Rezension: Heaven. Stadt der Feen von Christoph Marzi

07 März 2012 |

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Verlag: Arena
Format: Gebunden
Seiten: 358
ISBN-13: 978-3401063829
Preis: 14,95 €

Der fehlende Himmel über London

Auf einen Botengang über den Dächern von London, trifft David zufällig ein Mädchen namens Heaven. Sie scheint verrückt zu sein, denn sie erzählt davon, dass sie kein Herz mehr habe, man es ihr genommen hat, obwohl sie lebendig vor David steht. Doch David glaubt ihr auf eine seltsame Art und Wiese ihre Geschichte. Als auf einmal jemand Jagd nach Heaven macht, wird ihm bewusst, dass sie die Wahrheit gesprochen hat.
Ein Mann, der sich in jedem Viertel von London nach einer anderen Romanfigur von Charles Dickens benennt, sucht sein geflüchtetes Opfer, denn sein Auftraggeber will nun mehr als nur das Herz von Heaven. Er will Heaven selbst.

„Heaven. Stadt der Feen“ ist ein Roman in düsteren und kalten Flair gehalten. Die Geschichte spielt sich in einem London ab, wo ein Stück des Himmels fehlt und Schnee die Straßen bedeckt. Ein dunkle Atmosphäre macht sich breit, die die Handlung rund um Heaven unterstreicht. Während der gesamten Geschichte, hat man ein Fluchtgefühl, dass einen bis zuletzt nicht loslässt. Ab der ersten Seite wird man gejagt und muss Angst haben anzuhalten um Luft zu halten, denn die Verfolger sind einem auf der Spur. Dieses Gefühl macht das Lesen zu einer Überraschung und zeigt Christoph Marzis sprachliches Spektrum.
Sein Schreibstil ist bildgewaltig, liest sich flüssig und baut problemlos Spannung auf, wobei auffällig ist, dass die Sprache manchmal an britische Autoren wie Charles Dickens (der sich durch das Buch zieht wie ein roter Faden) oder auch Neil Gaiman denken lässt und sich hier die Vorbilder von Marzi widerspiegeln. Manchmal geht die Metaphorik mit ihm durch ,sodass man trotz der wirklich interessanten, bildhaften und gelungenen Vergleiche, nicht nachvollziehen kann, was Marzi damit vermitteln wollte.
Doch trotz dieser Problematik, gelingt es ihm auch authentische Charaktere zu entwickeln, die einen ans Herz wachsen. Die einzelnen Handlungsschritte der Figuren ist ersichtlich, ihre Impulsivität verständlich, und vor allem wirken sie nicht wie die typischen Helden eines Fantasyromans. Es sind Persönlichkeiten, die nicht glauben können was um sie herum geschieht, was die Wahrheit hinter der ihnen geglaubten Realität steckt. Sie akzeptieren nicht sofort das es außergewöhnliches und phantastisches auf der Welt gibt, sondern Zweifeln, was sie zu glaubwürdigen Figuren macht.
Vor allem sticht dabei die vielschichtige Hauptfigur David ins Auge, der eine ungewöhnliche Vergangenheit hat, in Probleme schon geraten ist und trotzdem Vernunft ausstrahlt. Auch die anderen Charaktere strahlen Sympathie aus und sind alle für sich selbst unterschiedliche Persönlichkeiten mit Tiefgang. Keiner gleicht den Anderen und jeder steht für sich allein.
Auch bis zum Schluss wird die Spannung gehalten und sogar gesteigert. Das Ende überrascht auf seine Art und Weise und kommt doch viel zu schnell und abgehakt daher. Es wirkt wie ein Bruch in der Geschichte, der einfach kommen musste und die Handlung zu beenden hat, obwohl es überzeugt und den Roman abrundet.
Besonders hervorzuheben ist die Grundhandlung, die kein anderes Fantasybuch ähnelt, sondern eigenständig erscheint, was im Genre leider nicht immer der Fall ist. Auch die Liebesgeschichte in diesem Roman, typisch für Jugendfantasy, kommt ungezwungen daher und ohne jeglichen Kitsch.


Fazit

„Heaven. Staat der Feen“ ist ein düsteres Schauermärchen mit sympathischen Charakteren und bildgewaltigen Schreibstil. Ein interessanter Fantasyroman mit abhebender Handlung.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Wenn ich nicht gerade heute Gutscheine in neue Bücher investiert hätte, dann hätte ich nach deiner interessanten Rezension dieses Buch auch noch mitbestellt. So muss es leider noch etwas warten, aber es hört sich wirklich viel versprechend an - danke fürs Vorstellen :)
    liebe Grüße

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  2. Ich habe diese Geschichte erst vor kurzem gehört. Sie hat mir wirklich gut gefallen und Christoph Marzi hat eine tolle Sprache. Wenn ich es als Buch gelesen hätte, hätte ich mir beim Lesen bestimmt einige Zitate herausgeschrieben. Beim Hören im Auto war das leider nichtiger möglich.

    lG Favola

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