Rezension: Eiskalte Ekstase von Eva Lirot

17 März 2012 |

Zum Buch

Verlag: Sutton
Format: Taschenbuch
Seiten: 240
ISBN-13: 978-3866809567
Preis: 12,00 €

Jim Devcon-Reihe

1. Rendezvous mit dem kleinen Tod
2. Seelenbruch
3. Eiskalte Ekstase

Schockierende Elektroden

Frankfurt: Er unterstellt die Menschen unter einen Test, einen grotesken und perfiden Experiment, in dem er die Fäden zieht. Ein Schüler, festgezurrt wie auf einen elektrischen Stuhl, und ein Lehrer, der die Anweisungen erfüllen muss, und schlussendlich den Schüler in den Tod treibt. Mittels Schalter, die der Lehrer umschaltet, die einen Schockgenerator betreiben, sollen den Schülern Disziplin beigebracht werden. Strafe für falsche Antworten um beste Ergebnisse zu erzielen. Alles zum Zweck einer fiktiven Studie, deren Teilnehmer nicht wissen, dass sie jemanden mit ihrem Verhalten umbringen werden. In Wahrheit fängt er das Grauen ein und verbreitet es mit seinen Botschaften über Videoplattformen und Social Networks in die Welt um sich Stimme zu verleihen.
Der Amerikaner Jim Devcon leidet die Ermittlungen und muss sich den entstellten und zu Tode gefolterten Leichen entgegenstellen. Das Team scheint ständig im Streit, ist ratlos und der Druck nach der Suche des Mörders wird immer größer. Seine derzeitige Freundin, Ermittlerin im Team, verhält sich seltsam aggressiv und schier unmöglich. Und als wäre es nicht genug, scheint der Mörder ein Gegner aus Devcons Vergangenheit, der ihn wieder in sein Netz führen will.

„Eiskalte Ekstase“ ist ein spannender und perfider Thriller, der einem atemlos durch die Seiten peitscht, deren Akteure grausamen und verstörenden Morden entgegensehen müssen. Unter pseudowissenschaftlichen Vorwand betreibt der Mörder seine psychologischen Experimente, wo er die Schaltstellen in der Hand hat, die Probanden unter extreme Bedingungen zu dem bringt, was er will. Er zwingt ihnen seinen Willen auf ohne ihr Wissen. Dabei wird die Gefahr der multimedialen und der vom Internet abhängigen Welt deutlich, die gleichzeitig eine große, makabere Reklamefläche für den Untergrund der menschlichen Existenz bildet. Ein interessanter Grundkonsens, der sich durch den Roman zieht wie ein roter Faden, spannend arrangiert, interessant verdeutlicht und gnadenlos gut ausgeführt in Schrift und Form.
Eiskalt zeigt Eva Lirot wie weit wir unter schlimmsten Druck gehen und braucht dabei nicht einmal eine Fülle an Seiten um uns das eigene Monster vorzuführen. Sie zeigt uns die verworrenen Gedankengängen eines Mörders, man steckt mitten im Kopf, mitten in der abstrusen Gedankenwelt, die den Roman zum größten Teil ausfüllt. Eine Psychostudie der bösartigen Natur, schlicht gehalten und trotzdem kraftvoll in seiner Umsetzung. Ihr Schreibstil ist kurzweilig, dialoglastig, aber gleichzeitig aussagekräftiger wie es manchen anderen Autoren, mit weitaus mehr Wortschwallen, nicht gelingt.
Dabei fügt sie neben dieser sadistischen Komponente, ein Ermittlerteam hinzu, was unrund in seiner Natur ist und vor allem durch seine Konstellation überzeugt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen von Jim Devcon und seinen Team ist witzig, bissig und lockert den Thriller auf. Oft sind die Figuren auf ihre Art ungewöhnlich, aber gleichzeitig sympathisch, obwohl ihr sozialer Hintergrund komplett ausgeblendet wird. Nur wenig erfährt man vom Privatleben der einzelnen Personen, was aber die Charaktere an Authentizität nicht einbüßen.
Doch trotzdem hat die Handlung ihre Schwächen. Insgesamt ist vieles logisch, man wird immer wieder mit Überraschungen konfrontiert und alles wird auch bis zum Ende schlüssig zusammengefügt, aber leider gibt es auch einen starken Bruch in der Pointe. Der Wendepunkt, der alles umwirft und zum Showdown einleitet, wird so schnell abgehandelt, dass man sich als Leser überrumpelt fühlt. Es kommt schlagartig und wie aus dem Zusammenhang gerissen auf und scheint vorher in keinster Weise ersichtlich.
Das Ende hingegen überrascht wieder, bleibt spannend, kommt aber nicht ohne Klischees aus, obwohl es unerbittlich und hart ist. Alles spitzt sich zu einem Showdown zu, der mit seiner Art und Funktion ungewöhnlich ist und vor allem einen absolut logischen und untypischen Abschluss bietet. Realistisch, mit bitteren Beigeschmack und vor allem überzeugender Wirklichkeit.

Fazit

„Eiskalte Ekstase“ hat seine Schwächen und könnte durchaus besser sein als es ist. Spannungsgeladen, mit interessanten Grundkonsens und überzeugenden Charakteren wird ein erschreckender und perfider Thriller, in schlichten und umso härteren Schreibstil, der nicht enttäuscht, aber Potenzial verschenkt.

★★★☆☆

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