Zerrissene Seiten: Fernsehen = Bestsellerautor?

08 Januar 2012 |

Viele lustige, hübsche, seltsame Gestalten gibt es im Gruselkabinett der Medienlandschaften. Sie grinsen einen mit ihren wasserstoffblonden Haaren an, reden eventuell mit Mannheimischen Einschlag, sind laut, wiehern beim Lachen, wollten sich fürs Fernsehen ausziehen, wurden aber unter lauten Protest dazu bewogen, doch lieber die Kleider am Leib zu behalten und bringen Sätze unter das Volk, die zu Alltagsfloskel werden. Sind sie die Sprachgenies und Wunderkinder unserer Zeit? Die Ritter der Belletristik und die Weltveränderer und Revolutionären der Neuzeit allein mit dem Stift und der Macht des Wortes?
  
Das könnte man meinen, wenn man sich umsieht was der Markt jedes Jahr an Bücher ausspuckt, die von „Stars“ der Fernsehwelt verfasst oder auch von einem lieben Ghostwriter für sie konzipiert wurden. Wobei nur ihr marketingwirksamer Name auf dem Buchdeckel prangt. The show must go on! Und wenn nicht auf dem Bildschirm, dann eben in der Literaturwelt. Beispiele gefällig? Man nehme die Kult-Blondine, die ja gar nicht mehr aus Werbung und visuellen Medien wegzudecken ist: Daniela Katzenberger.  Zu Beginn war sie ein „Model“ (Modell im weitesten Sinne), trieb ihren Körper und ihren Mund durchs Reality-TV und diversen Doku-Soaps, wurde bekannt, bekam eigene Show und ist heute die neue Verona Pooth (damals war sie ja noch Feldbusch, die mit Blubb und „Eloquenz“ Geld verdiente). Und das Resultat: Ein Sachbuch, geschrieben von einem Ghostwriter, mit dem Titel „Sei klug, stell dich dumm“. Platz 1 auf der Spiegel-Bestellerliste. Alles richtig gemacht, oder?
Die noch bessere Gruppe zur Veranschaulichung: Die ehemaligen MTV und VIVA-Moderatoren. Wer kennt nicht Sarah Kuttner, Markus Kavka und Charlotte Roche. Während Frau Kuttner und Herr Kavka mit ernstzunehmenden Kolumnen sich einen Namen gemacht hatten und in den Buchmarkt mit „Mängelexemplar“ oder eben „Rottenegg“ eingestiegen sind, hat sich vor allem Letztere einen Ruf in der Branche erkämpft oder wohl eher feuchtfröhlich eingenommen und Gebiete betreten, wo keine Auge trocken bleibt (die Flüssigkeit wollen wir dabei nicht wissen).  Als Moderatorin bei VIVA einmal begonnen und nun mehr oder weniger Autorin mit autobiographischen Selbstvermarktungsflair, die die Verkaufszahlen in die Höhe schießen lässt (und noch ganz andere Dinge, die der Zensur hier leider zum Opfer fallen).
Und dann gibt es ja noch die letzte Gruppe. Die Showmaster/Entertainer/Komiker der Fernsehwelt, die mit ihren unterhaltsamen Sachbüchern oder humoristischen Texten, die Schriftstellerleiter erklimmen. Ein Beispiel für die Entertainerliga wäre natürlich Hape Karkeling, das Allroundtalent der heutigen Showtime. Erfolgreicher Schauspieler, erfolgreicher Komiker, erfolgreicher Moderator, erfolgreicher Entertainer und vor allem erfolgreicher Autor. Ein Mann vor dem man sich verbeugen kann in Anbetracht seiner Vielfalt und seines Könnes. Ja, sogar Singen kann dieser Mann und vermarktet gekonnt seine Figuren, in die er schlüpft, wie Uschi Blum oder Horst Schlämmer. Es lässt einen an Zeiten erinnern, wo einst Heinz Erhardt Deutschland zum Lachen brachte und dass mit Sinn für Sprache und Humor. Der Sixpack noch vom Lachen geformt wurde und man wusste, woher der schmerzende Wamst kommt. Doch leider gibt es auch neben guten Exemplaren auch die Schlechten. Denn ohne Schlechtes gäbe es ja nichts Gutes und ohne die Schlechten hätte man oft keine Schmerzen, unabhängig davon ob das Gehirn vor lauter Frust rekapituliert hat oder man doch nur übersättigt von der immer gleichen Kost ist. Doch zur Heilung sorgt schon unser nächster Bestsellerautor, studierter Medeziner und Comedy-Star: Dr. Eckhardt von Hirschhausen, der mit seinen Lebensratgebern wie gleichzeitig humoristischen Büchern die Literaturwelt auf Trab hält. Humor kennt nun einmal keine Grenzen und wer brilliant auf der Bühne ist, der ist auch brilliant als Autor. Sprache ist in beiden Bereichen das ausführende Organ (auch wenn auf der Bühne das Geschrei von so manchen Lachmuskelkaterverursachers das Trommelfell zum Platzen bringt).


Also steht wohl eins fest: Fernsehen muss wohl gleich die Lösung für ein seriöses Autorenleben darstellen. Eigentlich plausibel, oder nicht? Schließlich müssen sie den ganzen Tag reden können, sie machen ja nichts anderes. Wortgewandtheit ist im Showbusiness nun einmal gefragt und da gibt es kein Pardon. So wird es noch weitere Autoren geben, deren Namen man aus Film und Fernsehen schon lange kennt und man kann gespannt sein, wer damit beweist, ob er etwas von seiner Kunst - der Sprache und deren Einsatz - versteht oder doch nur eine Lachnummer ist. Der nächste Bestseller wartet schon, hinfällig ob mit Talent oder Popularität erreicht, und wir können gespannt, entsetzt oder auch erstaunt sein.

Kommentare:

  1. Man, man, man, gefällt mir sehr gut, wie und was du schreibst. :-)

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  2. http://feuerfluegel.blogspot.com/2012/01/au-ich-freue-mich.html Du wurdest getaggt :-)

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