Hinter dem Buchdeckel: Marketing via Rezensions- und Leseexemplare

12 April 2012 |

Der Kampf um den Kunden ist in der Literaturwelt genauso zu finden wie in jeder anderen Branche. Wir haben einen Käufermarkt und der Verlag muss sich an die Wünsche des Kunden anpassen. Er muss das passende Sortiment bieten, die passenden Titel liefern um Gewinne einzufahren. Darum muss man um den Kunden werben, ihn für sich gewinnen, an einem binden.
Ein Mittel um Kunden auf seine Artikel aufmerksam zu machen ist dabei das Marketing. Der Schwerpunkt hier, soll dabei auf die Rezensionsexemplare gelegt werden. Gerade Buchblogs, Redaktionen mit literarischen Schwerpunkten und Buchhandlungen erhalten sie um ein Buch einschätzen zu können.


Was ist ein Rezensionsexemplar/Leseexemplar?
Für Rezensionsexemplare gibt es verschiedene Synonyme. Man nennt sie auch Leseexemplare oder Arbeitsexemplare, obwohl sie in ihrem Grundkonsens unterschiedlich sind. Bücher solcher Art sind in erster Linie dazu da um sich einen Überblick über das Buch zu schaffen. Sie stellen Arbeitsexemplare da und dienen allein dem redaktionellen Zweck und aufgrund dessen unverkäuflich und aus dem "freien Markt" fernzuhalten.

Was ist der Zweck eines Rezensionsexemplars/Leseexemplars?
Rezensionsexemplare sind von Leseexemplaren zu unterscheiden, obwohl sie oft als Synonyme verwendet werden.

Rezensionsexemplare sind Bücher, die hauptsächlich redaktionelle und publizistische Medien betreffen wie Zeitungen oder Blogs. Sie haben folgende Zwecke:
  • ein Feedback zu einem Buch zu bekommen
  • bei Vorabexemplaren: positive Kritiken von bekannten und renommierten Medien als Werbemittel zu verwenden. Ganz nach der Devise: "Die mochten es, also wird es mir auch gefallen und kann nur gut sein!"
  • um Werbung und Bekanntheitsgrad eines Buches zu steigern. Die Beurteilung des Buches und die dadurch resultierende Rezension wird zur Steigerung des Radius genutzt.

Vorteile durch Rezensionsexemplare:
  • Es wird genau die Zielgruppe angesprochen, die das Buch ansprechen will. Durch eine Vorwahl der Medien können die passenden Gruppen für ein Buch angesprochen werden. Thriller können in Horrormagazinen besprochen werden, Fantasy in Fantasymagazinen
  • Durch Rezensionsexemplare werden Kosten für Anzeigen eingespart, da die Rezensionen die Anzeigen ersetzen. Dabei sind die Kosten für das Buch geringer als die Kosten für die zu schaltende Werbung
  • Rezensionsexemplare können ein Vorabfeedback bringen, was gleichzeitig auch als Richtlinie für die Auflagestärke eines Buches dienen kann.

Leseexemplare - sehr oft als Vorabexemplare - hingegen sind hauptsächlich an Buchhandlungen gerichtet um abzuschätzen wie viel die Buchhandlung bestellen möchte. Sie haben folgende Zwecke:
  • Sie stellen ein Parameter da um Produktionen in Art und Höhe vorab abschätzen zu können
  • Leseexemplare dienen Buchhändler als Beratungsmittel, da sie vorab wissen wie die aktuellen Bücher sind. Eine positive Empfehlung vom Buchhändler ist auch heute noch Gold wert.

