Rezension: Das Alphabethaus von Jussi Adler-Olsen

20 Februar 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: Alphabethuset
Verlag: dtv
Format: Klappenbroschur
Seiten: 592
ISBN-13: 978-3423248945
Preis: 15,90 €

Die Schuld und der Bruch einer Freundschaft

Im Jahr 1944 sind die britischen Piloten Bryan und James auf einen Einsatz im 2. Weltkrieg und werden abgeschossen. Nach ihrem Sturz müssen sie fliehen und flüchten sich in einen Lazarettzug, übervoll mit erkrankten SS-Offizieren. Kurzerhand beschließen sie ihre Identität zu ändern und nehmen eine Fremde an. Sie mischen sich unter die Kranken und gaukeln den Ärzten vor, ihren Verstand in diesem grausamen Krieg verloren zu haben. Der Zug bringt sie ins „Alphabethaus“, ein Sanatorium für Geisteskranke, für Nazis, die behandelt werden um wieder für die Front kämpfen zu können. Doch bald müssen sie feststellen, dass sie nicht die einzelnen Simulanten sind und sich mit weitaus schlimmeren Problemen konfrontiert sehen als sie sich vorgestellt haben: Wie können sie aus dem Lazarett fliehen ohne getötet zu werden?
28 Jahre später, 1972, kommen der Krieg und die Vergangenheit schlagartig zurück. Bryan ist auf der Suche nach James und die Wahrheit und rüttelt die Geister der Vergangenheit wach und damit die Simulanten von einst.

Jussi Adler-Olsen hat sich in den letzten Jahren zu der Riege der Weltautoren aufgeschwungen. Mit seinen Thrillern rund um den Carl Mørck hat er sich Rang und Namen geschaffen. „Das Alphabethaus“ war wiederum sein Debüt, mit welchen er den Grundstein für seine Karriere gelegt hat.
Doch auch wenn man diesen Roman losgelöst von der Carl Mørck-Reihe betrachtet, kann „Das Alphabethaus“ nicht überzeugen. Die gesamte Handlung wirkt stark konstruiert, zeitweise unlogisch und verwirrend. Viele Zusammenhänge und Parallelen zwischen dem Krieg und dem jetzigen Leben scheinen viel zu zufällig und abwegig um realistisch zu sein, so dass man als Leser mit vielen Fragezeichen konfrontiert wird. Oft erschließt sich die Handlung nicht, ist aber trotz allem sehr vorhersehbar, und arbeitet mit klischeehaften und stereotypischen Bildern. Zwar ist die Simulantenproblematik im zweiten Weltkrieg, wie auch die Experimentierfreude von Ärzten zu dieser Zeit, interessant, kommt aber weder glaubwürdig, noch immer historisch richtig daher. Der weitere Verlauf über Psychosen, Verrat und die Freundschaft im Jahr 1972 bildet zwar einen Gegenpol zu den Krieg, wird aber mit der Vergangenheit übertrieben zusammengefügt. Auch gibt es viel zu viele Längen in diesem Roman. Ereignisse hätten abgekürzt werden können und nicht unnötig langatmig gestalten werden müssen.
Der Aufbau widerspiegelt dieses Problem. Neben der Aufteilung in zwei Teile, dem zweiten Weltkrieg und dem Jahr 1972, arbeitet Adler-Olsen mit verschiedenen Perspektiven, die nicht immer sofort ersichtlich sind und auch während eines Kapitels plötzlich wechseln können, so dass man immer wieder verwirrt und irritiert ist.
Den Perspektivträgern wiederum fehlt es an Authentizität und sie bleiben trotz der Länge des Romans, blass, leblos und austauschbar. Keiner der Figuren entwickelt ein richtiges Eigenleben. Nichts zeichnet sie aus und macht sie individuell, was zu einer Unnahbarkeit führt.
Der Schreibstil, auch wenn es ein Frühwerk des Autors ist, ist stellenweise kantig, holzschnittartig und lässt sich manchmal schwerlich lesen, so dass die eigentlich überzeugende Rahmenhandlung vom Lazarett im zweiten Weltkrieg, den Simulanten unter den Geisteskranken, und der Verrat und der Bruch einer Freundschaft, nicht richtig eingefangen werden kann und leider nicht überzeugt. Es fehlt an Spannung, an logischen Zusammenhängen und auch das Ende, ist in seiner Form enttäuschend. Ein Roman der eine anomale Spannungskurve bildet, mit guten Anfang und schlechten Ende.

Fazit

„Das Alphabethaus“ ist kein Kriegsroman und möchte es auch nicht sein. Doch trotz der eigentlich überzeugenden Rahmenhandlung, scheitert es nichtsdestotrotz im stilistischen und handlungsverlaufenden Bereich, so dass sich insgesamt ein langatmiges, blasses Werk ergibt. Jussi Adler-Olsen hat sich mit seinem Debüt einfach übernommen.

★★☆☆☆

1 Kommentar:

  1. Danke.

    Das bestärkt meinen Entschluss das Buch nicht zu lesen. Mich hat schon das Thema nicht interessiert, aber da ich die Carl Morck-Bücher so mag, war ich mir nicht sicher...

    Aber ist klar, dass die jetzt auch "alte" Sachen von ihm veröffentlichen. Viele denken sicher so wie ich und kaufen das Buch nur, weil sie die Carl Morck-Thriller gut fanden..

    Ich werd meine Finger davon lassen.

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