Hinter dem Buchdeckel: Wo ist die Übersetzung?

12 Juni 2012 |

Wo bleibt die Übersetzung zu dem Buch? Eine Frage, die sich viele Biblophile stellen, die die Sprache des Originaltextes nicht können. Man wartet ärgerlich darauf, dass das auserkorene Buch endlich in die eigene Sprache übersetzt wird und man endlich anfangen kann es zu lesen. Doch warum kommt die Übersetzung erst viel später als die Originalausgabe der Ausgangssprache?

Das Problem dabei liegt im Lizenzhandel. Damit ein Roman übersetzt werden darf, muss eine Lizenz über den Text erworben werden. Je nachdem wie der Autor es vertraglich geregelt hat, muss somit das Recht am Text bei der Agentur, dem Verlag oder dem Autor erkaufen. Dies geschieht in Verhandlungen, die je nach Buch länger oder kürzer ausfallen können. Es gibt dabei verschiedene Gründe, warum sich der Prozess verzögert.

Warum ist die Zeitspanne bis zur Übersetzung mal kürzer, mal länger?

1. Grund: Die Popularität
Ein Grund dafür ist schlicht die Popularität eines Werkes. Beste Beispiele, für fast zeitgleiches Erscheinen von Originalbuch und Übersetzung, sind die Harry Potter Bücher von J. K. Rowling. Aufgrund der Tatsache, dass diese Werke weltweit sehnsüchtig erwartet wurden, sind die Rechte schon vorzeitig, bevor das Buch überhaupt erschienen ist, verkauft worden. So kann der Verlag schon früh anfangen das Werk zu übersetzen und damit die Übersetzung möglichst frühzeitig auf den Markt bringen.

Ist eine solche Situation nicht gegeben, dauert es länger. So wird erst der Markt betrachtet, wo das Buch in seiner Originalsprache erscheint und wenn es sich bewährt, wird sich um die Rechte und die Übersetzung vom Text bemüht. Schließlich ist jeder Lizenzkauf eine Investion in einen ausländischen Text, die rentabel sein sollte. Ein Verlag ist schließlich ein Unternehmen und es möchte kein Risiko eingehen um dann mit der Produktion einer Übersetzung einen Verlust einzufahren, obwohl sie sich Gewinn erhofften.

2. Grund: Art der Übersetzung
Auch ist die Zeit der Übersetzung ausschlaggebend. So kann es sein, dass nur eine einzelne Person das Buch übersetzt oder gar ein Übersetzerteam. Wenn es schneller gehen soll, sind es oft Übersetzerteams die einen Hauptübersetzer haben, der die gesamte Übersetzung leitet und als Übersetzer des Textes schlussendlich gilt. Beispielsweise bei "Das verlorene Symbol" von Dan Brown wurde ein Team zusammengestellt um möglichst schnell die deutsche Ausgabe herausbringen zu können.
Auf normalen Weg dauert dieser Prozess wesentlich länger.

3. Grund: Dauer der (Preis-)Verhandlungen
Um an das Recht des Romans zu kommen, muss natürlich verhandelt werden. Niemand möchte den teuersten Preis bezahlen, aber gleichzeitig das Recht am Buch am Konkurrenzverlag verlieren.

4. Grund: Die Entstehung eines Buches
Die Bücher, die vom ausländischen Markt kommen, können in ihrer Optik und Produktion nicht so einfach übernommen werden. Der übersetzte Text, wie auch jeder anderer Text, geht durch viele Hände bis er zwischen zwei Buchdeckeln prangt. Er geht durchs Lektorat, Korrektorat und dann erst in die richtige Produktion. Die Optik wird bestimmt, Coverdesigner engagiert, der Text passend zurecht gerückt, mit Druckereien das beste Angebot ausgehandelt und vieles mehr. Das kostet Zeit und verlängert den Weg vom Original zur Übersetzung.

5. Grund: Lizenzerneuerungen
Das Recht ein bestimmtes Buch zu veröffentlichen, hat man nur auf Dauer und nicht für alle Ewigkeit. So muss immer wieder die Drucklizenz erneuert werden, damit die Bücher weiterhin auf den Markt bleiben können. Oft kann es dabei Streitigkeiten geben, aufgrund eines neuen Preises für die Lizenz. Die Reihe "Das Geheimnis der Großen Schwerter" von Tad Williams, als Beispiel, konnte nicht wieder aufgelegt werden in Folge eines solchen Lizenzstreites. Erst nach längeren Verhandlungen, konnten die Rechte wieder erworben werden und die Bücher neu aufgelegt und publiziert werden.


