Rezension: The Statistical Probability of Love at First Sight von Jennifer E. Smith

29 Mai 2012 |

Zum Buch

Dt. Titel: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick
Verlag: headline
Format: Taschenbuch
Seiten: 240
ISBN-13: 978-0755384037
Preis: £6.99

Klappentext

Who would have guessed that four minutes could change everything?
Imagine if she hadn't fogotten the book. Or if there hadn't been traffic on the expressway. Or if she hadn't fumbled the coins for the toll. What if she'd run just that little bit faster and caught the flight she was supposed to be on. Would it have been something else - the weather over the atlantic or a fault with the plane?
Hadley isn't sure if she believes in destiny or fate but, on what is potentially the worst day of each of their lives, it's the quirks of timing and chance events that mean Hadley meets Oliver...


Die Zufälligkeit des Lebens 

Sie kommt 4 Minuten zu spät am Flughafen an. Vielleicht waren es die Umstände, vielleicht auch Schicksal, aber seit 4 Minuten ist hier Flugzeug nach London schon abgeflogen und sie sitzt auf dem überfüllten New Yorker Flughafen fest, wartend auf den nächstmöglichen Flug nach London. Nach London zur Hochzeit ihres Vaters, wo sie Brautjungfer sein soll und selbst gar nicht zusehen will wie die „britische Frau“ ihren Vater heiratet. Dass sie ausgerechnet hier Oliver begegnet, einen Briten, der aus familiären Gründen nach London muss und genauso wenig Lust dazu hat, und dabei unsterblich verliebt, hat sie nicht erwartet und war auch nicht in der Hochzeitsplanung inbegriffen
Doch auf den Flug nach London müssen sie feststellen, dass die Sympathie auf beiden Seiten ist und dass ihnen weitaus mehr blüht als die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick.

Wie kann man die Liebe auf den ersten Blick beschreiben und wie schafft man es eine Liebesgeschichte in einem Zeitraum von 24 Stunden zu erzählen ohne in Kitsch und Prunk zu enden? Diese Kunst ist etwas, was viele Autoren nicht beherrschen, welche aber Jennifer E. Smith mit Bravour meistert. Mit lebensechten Charakteren, die wie aus dem Leben gegriffen sind, schafft sie eine vielschichte Geschichte die weitaus mehr als nur auf die aufkommende Liebe zweier Jugendlicher zielt. Sie geht weitaus tiefer, betreibt menschliche und gesellschaftliche Seelenforschung und macht aus ihren Roman ein Leseerlebnis mit Tiefgang.
Denn hinter Hadley und Oliver steckt mehr Leben als man zuerst vermutet. Hinter ihnen steckt eine Lebensgeschichte, verbindend und doch komplett unterschiedlich mit schwierigen Verhältnissen und der inneren Sprachlosigkeit in der Familie. Es ist das Fassungslose, was sie fassbar macht, die Ecken und Kanten, die ihnen Leben einhauchen und zu vollwertigen Figuren machen, denen es an Menschlichkeit nicht fehlt. Sie sind ganz, mit Vergangenheit, positiven und negativen Erfahrungen und reden miteinander wie man es im Alltag macht. Gefühlvoll, emotional und so menschlich kommen alle Charaktere im Roman daher, so dass man schier selbst erstaunt ist wie viel echtes Leben zwischen den Zeilen steckt.
Oft schaut man auf, denkt selbst darüber nach, was man an der eigenen Stelle tun würde, ob man die Chancen nutzen, die Veränderungen akzeptieren  oder doch vollkommen anders handeln würde. Irrational wie das Leben manchmal ist, unlogisch wie die Liebe scheint, ist man schlussendlich doch zu allen fähig.
Zuerst denkt man bei „The Stastical Probability of Love at First Sight“ an eine klassische Liebesgeschichte: Zwei Menschen begegnen sich, lieben sich, werden glücklich und enden im wunderbaren Happy-End. Doch so einfach, so ideal ist es oft nicht, manchmal muss man Dinge tun, die man von sich selbst nicht erwartet, manchmal muss man anders handeln als möglich und manche Momente, wären sie nicht so geschehen wie sie wären, hätten Dinge in andere Bahnen lenken und führen können. So viele Optionen gibt es und doch nutzt man die Eine, die für uns, in aller Unwahrscheinlichkeit am Wahrscheinlichsten ist.
Und bei all den Hintergrund bleibt der Roman jugendlich, frisch, neu und völlig unverklemmt. Ganz natürlich ist der Schreibstil von Jennifer E. Smith, lässt einen sanft durch die Seiten gleiten und bringt dabei immer wieder die Gefühle hervor ohne zu viel Emotionalität, zu viel Übertriebenheit oder Pathos und ist doch so schön metaphorisch, dass man von ihm Gefangen genommen wird. Durch die Einschübe der Vergangenheit von Hadley, die wichtig für die gesamte Handlung sind, wird eine gewisse Distanz geschaffen, die gleichzeitig die Protagonistin zu einer vollwertigen Person machen. Man kann auf das ganze Konstrukt der Geschichte sehen ohne von zu viel Emotionalität überlagert zu sein.  Schlicht, natürlich und echt wirkt alles auf einen und dort liegt die Kraft des Romans versteckt. Sie arbeitet mit witzigen Dialogen, mit kraftvollen Charakteren und einer Geschichte über die all die ungesagten Worten von Menschen, sei es sich selbst oder gegenüber anderen.
„The Statistical Probability at Love at First Sight“ schafft damit einen Sog, dem man sich bis Ende nicht entziehen kann. Durch verschiedene Wendungen gepeitscht, von Worten liebkost und dann doch wieder vorangetrieben, endet man in einem Ende, was das Herz öffnet, die Geschichte abschließt und weitere beginnen lässt. Ehrlich, offen und voller echter Gefühle. Alles im schmalen Spektrum von 24 Stunden und ein wahres Bad der Gefühle bis man sich selbst zu einem Flughafen wünscht und einfach abfliegen will ins neue Unbekannte, so zufällig und unwahrscheinlich es auch sein kann. Denn das Leben ist nun einmal keine Gleichung mit Parameter, die man bestimmen kann, sondern etwas, was in seiner Form nicht statistisch und stochastisch ausdrückbar ist. 

Fazit

„The Stastistical Probability at Love at First Sight“ ist weitaus mehr als nur eine schlichte Liebesgeschichte. Es ist eine Lebensgeschichte zweier Menschen mit Ecken und Kanten, die zueinander finden, ehrlich, offen und unverkrampft menschlich. Eine Leseempfehlung für alle, die weitaus mehr als nur einen Liebesroman lesen wollen.

★★★★

Kommentare:

  1. Aw, wie toll! Du hast die "statistische Wahrscheinlichkeit" gelesen und es hat dir gefallen! (man zittert ja doch immer, wenn man jemandem ein Buch empfiehlt...) Deine Rezension kann ich genau so unterschreiben, mir hat auch einfach alles an dem Buch gefallen - Schreibstil, Charaktere und vor allem die authentische Geschichte. Schön!

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  2. Tolle Rezension, gut geschrieben. Das Buch ist auch schon auf meiner Wunschliste. Nach deiner Rezi habe ich nur noch mehr Lust, es zu lesen. Vielleicht fasse ich ja mal den Mut und lese es auch auf Englisch.. Mal sehen.

    Liebe Grüße, Diti

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  3. Eher ein kann man, muss man aber nicht ;-)
    Muss denke ich auch jeder selbst entscheiden ob er es liest oder nicht. Wenn du dir unschlüssig bist warte doch und kaufs in ein paar Monaten gebraucht.

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