Rezension: Schwarze Blumen von Steve Mosby

13 Februar 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: Black Flowers
Verlag: Droemer
Format: Klappenbroschur
Seiten: 400
ISBN-13: 978-3426199275
Preis: 14,99 €

Fiktionaler Albtraum und blanke Realität

Der Anruf der Literaturagentin macht Neil Dawson stutzig. Sie kann seinen Vater Christopher nicht erreichen und macht sich Sorgen. Neil macht sich auf die Suche nach seinem Vater und kann ihn auch nicht in seiner Wohnung finden, wo er stattdessen ein Buch mit dem „Die schwarze Blume“ auf den Schreibtisch entdeckt. Zwischen den Seiten liegt eine getrocknete schwarze Blume. Im Kalender sieht er zwei Namen und auch sonst wirkt die Wohnung schon seit Tagen verlassen. Sein Laptop fehlt, Christophers Werkzeug für seine Arbeit als Schriftsteller. Vielleicht recherchiert er nur für sein neues Buch?
Aber die Wahrheit trifft ihn weitaus härter: Christopher Dawson ist tot, angeblich Selbstmord, aufgrund den Tod seiner Mutter, den er einfach nicht verkraftet haben soll. Neil kann es nicht glauben und wird in einem Albtraum geschleudert aus dem er nicht mehr hinauskommt. Seine schwangere Freundin wird entführt, bei ihm Zuhause finden sich Kampfspuren und ein mysteriöser Anrufer stellt ihm ein Ultimatum: Entweder Neil findet seine Tochter so schnell wie möglich oder seiner Freundin geschieht Schlimmes. Aber welche Tochter? Hat es etwas mit „Die schwarze Blume“ zu tun? Der Autor des Buches ist tot, wurde ermordet und auch viele Andere, die mit dem Buch in Berührung gekommen sind, scheinen verschwunden oder nicht mehr lebendig.
Aufgeschreckt macht er sich auf die Suche zwischen Fiktion und Realität, auf der Suche nach einem Mädchen, welches an einer Strandpromenade von einem Gehöft erzählt, von dem sie geflohen ist, in der Hand haltend eine Tasche mit einer schwarzen Blume.

Steve Mosby liefert mit „Schwarze Blumen“ einen Thriller ab, der ein Buch, in einem Buch ist. Alles dreht sich um den Roman „Die schwarze Blume“, der keineswegs reine Fiktion zu seien scheint. Er fundiert auf eine wahre Geschichte und vermischt Fiktion und Realität, bis die Grenzen zu verschwimmen scheinen.
Dabei verwirrt uns Mosby mit verschiedenen Handlungssträngen, zwischen denen er hin und her springt. Der Hauptstrang liegt bei Neil Dawson, dessen Vater stirbt, der versucht seine Freundin zu retten und als Ich-Erzähler seine Welt nahe bringt. Parallel dazu läuft die Handlung von District Chief Hannah Price, die dem Fall zugeteilt ist und mit ihm persönlich im Zusammenhang steht. Ihr Vater scheint im Gefüge rund um den Roman zu stecken und sie versucht die Wahrheit über ihren Vater herauszufinden. Daneben finden sich die Auszüge aus dem Roman „Die schwarze Blume“ und weitere Perspektivwechsel.
Zu Beginn fühlt man sich dadurch vollkommen blind, ist überfordert. Die Erzählstränge prasseln auf den Leser ein und bringen ein Fragezeichen nach dem Anderen hervor. Man merkt wie sie Seite um Seite ineinander münden und komplexe Zusammenhänge bilden, auf die man nie gestoßen wäre. Die Erkenntnis kommt und es wird immer offensichtlicher in welche Bahnen der Weg gehen soll. Geführt von den lebhaften Figuren, die authentisch, gefühlsecht und individuell erscheinen, taucht man hinab in das Feld von schwarzen Blumen und wandert zwischen Fiktion, Realität, Gegenwart und Vergangenheit. Oft glaubt man in einem Alptraum zu stecken, der nicht wahr zu seien scheint und plötzliche blanke Wirklichkeit wird. An jeder Ecke lauern die Gefahren, neue Erkenntnisse für den Leser, die einen Vorantreiben und Verführen.
Dabei ist die Handlung spannend und so interessant konstruiert, dass man sich gerne entführen lässt. Es steckt ein ungewöhnliches Erzählkonzept hinter den Roman, der mit seiner „Buch im Buch“-Technik die Grenzen zwischen Lesen und Erleben verwischt. Fiktion wird abgelöst von der Tatsächlichkeit ohne dabei zu kalkuliert, zu vorgeformt zu wirken.
Der Schreibstil unterstreicht das Ganze, vermittelt eine lebhafte Welt ohne die schon komplexe Erzählstruktur in den Lesefluss zu übernehmen. Der Thriller liest sich leicht und wird durch Steve Mosbys bildhafter Sprache zu einem absoluten Leseerlebnis.
Der Roman bringt das Nahe, was Schriftsteller tagtäglich erleben: Ihre Geschichte sind Teil ihres Lebens und beeinflussen sie essentiell. Es ist auf seine eigene Art und Weise eine Hommage an das Schreiben und das Leben als Schriftsteller. Sie sind Puppenspieler, die ihre Marionetten führen bis zu dem Punkt, wo ihre Fäden reißen und lebendig werden. Auch hier führt der Autor sie streng und lässt sie los auf die Welt zwischen den Buchdeckeln.
Denn am Ende, wenn alle Handlungsstränge ineinanderlaufen, nahtlos ohne nur eine Lücke offen zu lassen, wird man schier erschlagen von der Realität, die zwischen den Seiten steckt. Man verliert sich, bangt, hofft und findet ein tröstendes, zeitweise melancholisches, Ende vor, welches überrascht und einem sprachlos zurücklässt.

Fazit

Mit „Schwarze Blumen“ ist Steve Mosby ein atemberaubender Thriller gelungen, der mit der Psyche des Lesers spielt und die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit und Fiktion und Wirklichkeit verwischen lässt. Wankend zwischen fiktionalen Albtraum und blanker Realität lässt dieser Pageturner einen nicht mehr los. Hochspannung pur und ein Pflichtkauf für den Fan des Genres.

★★★★★

Kommentare:

  1. Eine tolle Rezi!! Jetzt wandert das Buch endgültig auf meine Wunschliste :)
    LG Isabel

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    1. Es ist wirklich ein Highlight für mich gewesen! Für den routinierten Thrillerleser wirklich mal etwas Besonderes ;)

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  2. "Buch im Buch" das klingt ja äußerst spannend. Sehr gut geschriebene Rezension. Jetzt muss ich keine Bedenken mehr haben, dass ich das Buch auf den Wunschzettel gepackt habe :)

    Liebe Grüße, Diti

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  3. Super Rezension, die für mich vor allem auch ziemlich hilfreich war. Die Kurzbeschreibung selbst hätte mich nicht gleich für sich gewinnen können, aber nachdem ich nun deine Rezension durchgelsen habe, muss ich dieses Buch einfach auf meine Wunschliste setzen. :)

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