Rezension: Das Seil von Stefan aus dem Siepen

26 Juni 2012 |

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Verlag: dtv
Format: Klappenbroschur
Seiten: 180
ISBN-13: 978-3423249201
Preis: 14,90 €

Suche nach dem Ende des Seils

In einem Dorf, umringt nur von Wäldern, wo Frauen sich um Haus und Familie kümmern und die Männer auf den Feld arbeiten, findet Bernhardt, einer der Bauern, ein Seil, welches vorher nicht da war.
Doch das vorerst belanglose Seil scheint kein Ende zu haben. Plötzlich ist das ganze Dorf auf den Beinen, auf der Suche nach dem Ursprung des Seiles. Die Männer begeben sich auf die Suche nach dessen Ende, während die Frauen, Kinder und Alten zurückbleiben müssen. Aber das Ende des Seiles ist weit entfernt und doch übt dieses schlichte Seil eine fremdartige Faszination auf die Männer aus. Und während die Männer sich durch die Flora und Fauna kämpfen, bangen die Frauen auf die Heimkehr ihrer Männer.

Die uns präsentierte Welt von der Einöde, einem Dorf, abgeschlossenen von der Zivilisation, deren Tag klar strukturiert ist und dessen Alltag einfachen Mustern folgt, ist eine Parabel mit Tiefgang. Denn das Seil, das Fremdartige, weckt Neugier. Und das Fremdartige weckt gleichzeitig neue Facetten in uns, seien es negative oder positive.
Der kleine beschauliche Kosmos wird verpackt in einer eher erzählerischen Sprache, die heute eher altbacken daherkommt und das Lesen teilweise beschwert. Sie ist monoton, bringt wenig Gedanken zutage, sondern gleicht einer Erzählung, die damals Kindern mündlich vorgetragen wurde um ihnen Moral und Anstand einzuflößen. Schlicht entspricht der Schreibstil des Romans der typischen Parabel, wie man sie es sich vorstellt und dort liegt das Problem.
Auch wenn sich die Handlung um die Männer, die nach dem Ende des Seiles Interpretationsspielraum auf unser Leben zulässt, sich Rollenbilder verschieben und hier die Neugier und Obsession nach dem Neuem eine Rolle spielt, kommt sie daher, als hätte man sie in ihrer Form schon einmal gelesen. Die Idee rund um das Seil ist eine Klassische, nach der plötzlichen Veränderung im Leben durch das Neue, was in die eingefahrenen Strukturen eindringt. Manche bleiben dabei auf der Strecke, andere verschränken sich davor, andere haben das Bedürfnis es nachzukommen und verfallen einer Obsession, können nicht mehr aufhören. Es ist die Suche nach Veränderung, dem Ausbrechen aus eingefahrenen Strukturen.
All diese Momente sollten deutlich werden, werden aber nur spärlich beleuchtet, so dass sich der Leser zuletzt sich einen Reim auf das Geschehene machen muss ohne jegliche Starthilfe beim Philosophieren über das Leben.
Um zum Ende zu kommen, muss man sich aber durch die zähe Handlung quälen, bei dir sich über die gesamte Romanlänge nicht viel verändert und regt. Es kommt einen vor, als würde man auf der Stelle treten, was der eigentlichen Geschichte entspricht, aber beim Leser zu Frustration führt. Die Sprache ist dabei nur noch der Tropfen auf den heißen Stein, der die gesamte Monotonie der Handlung zu einer leserlichen Schwierigkeit gestaltet.
Gleichzeitig ist diese Monotonie auf eine ganz spezielle Art gewollt und dort liegt der Kniff der Parabel und der Kniff im gesamten Roman. Denn die Bewohner werden aus ihrem monotonen Alltag gerissen, ihre Neugierde durch das Seil geweckt und sie können nicht aufhören dem neuen Lebensfaden nachzugehen bis zum bitteren Ende, welches einen überfällt und stehen lässt, mit all den herumhängenden Gedanken, die der Roman uns eigentlich verdeutlichen will.

Fazit

Stefan aus dem Siepen hat mit „Das Seil“ eine Parabel geschaffen, die ihren inneren Kern selbst reflektiert und dadurch den Leser auf einer Seite frustriert und fasziniert. Parabel nach Lehrbuch, die etwas mehr Mut in der Ausführung benötigt hätte.

★★★☆☆

Kommentare:

  1. Ich denke für mich ist dieses Buch eher nichts - Nein, ich denke nicht nur, da bin mir irgendwie sicher.
    Wie immer eine gut geschriebene und begründete Rezension, die einen guten Überblick über das Buch gibt.

    Liebe Grüße, Diti

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  2. Hallo Sky,

    Du bist nicht der einzige der sich diese besonder Buch zur Brust genommen hat, hi , hi

    LG.Karin..

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    1. Ach, bist du es auch am Lesen ;) Vielleicht gefällt es dir besser als mir.

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    2. Nee, aber Du bist der einzige Blogger, der dieser Buch z.Z. auf seinem Blog hat wollte ich damit eigentlich sagen.

      Aber so vom Inhalt hat es auch was von einem Gruselfilm den ich mal auf Tele5 gesehen habe,

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  3. Mehr Mut in der Ausführung? Was ist damit gemeint oder wie sollte das aussehen?

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    1. Mir persönlich fehlte einfach etwas mehr. So war es für mich einfach nur eine Parabel ohne Besonderheiten. Zigmal gesehen, diesmal mit anderer Geschichte. MIt mehr Mut in der Ausführung, einfach ein wenig von dieser doch sehr klassichen Parabel abweichen. So wirkte es eben für mich dröge.
      Die Rezension auf Gedankenspinner hab ich mir gerade mal durchgelesen. Ich kann dir in vielen Punkten recht geben, trotzdem konnte es mich der Roman nicht ganz so überzeugen.

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