Was bedeutet das für den Kunden?
Da der Kunde keine Werbeanzeige hat, sondern eine Meinung, wird eine persönliche Bindung geschaffen, die dem Leser als Entscheidungshilfe dient. So muss der Kunde nicht selbst über das Buch ohne Vorkenntnis urteilen, sondern bekommt eine fertige Einschätzung zu einem Werk, die ihn dazu bringen könnte das Buch zu lesen. Rezensionen enthalten Bewertungen und Hintergrundinformationen, die in einem Presse- und Werbetext nicht vorliegen, da die Meinung vom Verlag nicht beeinflusst ist.
Diese positive Einstellung und Unabhängigkeit von der Verlagsmeinung, die natürlich immer bedeutet: "Das Buch ist ideal für Sie!", wird damit aufgehoben und auf eine persönliche Ebene gesetzt. Der Leser und damit betroffene Kunde wird bei einer positive Rezension also positiv stimuliert, was dazu führt, dass der Kunde eher dazu bereit ist, das Buch zu kaufen.

Die Rolle der Buchblogs

Gerade Buchblogs bieten für Verlage besondere Möglichkeiten. Fachmagazine rezensieren und besprechen oft Hochliteratur à la Günther Grass und interessieren sich nicht für Populär- und Massenliteratur. So kann durch Buchblogs diese Besprechungslücke geschlossen werden und auch Jugendbücher können dadurch Kritik bekommen und schlussendlich damit auch der Kunde sich eine bessere Meinung zum Werk/Produkt bilden.
Somit dienen Buchblogs nicht für Literaturbesprechungen von Hochliteraten, sondern Volksliteraten, spezifisch im Bereich der Unterhaltungsliteratur, die vom Feuilleton- und Kulturrubriken von Zeitungen und anderen Medien dieser Ordnung ausgeschlossen werden. 

Was bedeutet das volkswirtschaftlich/betriebswirtschaftlich?
Rezensionsexemplare und Leseexemplare sind ein Instrument um kunden- und zielgruppenorientiertes Marketing zu betreiben. Durch die Möglichkeit spezielle Interessengruppen ansprechen zu können, kann die Aufmerksamkeit auf ein Werk besser bezogen werden wie durch ein Breitbandmarketing. Im Klartext bedeutet das: Horrorbücher können bei Horrormagazinen beworben, Fantasyliteratur in Fantasymagazinen. Die Kundengruppe, die man erreichen will, kann so angesprochen werden auf eine persönliche Art und Weise.
Durch die psychologisch-persönliche Weise des Marketings kann die Nachfrage eines Buches gesteigert werden ohne "ins Blaue" werben und damit unnötiges Geld für Promotion ausgeben zu müssen, da die Kosten für ein gestelltes Buch zur Rezension weitaus geringer sind als die Kosten für eine Werbekampagne in entsprechenden Magazinen.
Die geringeren Kosten führen schlussendlich zu einer Steigerung des Gewinns für das Unternehmen durch weniger Kosten für Werbung und größere Nachfrage durch kunden- und zielgruppenorientiertes Marketing.

Kommentare:

  1. Wow ein wirklich guter und auch lehrreicher Artikel. Konnte einiges mitnehmen. :)

    vlg misa♥

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    1. Freut mich. Hat auch viel Arbeit gekostet ;) Die Nachfrage und die Notwendigkeit war aber da, speziell seit Debbies Diskussion über Rezensionsexemplare.

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  2. Toller Artikel! :D Es ist wirklich interessant, den Blog aus der Sicht der Verlage zu sehen. :D

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  3. Wow ein sehr interessanter und lehrreicher Artikel!

    LG
    Manja

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  4. Wow...da hast du aber super recherchiert! Finde den Artikel klasse!

    Ich gehöre zu denjenigen die sich nicht schämen und gerne Reziexemplare annehme ;-)

    LG Luminhcen

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    1. Das ist nicht recherchiert. :D Wenn man es genau nimmt, erkläre ich nur angewandt, was ich in der Schule lerne (ich bin auf einer Schule mit Schwerpunkt Wirtschaft :D)

      Braucht man auch nicht. Es hilft dem Buch statt zu schaden.

