Rezension: Kein Entkommen von Linwood Barclay

06 Januar 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: Never Look Away
Format: Taschenbuch
Seiten: 576
ISBN-13: 978-3548283487
Preis: 9,99 €

Wenn man die eigene Frau nicht mehr kennt

David Horwood ist bei der Zeitung Standard und arbeitet an einem Artikel, der den Bau eines Gefängnisses stoppen könnte. Dem zuständigen Unternehmen ist das ein Dorn im Auge und sie versuchen David zum Schweigen zu bringen, damit der Bau problemlos über die Bühne laufen kann. Seine Frau Jan hingegen leidet augenscheinlich an Depressionen und spielt mit den Gedanken sich selbst umzubringen. Als sie den Five Mountains Vergnüngspark besuchen, geschieht das Schlimmste: Ethan, ihr vier Jahre alter Sohn, scheint entführt worden zu sein. Verzweifelt suchen sie ihn, bis David ihn wiederfindet. Doch seine Frau ist plötzlich unerreichbar. Jan scheint vom Erdboden verschluckt und David macht sich Sorgen. Die Polizei wird alarmiert und auf einmal stellt sich alles in einem anderen Licht da. Jan hat nach den Überwachungskameras den Park nie betreten und auch wurde nie ein Drittes notwendiges Ticket online gekauft. David versteht die Welt nicht mehr und begibt sich auf der Suche nach seiner Frau. Dabei besucht er ihre Eltern und muss feststellen, dass eine Jan Richler im Alter von sechs Jahren bei einem Unfall gestorben ist. Doch wer ist seine Frau und warum zeigen alle Zeiger der Ermittlungen auf ihn? David gerät in ein Netz voller Lügen, wo der schöne Schein plötzlich trügt und wo die Suche nach Jans wahrer Identität beginnt.

Linwood Barclay gehört zu den wenigen Autoren, die es schaffen Thriller zu schreiben ohne viel Blut vergießen zu müssen und den Schwerpunkt bei der Familie und nicht bei der Ermittlungsarbeit zu setzen. So spielt sich auch „Kein Entkommen“ im familiären Umfeld statt. David Horwood, der Protagonist der Geschichte, schildert aus der Ich-Perspektive seine Verzweiflung, seine Fassungslosigkeit über die neuen Erkenntnisse und den endlosen Druck der auf seiner Brust von allen Seiten lastet. Sei es die Tatsache als Hauptverdächtiger zu gelten oder die Problematik seine Frau nicht zu kennen. Je mehr Erkenntnisse er erlangt, desto absurder wirkt alles auf ihn und seine Verzweiflung ist greifbar und spürbar für den Leser dargestellt. Neben dieser Hauptperspektive, arbeitet Linwood Barclay mit weiteren Sichten wie zum Beispiel die Ermittlungsarbeit und auch diese Charaktere wirken glaubwürdig und wie aus den Leben gegriffen. Speziell die Dialoge haben einen Realismus, der Staunen lässt. Sehr gefühlsbetont sind die Gespräche wie die Handlungen der einzelnen Personen gestaltet, so dass die Figuren zum Leben erwachen.
Der lockerleichte Schreibstil des Autors macht es schwierig das Buch wieder aus der Hand zu legen. Es liest sich unglaublich flüssig und reißt einen ab der ersten Seite mit ins Geschehen, auch wenn die Handlung keine Überraschungen birgt. Der gesamte Verlauf der Geschichte bringt nicht viele überraschende Wendungen, was aber der Spannung beim Lesen nur wenig schadet. Die Zusammenhänge der einzelnen Personen wirken zeitweise sehr konstruiert, bleiben aber durchaus authentisch und finden alle wider zu einem Ende. Die einzelnen Puzzlestücke, die nur eine unwichtige Nebeninformation zu seien scheinen, bilden ein gesamtes Bild. Ein Zahnrad greift ins Andere und man merkt wie der gesamte Mechanismus in Bewegung geraten ist und wie es so weit kommen konnte.
Alles mündet in einem hollywoodwürdigen Finale, dass aber keineswegs deren Abstrusität besitzt wie sie in Blockbuster oft üblich ist. Trotzdem enttäuscht das Ende des Thrillers und man bleibt am Ende etwas unbefriedigt. Der Ausgang ist leider etwas weit hergeholt und man hat das Gefühl als wäre dieser Abschluss aus der Not geboren worden um den fulminanten Abschluss in Gang zu bekommen.

Fazit

„Kein Entkommen“ ist ein spannungsgeladener Thriller, mit herausstechenden Charakteren, im lockerleichten Schreibstil, der einen mitreist. Ein Thriller, der unterhält und gefühlsbetont eine Familientragödie erzählt über den schönen Schein, der oft trügen kann.

★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Dein Blog ist toll, deine Rezensionen logisch, interessant und hilfreich.
    Das Buch klingt interessant!
    Ich habe dich getaggt, wäre nett, wenn du es fortsetzten könntest! (:

    http://tina-re.blogspot.com/2012/01/getaggt.html

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