Rezension: Atmen. Jemand muss atmen! von Stefan Kalbers

15 Mai 2012 |

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Verlag: Ubooks
Format: Taschenbuch
Seiten: 135
ISBN-13: 978-386608083
Preis: 9,99 €

Jemand muss atmen!

Sein Leben war schon immer ein einziger Trümmerhaufen. Eine Misere nach der anderen folgte im Leben und er schlich sich durch die Alltäglichkeit hindurch, rutsche einfach irgendwo rein und blieb dort, seinem eigenen Unglück entgegenfristend. Im Auto ist Fleisch, illegal besorgt, wer weiß schon woher und soll an den Mann gebracht werden. Gemeinsam mit Sergej hat er die Aufgabe die Sache zu erledigen, das Ding durchzuziehen. Doch während Sergej alles aushandelt und er Schmiere steht, fliegen sie auf und er drückt aufs Gas. Die Nacht ist kalt und undurchsichtig.
In der Badewanne seiner Wohung liegt der tote Sergej und muss forgeschafft werden... und irgendwie ist es nicht nur das einzige Problem.

In psychedelischen Bildern entwirft Stefan Kalbers einen Absturzroman über einen Verlierer, der nichts als verlieren kann. Er rutscht einfach in Dinge hinein, kommt nicht mehr heraus und scheint sich selbst zu drangsalieren, die Schlinge enger um seinen Hals zu ziehen, es selbst bemerkend und doch nicht ausweichend. Rauschend durch die Nächte, vorbeiziehend an Frauen und tiefbetroffener Schuld wabbert er durch seine Sphäre, durch sein Leben, welches er versucht aufrecht zu erhalten. Doch trotz aller Mühe, ist der Alltag für ihn kalt und herzlos, lässt nichts für ihn übrig, so dass er im Sumpf der Pillen zu ertrinken droht.
Durch einen stetigen Zeitwechsel zwischen verschiedenen Tagen und der Gegenwart, werden wir durch dunkele Betonklotzpoesie gepeitscht und lassen uns vom Chaos und der Zerrissenheit des Ich-Erzählers anstecken. Sein Weg im planlosen Rennen gegen sich selbst, beschreiten wir, und stoßen auf seinen Lebensweg als Krimineller, der Hoffnung durch die Liebe einer Frau und dem tristen Grau seiner kaputten Persönlichkeit. Man landet mitten im Irrsinn seiner Existenz, seines Kopfes und versucht durch den Irrgarten des alltäglichen Lebens Klarheit zu bekommen.
Verschlungen im Meer aus Drogen und stetigen Aufstehen um endlich ein Leben leben zu können, findet man sich in einem Verwirrspiel zwischen Realität, Absurdität und wahnhaften Vorstellungen, bei der die Grenzen verwischen.
Gefangen im Sog, liest man Seite und Seite und wird nicht mehr losgelassen, versinkt selbst zwischen dem Wahn und die Wirklichkeit, ist ergriffen, bestürzt, todtraurig, melancholisch, aggressiv, mordlustig, klein, leer und mündet schlussendlich in einer Pointe, die alles vorhergehende in den Schatten stellt. Zahnrad für Zahnrad bewegen sich und zuletzt sieht man die ganze böse Maschinerie, die einem Angst macht und erzittern lässt, so dass selbst das Atmen sich einstellt.

Fazit

"Atmen. Jemand muss atmen!" ist ein psychedelischer Roman, in dunkler Metaphorik gekleidet, mit nervenaufreibender Spannung und einem Höhepunktende. Atemberaubend, atemberaubend erschreckend und tiefsining. Ein Reise in die Welt einer gescheiterten Existenz.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension! Deine Wortwahl gefällt mir immer sehr :)
    Ich besaß das Buch mal, habe es aber nachdem ich es verliehen hatte, leider nie wieder gesehen ... und bis dato auch nicht gelesen - nur mal begonnen. Aber mich konnten die ersten Seiten damals ohnehin nicht so ganz fesseln.
    LG Jimmy

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    1. Fruet mich, dass sie dir gefällt. Die ersten Seiten haben mich jetzt auch nicht vom Hocker gerissen, doch dann war ich wirklich begeistert.

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  2. Ob das ein Buch für mich ist. . . ich weiß nicht. Aber das Cover ist ganz nach meinem Geschmack XD

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  3. Hallo Sky,

    leider ist das Cover nicht so mein Fall, denn ich finde das Auge liest auch immer mit, aber deine Rezi hat schon was...

    Mal schauen ..Ubooks ist mir jetzt auch so kein Begriff.

    LG..karin...

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