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  5. Wow, das war echt hilfreich und ich glaube, dass es die Leute nicht mehr so sehr von RE's abschrecken wird :)

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  6. Toller Artikel. Heißt das jetzt im Klartext, dass NUR Verlage Rezensions- oder Leseexemplare verschicken sollten, oder gilt das auch für Autoren, die Wert auf eine Bewertung ihres Buches legen.

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    1. Ich bin kein Marketingspezialist, aber für einen Autor gilt es meiner Meinung nach genauso wie für einen Verlag. ;)

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  7. Der Beitrag ist ja klasse verfasst! :)

    Iwann ist bei mir das Gefühl "Etwas gutes für den Verlag tuen" verschwunden und ich hab nicht mehr angefragt, aber wenn ich mir das so durchlesen ist es total hilfreich für die Verlage! ;)

    Liebe Grüße

    Linn

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  8. Danke Sky! Du hast dir viel Arbeit gemacht und das Thema perfekt auf dem Punkt gebracht. Seit ich blogge kochen beim Thema Reziex regelmäßig die Gemüter und Meinungen über. Für die einen ist es selbstverständlich, für die anderen ein rotes Tuch. Ich rezensiere auch für einige Verlage und mache das gewissenhaft und gerne, in einem zuverlässigen Zeitrahmen. Publikationen wie Bedankungen am Ende der Rezension oder die ständige Erwähnung von neunen Reziex lasse ich bei meinem Blog komplett weg. Laut einigen Verlagskontakten weiß ich, dass die Verlage das nämlich nicht unbedingt wünschen oder wollen. Viel sinniger, als stupide Bedankungen (eben weil es alle machen) sind meiner Meinung nach aussagekräftige Rezensionen, die dem Buch gerecht werden (egal ob positiv oder negativ).
    Dein Einblick in das Thema ist wirklich super.
    LG,
    Damaris

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    1. Ich muss sagen: Es ist nachvollziehbar, warum sie die Dankung nicht wollen, da sie ja die Unabhängigkeit wegnimmt. Manche könnten denken: Klar, die Rezension ist bezahlt! Deswegen ist es so gut bewertet!
      Besser ist es wirklich eine aussagekräftige Rezension zu machen. Als Redaktion oder Blogger macht man es ja für den Leser und nicht für den Verlag, auch wenn durch ein Rezensionsexemplar schließlich auch Verlag providiert.
      In Punkte Rezensionsexemplar ziehen alle einen Gewinn daraus.
      Der Blogger/Rezensant bekommt ein kostenloses Buch.
      Der Verlag bekommt günstige Werbung.
      Der Leser bekommt eine unabhängige Meinung zu einem Buch.

      Also ein Gewinngeschäft auf allen Seiten ;)

      Freut mich, wenn dir der Beitrag gefallen hat! Und bei meinen Rezensionen halte ich es ja mittlerweile genauso wie du! Ist auch weitaus besser, ehrlicher und authentischer!

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    2. Ja, wir sehen das gleich :-) Auf die Aussagekraft und Zuverlässigkeit kommt es an.
      Die Bedankungen wollen die Verlage aus zwei Gründen nicht. Einmal wegen deinem Argument, damit niemand meint, die Rezi sei gekauft! Dann ist es aber auch (leider) so, dass durch diese Bedankungen viele Buchschnorrer(sorry, aber so ist es), egal ob mit ohder ohne Blog, auf "kostenlos" Exemplare aufmerksam werden und die Verlage mit Anfragen zuschütten. Manch einem Verlag wird das schlichtweg zu viel.
      Dabei schätzt jeder Verlag eine gute und zuverlässige Zusammenarbeit beider Seiten, bei der es nicht darum geht kostenlose Bücher für eine 10-Sätze Rezi zu horten (und freut sich natürlich über Mehrfachveröffentlichung -Blog, Amazon, LB,...- klar, ist ja Werbung).

