Zerrissene Seiten: Sixpack und die Frau sabbert

15 April 2012 |


Im Krieg der freien Marktwirtschaft wird nach dem Kunden mit allen Mitteln geworben. Und schon früh hat sich eines herauskristallisiert: Sex Sells. Nacktheit weckt unsere Libido, lässt unsere Phantasie schweifen und bringt positive und erregende, manchmal auch erektionstechnische, Gefühle hervor.

Dieses Phänomen macht natürlich auch vor dem Buch nicht halt. Doch während sich in Werbespots von namhaften Autoherstellern sich eine sexy Blondine über das Auto rekelt, während die brünette Freundin sie mit dem Wasser vollspritzt, sie beide lasziv in die Kamera schauen, sich die Blondine in der Nässe über das Dach schleicht, ihre Mundwinkel lustvoll nach oben zieht, die Augen voller Erfüllung schließt, ... während alles dem Freud’schen Anhänger erfreuen wird oder vielleicht doch als psychisch krank einstuft wird, wird bei dem Gesicht eines Buches anders verfahren. Denn während in den meisten Werbungen hübsche Frauen zur geistigen Stimulation des männlichen Geschlechts Plakate und Werbespots zieren, wird bei Büchern auf die Frau geachtet.
Speziell die Chick-Lit, als was die heutigen Frauenromane bezeichnet werden, macht vor nackter Haut nicht halt. Früher war das Motiv dabei weitaus einfacher: Ein Mann stand hinter der Frau, sie sah ihn lasziven Blickes an, während er mit seinen Lippen fast ihren Nacken streift. Ich würde diese Cover als „Nackenbeißer“-Cover bezeichnen, weil sie doch eher oft an Vampire denken lassen, die sich in die Hälse, der ihnen verfallenen Jungfrauen verbeißen um eigentlich nur an Nahrung zu gelangen. Naja, die Lust nach Fleisch unterscheidet uns ja grundsätzlich nicht wirklich vom Vampir.
Aber nein, heute wird anders die Frau dazu gebracht das Buch zu kaufen. Faszinierend dabei ist vor allem, dass die Amerikaner – ja, die prüden Amis, wer hätte es gedacht – klar auf nackte Oberkörper setzen. Durchtrainiert, mit Sixpack behaftet, leicht nass, frischen Schweiß imitierend, rasiert, blankpoliert, aufgepumpt und sportlich. Gesicht? Haben wir nicht, der Körper zählt. Fleisch gehört in die Auslage und wen Frau Frischfleisch sieht, muss auch sie vor Hunger nach diesem zum Sabbern anfangen. Beim Sixpack setzt nun einmal das "Versorger"-Prinzip ein und ein kräftiger Mann, ein potenter Mann, ist geeigneter als die Couchkartoffel daheim. Da läuft einer Frau plötzlich das Wasser im Mund zusammen. Da sind wir alle Tiere: Sobald wir Nahrung sehen, sei es essbarer oder sexueller Natur (hier in beiden Fällen vorhanden), setzt der Speichelfluss ein. Da kann Frau gerne mal ihre Manieren verlieren.
Tja und wo bleibt da der Durchschnittsmann? Wo zieren wir die Cover der Literatur? Gar nicht, richtig geraten, denn wenn Mann ein solches Buch in den Händen seiner Geliebten sieht, weiß er von den heimlichen Träumen einer jeden Frau. Realitätsflucht vom eigentlichen Mann daheim, davon träumen in den wilden, feuchtfröhlichen Momenten voller Emotionen, Gefühle, einem geheimen Einverständnis ohne Worte. Hört ihr es schon, das leichte Aufstöhnen, die sexuelle Stimulation im Kopf. So ist es liebe Männer, so holen Frauen sich ihre Befriedigung, die sie sonst nicht bekommen.
Aber nicht nur die Verpackung ist anders, auch der Inhalt. Stählerne Helden sind die Männer dieser Art von Literatur. Früher war es dabei eher der Highlander, der durch die Länder alleine, niemals eine Frau geliebt, durch die Lande streicht. Ein Beschützer der Armen, ein Robin Hood Schottlands! Ritter aus Leidenschaft, in ihren Rüstungen, unbesiegbar und unverletzlich. Doch heute sind es  andere Helden. Sei es auf den Spielfeld als Football-Spieler oder doch ein heißer „Firefighter“, der das brennende Feuer der Leidenschaft mit seinen... der das brennende Feuer der Leidenschaft löschen muss, bevor es zu spät ist. Markante Männer sind es in der Neuzeit, stark, oft mit Dreitagebart, männlich, animalisch... ja, so wie wir Männer doch eigentlich gerne wären! Jake Gyllenhaals, Ryan Reynolds, Ryan Goslings, Hugh Jackmans, Jude Laws, ... Verschnitte der avancierten Hollywood-Stars, Sinnbilder der heutigen Frauenliteratur, Glücklichmacher der weiblichen (bei manchen auch männlichen) geistigen Befriedigung und gleichzeitig Vorbilder für die Männlichkeit.
Fortpflanzung ist halt doch das Ziel eines jeden Tieres, auch des Menschen. Schon bei Darwin hieß es: "survival of the fittest". Wer jetzt Englisch beherrscht, merkt das der "fittest" nicht immer der starke, muskelbepackete Mann sein muss, sondern kann genauso die Intelligenz bedeuten.
Also lasst die Frauen ruhig sabbern von den sixpackbeladenen Covern. Den Appetit holen sie sich doch dann bei ihren wahren Männern, denen, die sie mit sich führen. Denn wahre Helden brauchen keinen stählernen Muskeln, sondern Herz und Verstand.

