Rezension: Das Motel von Brett McBean

24 Mai 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: The Last Motel
Verlag: Festa
Format: Taschenbuch
Seiten: 380
ISBN-13: 978-3865521477
Preis: 13,95 €

Albtraumhafte Übernachtung inklusive

An Halloween treffen sie alle aufeinander.
Eddy und Al klauen einen Wagen und finden in ihrem Kofferraum eine Leiche. Woher kommt die Leiche, wo soll sie hin? Zur Polizei können sie nicht, sie wären wegen Diebstahl dran. Aber wie lassen die Leiche, für die sie nicht einmal verantwortlich sind, verschwinden? Als sie ins Motel fahren haben sie einen Plan. In den Bergen rund um das Motel wollen sie die Leiche verschwinden lassen.
Morrie und Judy sind ein Paar, die flüchten mussten. Sie haben jemanden umgebracht, einen Jungen, der vor ihrer Tür aufgetaucht ist. Doch alles war ein Missverständnis, es war nur Notwehr, denn es sah so aus, als würde er sie umbringen wollen. Doch die Wahrheit ist weitaus tragischer.
Sie stellen sie sich als Vater und Sohn vor, obwohl der Junge in Waynes Wagen ganz sicher nicht sein eigen Fleisch und Blut ist. Der Junge ist sein Opfer für diese Nacht, das Opfer, welches er sich ausgesucht hat um es zu vergewaltigen, foltern und zu töten.
Alle treffen sie im Motel ein, alle haben andere Motive, doch sie ahnen nicht, dass ihr Schicksal zusammenhängt.

Wenn man bei „Das Motel“ einen Kuschelkurs erwartet aus oberflächlichen Brutalitäten und leichten Thrill wird mit seinen Magen kämpfen müssen. Denn Brett McBean nimmt kein Blatt vor dem Mund und scheut sich auch nicht detailfreudig die blutigen Szenen zu schildern, bei denen man oft mit seinen eigenen Verstand ein stummes Arrangement beschließt. Man gelangt an seine eigenen Grenzen was Ekel, Grausamkeiten und die Durchtriebenheit des Menschen betrifft und ist schockiert, fühlt wie der Magen rumort und möchte den Thriller lieber zur Seite legen. Aber auch, wenn der Schrecken noch so grausam ist, ist es wie bei einen Verkehrsunfall. Es ist ekelerregend, aber man will hinsehen, will näher gehen, obwohl alles im Körper nach Flucht schreit.
Dass die Rahmenhandlung dabei eher schwächelt, scheint plötzlich hinfällig zu sein, obwohl man sich an klassische Horrorfilme erinnert fühlt, bei denen unter minimalsten Gründen sich die Menschen an einen Ort einfinden um schlussendlich den blanken Horror entgegenzutreten. Sobald alle da sind, heißt es „Ready, Set, Go!“ und ab geht die Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Angst, Panik, Dunkelheit, Ekel und menschlichen Abschaum. Es ist eine kleine Hommage an das Genre und lässt das Flair aufleben.
Die Charaktere sind teilweise roh, dann wieder sensibel und doch wieder auf einer Seite speziell und Klischee. Irgendwie realistisch, aber doch überzeichnend und überstimmt in ihrer Komposition. Sie missfallen einen nicht, man hat aber auch nicht das Gefühl, dass sie etwas Besonderes sind und man sie schon längst aus anderen Romanen kennt. Trotz allem sind sie aber passend für die im Trash anzusiedelnde Handlung.
Die Erzählweise macht einen großen Teil an der Charakterstruktur aus, die immer wieder Zeitsprünge macht. Man lernt ihre Beweggründe kennen, warum sie im Motel sind und bekommt ihren Hintergrund klar vorgelegt. Die Figuren haben eine Vergangenheit, so dass man sie sich lebhaft und lebendig vorstellen kann, mitunter auch, weil jede Perspektive eingenommen wird. Kapitel für Kapitel wechselt die jeweilige Sicht auf die Dinge, dann wird zeitlich wieder zurückgesprungen um wieder ins Jetzt, in einem anderen Kopf wieder zurückzukehren.
Die Erzählstruktur macht viel an der Spannung des Romans aus, treibt einen voran, weil man mehr von den Personen erfahren will und gleichzeitig umfassenden Blick auf die Situationen bekommt.
Aber so interessant alles ist, wie sehr es auch an eine Hommage erinnert, gibt es Punkte, die einen das Lesegefühl trüben. Die übertrieben oft, manchmal nicht mal zu Handlungen beitragenden, pornographischen Stellen des Romans mögen für den ein oder anderen zwar in erotischer Sicht lesenswert sein, lassen aber eher den Schluss zu, dass hier mehr auf übertriebenen Zwang nach Grenzen austesten gelegt wurde, als aufs Gesamtgefüge von „Das Motel“
Auch die Gesamtkonstruktion der Geschichte ist viel zu schnell ersichtlich, durchschaubar, so dass große Überraschungen leider ausbleiben. Schnell ist klar wie alles im Zusammenhang steht und ist damit weniger pointiert wie man sich es gerne wünscht. Diese Problematik zieht sich sogar bis zum Ende hindurch, welches nur ergänzend wirkt und mehr dahinplätschert als nochmal Spannung aufbaut.

Fazit

„Das Motel“ ist ein solides Debüt von Brett McBean, das aber gegenüber seinen Nachfolgern zurückstecken muss. Spannend, verabscheuend, erschreckend, mit interessanten Charakteren, aber schwächelnder Story.

★★★☆☆

1 Kommentar:

  1. Hallo Sky,

    wenn man sich alleine schon das Cover an schaut, glaube ich bekommt man schon eine Vorstellung was einem als Leser erwartet oder?

    Deine Rezi gibt meine Vermutung ja auch noch recht, wer es blutig und brutal braucht kommt hier sicherlich voll auf seine Kosten.

    LG..karin..

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