Rezension: Schweig still, süßer Mund von Janet Clark

28 Januar 2012 |

Zum Buch

Verlag: Loewe
Format: Klappenbroschur
Seiten: 352
ISBN-13: 978-3785572740
Preis: 12,00 €

Zwischen Vertrauen und dunklen Geheimnissen

Janas beste Freundin Ella ist urplötzlich verschwunden und unauffindbar. Bei der Theaterprobe für die Aufführung, welche Ella alles bedeutet, fehlt sie, obwohl sie Jana eine SMS geschrieben hatte, dass sie etwas Wichtiges ihr zu sagen habe. Doch sie taucht nicht auf und auch in ihrer Wohnung, in der sie alleine wohtn, ist sie nicht zu finden. Die Sorgen von Jana steigen stetig an und sie versucht die Polizei zu überreden nach ihr zu fahnden. Aber aufgrund ihrer Volljährigkeit nimmt die Polizei keine Ermittlungen auf und Jana macht sich selbst auf der Suche nach ihrer besten Freundin. Mit Fabian und ihrer Schwester Miriam fängt sie selbst Nachforschungen anzustellen und stellen eine Seite ins Internet um Ella zu finden.
Leider entwickeln sich Janas selbstständige Ermittlungsversuche in entsetzliche Enthüllungen über ihre Freundin. Für sie scheint eine Welt zu zerbrechen und Ella scheint ihr eine Unbekannte zu sein. Im Meer aus Geheimnissen scheint sie schier zu ersticken und findet überraschend halt bei Oliver, der sie auffängt und ihr Leben und Vertrauen einhaucht. Nichtsdestotrotz und ihre Zweifel überwindend sucht sie weiter nach ihrer besten Freundin und sieht sich weit schlimmeren entgegensehend.

Janet Clark hat mit „Schweig still, süßer Mund“ ihren ersten Thriller geschrieben, der spannungsgeladen und ein wahrer Pageturner ist. Von Beginn an wird man hineingezogen ins Geschehen und kämpft sich durch Janas Gefühle, die sich zwischen Verzweiflung, Zusammenbruch, Mut und Liebe bewegen und die Protagonistin zum Leben erwecken. Sie ist im Liebeschaos gefangen, hat Streit mit ihrer alleinerziehenden Mutter und glaubt an tiefe Freundschaft und Zusammenhalt. Dabei ist der Charakter so intensiv und authentisch, dass es oft schmerzt und auch beim Lesen Beklommenheit hervorruft. Jugendlich-modern kommt die 17-jährige Jana daher und bildet damit ein realistisches Bild einer heutigen Jugendlichen ohne nur einmal zu reif oder überzeichnet zu wirken. Gesetzt wird sie in die moderne Welt mit kritischen Augen gegenüber Medienphänomenen wie Castingshows, zwischen geplanter und zurechtgeschnittener Blamage und Korruption der Produzenten, um die Quoten nach oben zu treiben, sozialen Netzwerken und ihre Gefahren und die Videoportale und deren virale und zerstörerische Kraft im Internet. Denn was einmal in diesem Netz landet, findet nicht mehr heraus und bleibt dort für immer bestehen. Geschickt platziert und ohne Moralpeitsche webt sie diese Elemente, die die heutige Generation prägen und verfolgen, in die Suche nach der vermissten Ella, ein und beweist einen geschärften Blick für die technische und selbstverwirklichungsorientierte Jugend. Und nicht nur für die Jugend, auch das Bild der besorgten Mutter, die sich aufopferungsvoll als Alleinerziehende durchschlägt und die ältere Schwester als Ersatzmutter einstellt für Ella einstellt, ist deutlich und klar gezeichnet und vermittelt ein ohne Klischees auskommendes Bild einer solchen Familienstruktur.
Zwischen Lug und Trug, vorsätzlicher Täuschung und blinder Liebe, befinden sich die Geheimnisse von Ella, die Jana im Laufe der Geschichte entgegenschlagen und ein Jeder scheint im Laufe der Geschichte zum Verdächtigen zu werden. Jeder könnte es sein, andere machen sich verdächtig, obwohl sie sich wegen innerlichen Konflikten bedeckt halten, andere scheinen offensichtlich mit Ellas Verschwinden im Zusammenhang zu stehen und wiederum andere bleiben anfänglich unbeteiligt um doch plötzlich sich ins Gefüge zu fügen. Oft leidet man mit Jana mit, hat Angst um sie und möchte sie von ihren Schritten abhalten oder bestärken ihre Suche vorzusetzen und ist somit tief zwischen den Seiten gefangen genommen.
Stilistisch arbeitet die Autorin mit verschiedenen Perspektiven, die sich untergliedern in die vom Entführer, der als Ich-Erzähler auftritt, der von Ella, die eingesperrt ist, und der Haupthandlung von Jana, die in personaler Erzählsituation geschildert sind. Dabei liest man immer wieder die geschriebenen E-Mails von Jana, die ihre momentane Gefühlswelt vermitteln und an Ella verfasst sieht. An ihnen kann man ihre gesamte emotionale Spektrum ablassen, welche Jana noch lebendiger erscheinen lassen.
Doch trotz der hohen Spannung, die mit jeder Seite kontinuierlich ihren Weg nach oben findet, ist vorhersehbar, wer verantwortlich für Ellas Verschwinden ist, obwohl die Beweggründe einen nicht sofort ersichtlich erscheinen. Seite für Seite manifestiert sich das Motiv und man glaubt an keine überraschende Wendung mehr um schlussendlich überrascht die letzten Zeilen liest. Denn alles, was klar erschien, verändert sich und rückt die Dinge in ein anderes Licht, welches hinter den Schatten für den Leser versteckt blieb. Alle Stränge werden zusammengefügt und die einzelnen Versatzstücke bilden ein perfektes Bild, welches keine Fragen offen lässt.

Fazit

Emotional, jugendlich, gesellschaftskritisch und modern ist der Jugendthriller von Janet Clark, der mit persönlich-realistischen Charakteren aufwartet, mit einem Ende, welches überraschender und verständlicher nicht sein könnte.

★★★★★

Kommentare:

  1. Ui,das steht schon länger auf meiner Wunschliste :) Ich habe schon so viel Gutes darüber gehört und jetzt zögere ich erst recht nicht mehr,mir es zu kaufen.
    LG

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  2. Auf meiner Wunschliste steht es ja schon. Durch deine Rezi fühle ich mich bekräftigt, es mir auch zuzulegen. Klingt wirklich super. Gelungene Rezi.

    Liebe Grüße, Diti

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