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    3. Für mich sind Rezensionsexemplare praktisch, da ich Schüler bin und natürlich mein Budget kleiner ist. Wenn ich Bücher kaufe, kaufe ich sie oft gebraucht oder als Mängelexemplare (tja, so entstand meine "Spar beim Buch"-Reihe :D). Kleiner Geldbeutel lässt halt nach Alternativen umblicken.
      Abr wie du schon sagst, Buchschnorror finde ich nicht in Ordnung, weil sie es aus falschen Gründen tun. Für mich haben sie zwei Vorteile: Ich spare Geld und habe aber gleichzeitig die Möglichkeit Leuten ein Buch vorzustellen was mir gefällt oder eben nicht gefällt. Arbeit ist es allemal und ich habe auch erst selber Rezensionsexemplare beantragt, als ich mich bereit dafür gefühlt habe. Früher waren sie auch kürzer und meine ersten Besprechungen würde ich heute nicht mehr so verfassen, aber ich habe schon damals versucht KEINE dieser "Das Buch handelt von einen Mädchen, was traurig ist und ein schlechtes Umfeld hat. Darum flüchtet sie sich in eine Traumwelt und fristet ihr Leben.
      Das Buch war gut, weil es sprachlich schön ist, der Inhalt stimmmig und Atmosphäre udn Charaktere gut."

      Mir fehlt da die Begründung. Aber man sieht es auch an den Blogs: Die, die länger bestehen, machen es aus richtigen Gründen. Die, die irgendwann aufhören, wird es zuviel Aufwand.
      So meine Meinung (ja, etwas am Thema vorbei :D)

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    4. Wirklich interessant! :D Ich glaube, ich lasse diesen Satz in Zukunft weg. ;-) Die wissen ja eh, dass ich mich freue und außerdem bedanke ich mich ja nochmal extra in der Mail mit den Beleglinks. :-)

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    5. @Sky, natürlich sind Reziex, gerade für Bücherfreunde, eine feine Sache. So ehrlich darf man auch sein. Wenn die Handhabung aus zuverlässigen u. durchführbaren Motiven besteht, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Da denken wir gleich.
      Und übrigens, wenn ich heute eine meiner ersten Rezis lese, schüttelt es mich, brrrr, wie peinlich. Ist aber auch schön zu sehen, dass man sich steigert :-)

      @Debbie, eben! Die Diskussion über die Bedankungen gibt es immer mal wieder. Ich lass sie schon immer weg. Und auch diese "Schaut mal, welche Reziex diese Woche wieder ankamen"-Posts. Blogger wissen eh meist Bescheid, und teilweise erscheint die Präsentation von Reziex wie ein Wettbewerb (teilw. auch unwissentlich) Aus o.g. Gründen handhabe ich das so, und fühl mich sehr wohl damit. :-)

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  9. du hast einen echt guten Schreibstil :)

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    1. Dankeschön, aber er könnte noch sprachlich schöner sein, aber ich muss zugeben: Ich hatte nach dem Schreiben einfach keine Lust mehr ihn auch noch sprachlich schöner zu machen ;)

      Aber freut mich, wenn er trotzdem gut ist.

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  11. Wow Sky, du bist also nicht nur mein HTML Held sondern schreibst auch echt tolle Artikel! Sehr interessant wie ich sagen muss! TOLL GEMACHT

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  12. Kenne jetzt den Unterschied zwischen Rezension und Leseexemplaren.

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  13. Wow, das ist ein wirklich toller Artikel! Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit das gekostet hat, ich jedenfalls hätte Stunden gehabt. Ich mag deinen sachlichen Schreibstil total, und es isst auch eine grosse Abwechslung, wenn man zwischen Rezensionen, Neuzugängen usw. auch solche Artikel schreibt. Der könnte wirklich in einem Literatur-Magazin oder so erscheinen! Echt grossen Respekt.

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