Rezension: Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth

19 Januar 2012 |

Zum Buch

Verlag: Suhrkamp
Format: Taschenbuch
Seiten: 148
ISBN-13: 978-3518460191
Preis:  5,00 €

Klappentext

„Die Ansichten des Herrn Lehrers waren mir oft zu jung.“ Der Präsident staunt. „Wieso?“ „Weil der Herr Lehrer immer nur sagte, wie es auf der Welt sein sollte, und nie, wie es wirklich ist“

Lehrer im Kampf gegen das System

Ein Lehrer korrigiert die Aufsätze seiner Schüler zum Thema: „Warum müssen wir Kolonien haben?“ und findet den Satz: „Alle Neger sind hinterlistig, feig und faul.“. Nach seiner Meinung ist er falsch und er möchte ihn verbessern, da Neger auch Menschen sind, doch unterlässt es, da er die Aussage im Radio gehört hat und zwar gegen das System ist, aber nicht dagegen ankämpfen will.
Doch beim Herausgeben der korrigierten Aufsätze, sagt er zum betreffenden Schüler trotzdem, vor der ganzen Klasse, dass Neger Menschen sind und fängt sich damit Empörung bei Schülern und Lehrern ein.
Als eine Fahrt ins Zeltlager ansteht, wo die militärische Ausbildung im Vordergrund steht, bricht das Chaos aus. Zuerst wird ein Schüler bestohlen und ein Schüler kommt ums Leben.

„Jugend ohne Gott“ ist ein Roman zum Thema Nationalsozialismus, der vor dem Ausbruch des zweites Weltkriegs erstmalig  1937 erschien und rückt die Moral, zu dieser kritischen Zeit, in den Mittelpunkt der Gesellschaft. Dabei hat das Werk an Aktualität und Wert über die Jahre hinweg nicht verloren. Es dreht sich um schülerische Gewalt, um Machstrukturen unterhalb der Schüler wie auch Gruppenzwang und dies so unaufdringlich in dieser schmalen Lektüre, dass man schier verwundert und verblüfft ist. Das System wird jedoch niemals eindeutig angesprochen und bleibt unter einen besonderen Mantel, obwohl einen bewusst ist welche Allegorie für welche Persönlichkeit steht. Er stellt einen Vergleich mit dem römischen Reich auf, der passender nicht sein könnte für den Nationalsozialismus. Gleichzeitig auf eine philosophische Art und Weise, die einen fasziniert und Aufmerksamkeit erregt.
Aus der Perspektive des Lehrers erleben wie die Welt als Kritiker und stummer Gegner des Systems, der sich im Laufe der Geschichte immer weiterentwickelt, seine Überzeugungen immer weiter in den Fokus rückt und schlussendlich doch erhebt gegen die Welt um ihn herum und lebendig wird durch seine Gedankenwelt und den stetigen inneren Monolog voller Zweifel und Bedenken und Gegenwehr. Dadurch wird er greifbar und man fühlt sich mit ihm verbunden, während man als Leser mit ihm durch die Geschichte schreitet. Auch die weiteren Charaktere, haben trotz ihrer fehlenden äußeren Erscheinung und Gedankenwelt, eine Authentizität oder eine Blässe, die vor allem im Bereich der Schüler, gewollt und damit die Systematik, die hinter der Manipulation steckt, begreifbarer macht. Er tickt durch die Vielfalt der Charakterprofile viele Bereiche der Gesellschaft hab, so dass man einen Feldwebel oder auch Pfarrer hat und deren Gedanken durch Dialogie repräsentieren lässt.
Dabei hat Ödön von Horváth gänzlich auf einen schwierigen Schreibstil verzichtet und arbeitet mit kurzen Hauptsätzen, die das Lesen der doch schweren Thematik einfach gestaltet und hält nichtsdestotrotz ein sprachliches Niveau, welches auch beim anspruchsvollen Leser Gefallen findet. Man merkt ihn seine Arbeit als Theaterstückautor an, so dass auch oft manche Szenen auf einen Wirken wie eine Aufstellung in einer Aufführung, was keinenfalls negativ zu betrachten ist.
Aus all diesen Faktoren schafft Horváth einen Roman, dessen Ende verblüfft und doch den faden Beigeschmack innehält, zum Umdenken bewegt und verdeutlicht, wie weit der Nationalsozialismus noch münden wird. Bestechend scharfer Blick auf eine Gesellschaft, deren Umschwung und deren negativen Folgen, die schlussendlich in der Realität im Krieg gemündet sind, vor dem uns dieses Buch gewarnt hat.

Fazit

Eine Lektüre zum Thema Nationalsozialismus, auf Fokus der schulischen Umgebung, der überzeugt, moralisch anstößig ist und zu einer dekadenten Zeit veröffentlicht wurde. Ein Werk, welches an seiner Intensität und Kraft wie Aktualität über die Jahre hinweg nichts eingebüßt hat. Ein Muss für alle, die den Nationalsozialsmus unaufdringlich erleben wollen.


★★★★

Kommentare:

  1. Hey Sky, eine schöne Rezension! Ich musste das Buch früher in der Schule lesen und ich weiß noch, dass es mir damals ziemlich gut gefallen hat. Eigentlich wollte ich es immer nochmal lesen, aber der ewige SuB hat mich bisher davon abgehalten... Deine Rezi macht mir jetzt richtig Lust, es doch mal wieder in die Hand zu nehmen!
    Lieben Gruß von deiner Bücherdiebin

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    1. Dankeschön, freut mich, wenn sie dir gefällt. Es ist eine Schullektüre (wir lesen sie eigentlich noch :D) und mir hat sie einfach wahnsinnig gut gefallen ;) Außerdem ist es ja dünn und schnell gelesen. ;)

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  2. Hallo!
    Tolle Rezension,werde das Buch mal direkt vormerken ;)
    LG Lisa

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