Rezension: Du denkst, du weißt, wer ich bin von Em Bailey

11 März 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: Shift
Verlag: INK Egmont
Format: Gebunden
Seiten: 350
ISBN-13: 978-3863960230
Preis: 17,99 €

Die Gefahren einer Freundschaft

Olive ist in der Schule eine Außenseiterin, seit einem Vorfall, der sie in die Klinik gebracht hatte, scheint alles anders. Ihre ehemalige Freundin Katie trifft sie nicht mehr und sie liegen im Streit. Als es heißt, ein neue Schülerin namens Miranda kommt in die Schule, hat sie Hoffnung. Denn Miranda gilt als Elternmörderin, jemand, den man am Rand der Schulgesellschaft treiben würde, mit dem sie sich deswegen verstehen könnte. Doch Miranda scheint anders als gedacht. Vom ersten Moment an, wirkt die Schülerin seltsam und heftet sich an Katies Fersen. Sie fängt an sie nachzumachen und ihr immer ähnlicher zu werden, bis sie schließlich die beste Freundin von Katie ist.
Aber was ist mit Katie? Ihr scheint es immer schlechter zu gehen und Olive sucht nach der Wahrheit über Miranda. Wer ist Miranda? Warum macht sie das? Ist sie ein Shapeshifter (Gestaltwandler), der Katie auszusaugen scheint?

Interessant ist die Handlung von „Du denkst, du weißt, wer ich bin“ von Em Bailey alle Mal. Der Leser wird auf falsche Wege getrieben, seine Vermutungen verpuffen mittendrin um wieder Neue aufzustellen, die wieder einen auf falsche Wege führen. Man ist sie nie sicher, was ist und was nicht ist, was stimmt und was nicht stimmt. Ständig steht man im inneren Zwiespalt und beginnt selbst zu glauben, dass Miranda ein Shapeshifter ist. Man hat Angst vor dem Mädchen, möchte aber die Wahrheit erfahren und lässt sich durch die Seiten treiben.
Die spannende Handlung und der Schreibstil, der einer Sidestreamerin, einer rebellischen Jugendlichen gerecht wird, machen es einen leicht die Protagonistin Olive zu verstehen und ihr Innenleben zu erkunden. Sie ist vielschichtig, zweifelt an sich selbst und trägt Geheimnisse mit sich herum, die der Leser nur Stück für Stück erfährt. Eine lebendige Persönlichkeit, greifbar herausgearbeitet, wie auch die anderen Charaktere. Sie sind sehr unterschiedlich, ihre Beziehungen ersichtlich und jeder hebt sich ab. So wird auch das Schulleben glaubhaft dargestellt, die Hierarchie unter den Schülern klar herausgestellt, das Netz von Rang, Ansehen und Manipulation verdeutlicht, und bringt einen jugendlichen Teint in die Geschichte ein, das oft manchen Jugendthrillern fehlt.
Doch obwohl es sich flüssig liest und der Leser das Buch einen verleitet, es in einem Stück zu lesen, kommt man sich oft vor, als würde man einen amerikanischen Teeniefilm sehen, klischeebeladen und immer gleich gestrickt. So verschieden die Charaktere sind, desto ähnlicher sind sie leider auch Figuren solcher Filme. Man hat die Außenseiterin, die beliebten Mädchen und die hübschen Sportjungs. Alles was es in der Realität auch gibt, nur hier etwas zu überspitzt und übertrieben dargestellt, dass man das Gefühl nicht los wird, einen „Typical American Teen Movie“, obwohl das Ursprungsland des Romans Australien ist, zu lesen.
Dieses Problem zieht sich auch durch die doch überzeugende Handlung, manches wirkt zu zufällig, viel zu gewollt und manchmal gekünstelt und überkonstruiert, was störend auf die Geschichte wirkt.
So verhält sich es auch mit dem Ende. Die Protagonistin entwickelt sich von einer vielschichten Persönlichkeit zu einer Person, wie in einem durchschnittlichen Teeniehorrorfilm, die man anschreien möchte: „Nein, tu es nicht!“ und die dann doch blindwütig in den Keller der Verdammnis rennt. Sie wirkt plötzlich total naiv, was sie vorher nicht ist und viel zu gewollt erscheint.
Auch die anderen Charaktre entwickeln sich immer mehr zu Stereotypen und wirken plötzlich farblos. Jeder hat seinen typischen Stempel, der sich bis Ende durchzieht. Der Schluss wirkt deswegen genauso teeniehorrormäßig wie man es nun einmal immer gesehen hat.
Nichtsdestotrotz unterhält der Roman einen gut und er liest sich fesselnd und spannend, überzeugt mit psychologischer Tiefe und ist keineswegs anspruchlos.

Fazit

„Du denkst, du weißt, wer ich bin“ hat eine interessante Grundidee, deren Ausführung mit jeder Seite leider nachlässt und am Ende doch eher enttäuscht. Ein Jugendthriller in er Reihe von „Gut gestartet, mittelmäßig beendet“. Ein Roman, der sein Potenzial nicht voll ausschöpft, aber trotzdem fesselt und unterhält.

★★★☆☆

Kommentare:

  1. ich lese das buch gerade und muss sagen, dass mich dieses teenie-klischee eigentlich nicht stört. ich geb dir aber recht, dass manche handlungen zu erzwungen scheinen. im moment kann ich überhaupt nicht verstehen, warum sich olive mit dem shapeshifter anfreundet O.o :D Naja ich bin jedenfalls gespannt auf das Ende.

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  2. Eine sehr interessante und gut geschriebene Rezension. Ich mag diese typischen Teen-Horror Geschichten eigentlich ganz gerne. Ich hab mich für ein Wanderbuch davon gemeldet, und werde mal schauen, wie es mir gefällt.

    Liebe Grüße, Diti

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