Rezension: Resturlaub von Tommy Jaud

07 Februar 2012 |

Zum Buch

Format: Taschenbuch
Seiten: 256
ISBN-13: 978-3596168422
Preis: 7,99 €

Ein Bamberger in Buenos Aires

Pitschi Greulich arbeitet für Seppelpeter’s Spezial’s als Braurei-Mananger. Seine Freizeit verbringt er mit Freunden in den Bamberger Bierkellern und seine Freundin Biene will endlich, dass es in ihrer Beziehung weitergeht. Sie will mit ihm ein Haus bauen, eine gemeinsame Existenz schaffen, was alle Alarmglocken von Pitschi zum Klingen bringt. Doch er will anderes, er will kein Bamberg mehr, kein Sitzen im Bierkellern mehr, keine Biene und vor allem nicht heiraten und ein Haus, fünfzehn Minuten vom Zentrum entfernt. Er will nicht so enden wie seine Freunde, weggesperrt von ihren Ehefrauen und nach ihren Taktstock tanzend. Freiheit braucht der Mann!
Pitschi hat einen Plan, der aus der Not geboren wird, als er mit seinen Freunden und der Freundin nach Mallorca wieder fliegen soll. Er täuscht am Nürnberger Flughafen einen Überfall vor und beteuert, dass er nicht mitfliegen kann um kurz darauf den Flug zu nehmen, der am Weitesten von Nürnberg weggeht. Das Ziel: Buenos Aires in Argentinien. Mit Spanisch (Grundkenntnisse) versucht er sich durch die chaotische Stadt zu kämpfen, geht zur Sprachschule und verfällt Luna. Aber er hat Zweifel, ob es wirklich das Richtige war und er hier glücklich werden kann. Ist es wirklich das, was er will?

Eine Komödie über Franken, Midlife Crises und fremde Länder. Der Protogonist Pitschi Greulich lässt keine Absurdität und Peinlichkeit aus, als unerfahrener Nicht-Tourist in Buenos Aires. Nicht nur, dass er die Sprache kaum versteht, sondern schafft er es auch immer wieder selbst, mit seinem geringen Sprachkenntnissen ins Fettnäpfchen zu treten. Es ist zum Schmunzeln wie er oft planlos dasteht, weil er nichts versteht und wieder den nächsten linguistischen Patzer leistet. Dabei bildet aber nicht nur das Spanisch eine Problematik, sondern auch deutsche Dialekte. In der Wohnung, in der er in Argentinien lebt, wohnt neben einem Hundefriseur, auch ironischerweise eine Bambergerin. Eine Schwäbin lässt sich in der Sprachschule finden und bildet damit ein interessantes und lustiges Ensemble von sprachlicher Kultur. Es ist witzig zu Lesen und bringt interessante Möglichkeiten für Wortspiele, die Gefallen finden. Auch die Vergleiche, die Pitschi in der Ich-Perspektive, bringen es auf den Punkt, sind treffend gewählt und machen das „Zweitbuch“ zu einem witzigen Unterhaltungsroman.
Sie können auch die Charaktere und die Konstellation überzeugen. Die jeweiligen Persönlichkeiten sind alle individuell gezeichnet und auf ihre eigene Art und Weise urig, charmant, liebenswert oder einfach nur nervig, im positiven Sinne. Jeder ist auf seine Art speziell, zwar überspitzt, aber durchaus realitätsnah beschrieben. Vor allem Pitschi ist auf seine Art eine schillernde Persönlichkeit mitten in der Frage: Bin ich wirklich so weit? Zwischen Midlife Crises, fränkischer Verbundenheit und praktisch-spontanen Aktionismus.
Doch auch wenn die sprachliche Komponente und die Charaktere Charme ausstrahlen, schwächelt es an der Handlung. Manches wirkt zu überdreht, zu überspitzt und viel zu weit ausgeholt. So kommt es vor, dass oft das Verhalten der Hauptfigur immer wieder seltsam wirkt und im Gesamtkontext lächerlich überzogen erscheint. So sind die Zufälle zwar lustig, aber auch für einen komödiantischen Roman am Ziel vorbei. Vor allem gegen Ende wird es unschlüssig und abwegig. Das Endszenario in Buenos Aires ist zu konstruiert und fügt sich nicht ins Buch ein. Auch ist es viel zu vorhersehbar wie die gesamte Geschichte enden wird und man weiß ab dem ersten Satz, wo der Autor uns hinführen möchte. So überrascht der Schluss kaum und kommt viel zu rasant. Plötzlich ist Schluss mit Buenos Aires und die Erkenntnis kommt aus dem Nichts geschossen. Man hätte es durchaus geschmeidiger und ohne den starken Bruch rüberbringen können.
Der Leser bleibt wie stehen gelassen in Buenos Aires stehen gelassen, während man ein paar Seiten weiter sich wieder in fränkischen Gefilden befindet. Ein zu schneller Wechsel, weit zu überstürzt und auch noch verdammt abwegig wird mit Buenos Aires abgeschlossen, während Pitschi zum „neuen“ Pitschi wird, der einsieht, dass man sich den Leben stellen muss.

Fazit

Resturlaub ist nette Unterhaltung. Für den Urlaub geeignet, aber die großen Lacher bleiben aus. Eine Schmunzellektüre für Zwischendurch.

★★★☆☆

Kommentare:

  1. Hallo Sky! :)

    Ich habe eben gerade auch eine Rezension zu "Resturlaub" auf meinem Blog veröffentlicht. Und jetzt wollte ich dich fragen, ob es dir recht ist, dass ich dich dort unter der Überschrift "Weitere Blogger-Rezensionen zu Resturlaub:" dazu verlinke?

    http://janine2610.blogspot.co.at/2015/06/rezension-resturlaub-tommy-jaud.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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  2. Antworten
    1. Komm erst jetzt zum Antworten, aber wenn du möchtest, gerne!

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