Kommentare:

  1. Eigentlich wollte ich schlafen gehen, aber das musste ich dann doch noch lesen.^^
    Nicht schlecht geschrieben! :D Mir geht das mit den Körpern ehrlich gesagt auf die Nerven. Ich finde sowas furchtbar kitschig und ich steh auch nicht so auf aufgepumpte Männer (finde sie sogar abstoßend).
    Aber es gibt wirklich solche Frauen, die dann anfangen zu sabbern und das Buch sofort kaufen müssen. Schrecklich unzivilisiert! xD
    Dein letzter Satz ist wirklich schön! <3 So sehe ich es auch!

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  2. Ach extra kaufen muss ich mir ein Buch wegen einem solchen Cover nicht, aber wenn meine gekauften Bücher ansehnliche Cover haben bin ich nicht beleidigt *g*

    Danke für einen wirklich unterhaltsamen und toll geschriebenen Post :)
    liebe Grüße

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  3. "Gesicht? Haben wir nicht,..." - HERRLICH!! Und die Sache mit dem Feuerwehrschlauch,... - LOL!!! Mal wieder super geschrieben, Sky. Du hast mir den Nachmittag erheitert.
    Der Kindle ist übrigens für "geheimes" Lesen prädestiniert, wenn man diese Art von Coverbüchern nicht offen rumliegen lassen mag ;-)
    LG,
    Damaris

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    1. Freut mich, wenn's dir gefallen hat ;)
      Ja, der Gag mit dem Schlauch kam mir durch die "Firefighter"-Bücher so entgegengesprungen :D

      Sehr interessant. ;)

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  4. Hach ja, den Beitrag habe ich gestern schon (ich darfs gar nicht sagen:) auf Arbeit gelesen und mich köstlich amüsiert. Ich musste mir doch stark auf die Lippen beißen, um nicht laut aufzulachen. Ich mag zwar mal nett aussehende Helden in Büchern, aber genau um diese "Nackenbeißer" und "Muskel"-Cover mache ich einen großen Bogen, weil ich sie einfach nicht ansprechend finde und bereits ahne, was sich hinter der Verpackung verbirgt. Keine Ahnung, ob ich da was verpasse. Wirklich gut und höchst unterhaltsam geschrieben! :)

    LG Reni

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  5. Haha sehr gut!! :-) Da habe ich ja gleich die richtige "Morgens im Büro mit dem ersten Kaffee"-Lektüre gefunden *gg*

    Och also wenn so ein Cover in meinen Regalen auftaucht ist das sicherlich nicht schlimm :D

    Aber abgesehen davon... kann ich Frauen die einen "leichten Schweißfilm" und einen 3-Tage-Bart mögen so gar nicht verstehen *lach*
    Es kratzt, piekst und stinkt in den meisten Fällen.. also irgendwie eklig :D

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    1. :D Du hast Zeit im Büro mit dem Kaffee sowas zu lesen?

      Es ist verwegen, stark, animalisch und männlich! :)

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    2. Wenn du das sagst :-P

      Naja es ist Montagmorgen und ziemlich ruhig.. also erstmal laaaaangsam angehen lassen :-))

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