Rezension: Das späte Geständnis des Tristan Sadler

05 März 2012 |

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Originaltitel: The Absolutist
Verlag: Arche
Format: Gebunden
Seiten: 336
ISBN-13: 978-3716026649
Preis: 19,95 €

Kameraden, Feiglinge und schlagende Herzen

Tristan Sadler versucht schon seit Längeren Soldat für das Vereinigte Königreich im ersten Weltkrieg zu werden, doch immer wurde er aufgrund seines Alters abgelehnt. Mit 17 Jahren und einer Täuschung ist es ihm schließlich gelungen und er fährt, wie so viele andere, im Glauben, in den Krieg zu ziehen um zu kämpfen, wäre etwas Heldenhaftes. Als er im Regiment von Clayton landet und sie in Aldershot ausgebildet werden, freundet er sich mit William Bancroft an und sie werden beste Freunde. Aber die Beziehung der Beiden scheint über eine schlichte Kameradschaft hinauszugehen und Tristan fühlt sich mit seinen Gefühlen und der Wahrheit konfrontiert. Als sie an der Front in Frankreich übersetzen, ändert sich für sie alles.
1919 in Norwich trifft sich Tristan mit Marion Bancroft, der Schwester von Will, der während des Krieges ums Leben gekommen ist. Im Gepäck hat er ein Bündel Briefe, die er ihr überreichen will. Doch die Auswirkungen des Weltkrieges greifen nach ihnen und Tristan muss sich seiner Vergangenheit, seinem Innenleben, dem Tod seines besten Freundes stellen. Ein (Ein-)Geständnis scheint von Nöten und es scheint das Schwerste in seinem Leben.


John Boyne hat mit „Der Junge im gestreiften Pyjama“ einen Welterfolg gelandet und siedelt seinen Roman „Das späte Gedächtnis des Tristan Sadler“, wieder in der Zeit des Weltkrieges an. Diesmal ist es der Erste und nicht der Zweite, doch die Schrecken, die er uns beschreibt, bleiben genauso schockierend und aufrüttelnd. Intensiv und emotional lässt er seinen Protagonisten Tristan Sadler über den Krieg, seine Gedankenwelt, Vergangenheit, Gegenwart und Gefühle schildern, die sein Leben für immer beeinflusst haben. Dabei greift der Autor ein Thema auf, welches damals und heute noch ein Tabu erscheint: Homosexualität. Hier im Zeitraumen Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mit seiner Hauptfigur hat er einen interessanten und vielschichtigen Charakter erschaffen, der seinen Zwiespalt und Leiden aufgrund der sexuellen Orientierung erläutert ohne zu tiefgründig oder oberflächlich zu bleiben. Leise klingt es bei und vermittelt unaufdringlich, die innere Last, die er trägt. Er spricht über Liebe, Geborgenheit und der Suche nach dem Halt in den Armen eines anderen Menschen.
Die Handlung, die um diese Persönlichkeit gespannt wurde, fügt sich ins Gefüge ein und lässt die ganze Tragik noch kräftiger erscheinen. Das Grauen, das Abstumpfen gegen Gewalt während dem inneren und äußeren Kampf im ersten Weltkrieg wird eingefangen ohne auf politische Hintergründe des Konflikts einzugehen. Die äußeren Faktoren werden verschwiegen und bringen die Sinnlosigkeit des Sterbens und Strebens noch stärker zum Ausdruck, wie auch unterstreicht es das Pazifismus und Kriegsverweigerung ein Zeichen für Schwäche in der Gesellschaft waren. Das Auflehnen gegen den Krieg mit all seinen Tod und die negativen Folgen, mitten und nach dem Krieg, für Verweigerer werden erläutert und herausgearbeitet. Es wird über die Zeit nach der großen Schlacht geschrieben, über verlorene Familienehre und Feiglinge, die, die in der Gesellschaft so gesehen werden und die, die wirklich feige sind.
Dabei springt John Boyne immer wieder zwischen der Zeit hin und her. Einmal sind wir in Tristan Sadlers Kindheit, plötzlich stehen wir wieder im Krieg an der Seite mit Will und verbleiben doch nur neben der Schwester, die uns ins weinende, ewig trauernde Gesicht sieht.
Der Leser wird zu Beginn vollkommen im Unklaren gelassen, bis er Stück für der Stück der bitteren Wahrheit nahe kommt, vor der uns Tristen Seiten vorher schon warnt, sie beschwörerisch anschneidet. Fragmente von Erinnerungen werden zu einem Ganzen und bringt das Porträt der verzerrten Persönlichkeit zum Vorschein, die uns ihr Leben beschreibt.
Abgerundet mit einem Ende, einen Grande Finale, was leise ausklingt und den Leser atemlos zurücklässt. Selbst nachdem die Seiten geschlossen worden sind, kreisen die Gedanken um Tristan Sadler und sein tragisches Leben. Ein Roman mit Herz und Tiefgründigkeit, was berührt.

Fazit

„Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ ist ein Kriegsroman, der den ersten Weltkrieg nur als Kulisse besitzt, mit einem Protagonisten, der einen inneren Kampf zu bestreiten hat, und dabei über das Thema Liebe und Homosexualität spricht. Ein Schicksal, welches zum Weinen, Kopfschütteln und Nachdenken anregt. Ein literarischer Roman, so grausam intensiv wie der Krieg selbst.

★★★★★

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