchaus Abwegungen, welche einen Roman schlechter oder eben besser machen und diese sind persönlicher Natur, teilweise unabhängig von der objektiven Analyse eines Textes.
      Trotz allem: Vielen Dank für die Anmerkungen, ich werde sie bei meinen aktuellen Rezensionen berücksichtigen und helfen mir auch, mich kritisch mit meiner Schreibe auseinandersetzen zu können.

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    2. Ich muss auch sagen, für mich haben meine Buchrezensionen mit den Rezensionen, deren strengen Aufbau man in der Schule lernt, rein gar nichts zu tun. Wenn man ein Buch gut findet, findet mans gut. Wenn man ein Buch richtig schlecht findet, kann man auch seine Meinung schamlos kundtun. Ein Blog ist ja ein persönlicher Platz im Internet auf dem man klatschen kann, was man will :)

      Und an dich lieber Sky, ich kann dir nur vollkommen zustimmen! Vor wenigen Tagen zum ersten Mal gelesen und Gott, bin ich froh darüber. Was für eine Genialität! Nicht nur der wunderschöne, detaillierte Schreibstil, sondern auch die außergewöhnliche (!) Geschichte macht "Das Parfum" zu einem absoluten Muss! Hast du auch die Verfilmung gesehen?

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    3. Ich bin ehrlich. Mittlerweile interessiert es im Journalismus niemanden so wirklich, ob du dich streng an den Aufbau hältst. Bei der Zeitung hält sich auch niemand daran ;)

      Und da liest sie meine uralte Rezension dazu :D
      Natürlich habe ich den Film gesehen, der ziemlich gut gemacht ist. Meiner Meinung nach eine verdammt gute Literaturverfilmung (im Gegensatz zu vielen anderen schlechten Adaptionen von Romanen)

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  6. Hi Sky,
    Das Komma in der Überschrift oder dem Zitat, das dem Text vorangeht, ist das nötig?

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