Diese fünf Gründe sind die Hauptgründe, warum manche Übersetzungen später erscheinen als andere. Hauptpunkt ist einfach das Geld, welches in die Übersetzung, die Produktionskosten und die jeweilige Lizenz fließt. Möglichst günstig soll es sein um ein Buch so günstig wie möglich anbieten zu können. Je teurer die einzelnen Komponenten sind, desto teurer wird das Endprodukt und Zeit ist Geld, in diesem Fall eben eine längere Wartezeit für mehr Umsatz.

Kommentare:

  1. Jetzt habe ich wieder etwas gelernt xD
    Deine Artikel sind echt immer wieder super!

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  2. Sehr schöner Artikel ;) Und wieder toll geschrieben :D

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  3. Halloooo :)
    Wollte nur mal schöne Grüße aus der Nähe dalassen.
    Ein Wunder, dass man mal ein Männlein aus Bayern findet, dass einen Bücherblog betreibt :)
    Liebe Grüße

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    1. *Lied anstimm* Wunder gibt es immer wieder.

      Ich weiß, bin auch wirklich ungewöhnlich in der Bloggerwelt. Mir sind bisher nur DREI männliche Blogger begegnet. :D Wohnen leider alle nicht in meiner Nähe! ;) Der männliche Leser ist selten geworden.

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    2. Und ich warte und warte auf nen Kommi auf meinem Blog, aber nein, den Kerlen muss man immer hinterherlaufen um zu sehen, dass was geschrieben wurde ;)
      Ich komme sogar aus Hersbruck, falls das deine Ohren schlackern lässt?! ;)

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  4. Ach ja, das war doch sehr informativ und passt super zu meinem "Kein Schattenherz"-Beitrag. Einige Dinge waren mir schon klar, dass aber z. B. die Drucklizenz erneuert werden muss ... wie unwissend ich doch war. ;) Und typisch, dass es oftmals an dem lieben Geld scheitert. Besonders bedauerlich finde ich es, wenn einer der genannten Gründe eine angefangende Buchserie betrifft, wie z. B. im Fall der Sevenwaters Saga von Juliet Marillier. Auf die letzten beiden Bände dürfen wir deutschen Fans verzichten, weil die Neuauflage sich hierzulande wohl nicht bezahlbar gemacht hat, das Interesse also nicht groß genug war. *Schnief*. Aber damit muss man wohl leben und das Geld dann vorerst in einen Fremdsprachenkurs investieren oder sich einfach aufraffen und zur Originalausgabe greifen. ;)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Der Gedanke kam mir auch, als ich deinen Beitrag gelesen habe :D Und stimmt... daran habe ich gar nicht mehr gedacht...

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  5. Hallo Sky,

    ja, das liebe Geld ist mir bei deiner Frage auch gleich in den Sinn gekommen!!

    Aber es gibt auch zwei Möglichkeiten wo sich die Sache etwas möglicherweise beschleunigen könnte, meiner Meinung nach.
    Buchmesse in Leipzig und Buchmesse in Frankfurt.

    Denn da können Verlage so richtig ein Buch puschen...

    LG..Karin...

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  6. Hallo Sky,

    bin durch Zufall bei dir gelandet. Ok, ich geb´s zu: ganz Zufällig nicht. Blog-zug.com ist schuld. Und fühlte mich gleich heimisch, dass ich mich direkt unter deine Leserschaft geschmuggelt habe.

    Wünsche dir noch einen wundertollen Tag und freue mich immer wieder über Gegenbesuche(r).

    LG
    Ise

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  7. Ich verstehe die ganze Sache mit dem Übersetzen. Ich habe auch schon versucht, Bücher in Englisch zu lesen, weil ich sie unbedingt lesen wollte und nicht auf das Erscheinen in deutscher Sprache warten wollte. Leider tue ich mich damit sehr schwer, Texte in Englisch zu lesen und nicht alles zu verstehen. Ich bin da versucht, Wörter einzeln herauszusuchen und nach einer Übersetzung zu suchen. Mein Sohn, 17 Jahre, ist da ganz anders. Er war im Englischunterricht in der Schule eigentlich nicht gut, denn er hat mit Französisch als 1. Sprache angefangen. Dadurch, daß er viel mit dem Computer macht, Informationen sucht, Texte zu seinen Lieblingsmangas in Englisch liest, ist er sehr gut in Englisch geworden. Einzelne Wörter interessieren nicht, Hauptsache man erkennt den Zusammenhang. Ich wünschte, ich könnte das auch so sehen.

    LG
    Annegret

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    1. Das ist alles Übungssache ;) Am Anfang dachte ich auch, es ist nötig... und ich hab es auch getan. Aber irgendwann merkt man, dass man den Text "liest" und nicht einfach punktiert Satzbruchstücke besitzt.
      Einfach nicht aufgeben und probieren.

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