Rezension: Die Kuppel von Markus Stromiedel

13 Juni 2012 |

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Verlag: Droemer
Format: Klappenbroschur
Seiten: 400
ISBN-13: 978-3426198278
Preis: 14,99 €

Schöne neue elektronische Welt

In einem Europa, in der jeder Mensch eine ID mit all seinen biometrischen Daten hat, an seinem Handgelenk einen Tagger trägt, der ein Multigerät darstellt zur Identifikation, Videotelefonie und Bezahlmittel und wir dadurch flächendeckend überwacht werden können, lebt Vincent Höfler, ein Mitläufer, der als Militärpolizist sich ausbilden lässt und zu einer Fall nach Deutschland geschickt wird.
Ein alter Mann wurde erfroren auf einem streng bewachten ehemaligen Flughafen aufgefunden. So wie es aussah wollte er zum Kuppelbau „First Resort“, eine Anlage für ältere Menschen, in der sie ein Paradies erleben und die Leute, die dort einziehen wollten, auf der Straße der Kleinstadt wandeln, in der Hoffnung einen Platz bekommen. Doch als Vincent zu dem Fall zitiert wird und eine Obduktion des Leichnams beantragen will, wird urplötzlich der Fall zu höherer Stelle gegeben ohne jeglichen ersichtlichen Grund. Vincent soll sofort nach Brüssel, wo er hergekommen ist, zurückkehren. Aber was steckt dahinter? So wie es aussieht scheint der Militärpolizist einer höheren Distanz in die Quere gekommen sein, was ihn nicht daran hindert seine Ermittlungen weiteraufzunehmen und ihn aus seiner Mitläuferschaft herauslockt. Gemeinsam mit Anna, einer Ärztin der gesundheitlichen Behörde, will er hinter die Machenschaften der europäischen Regierung gelangen und landet dabei selbst im Kreuzfeuer des Staates. Was steckt wirklich hinter dem Fall und was hat das „First Resort“ damit zu tun?

Der Sci-Fi-Thriller „Die Kuppel“ arbeitet nach altbewährtem Rezept und schafft es sich doch von anderen Zukunftsthrillern abzuheben. Das Figurenensemble besteht dabei aus der typischen Konstellation eines jeden Werks dieser Machart: Einen toughen, heroischen Helden, der versucht hinter die Machenschaften des autoritären Überwachungsstaates zu kommen, eine hübsche, intelligente Frau, die ihm in allen Instanzen zur Seite steht, ein Computergenie, welches in der Ferne jegliche technologischen Probleme löst und sich in die elektronischen Staatssysteme einhakt. Diese Zusammenstellung ist das Fundament eines klassischen Zukunftsthrillers und kann den Leser nicht wirklich überraschen, obwohl alle Charaktere realistisch, sympathisch und authentisch von Markus Stromiedel gezeichnet sind und ihre jeweiligen Beziehungen durchaus interessant, witzig und ehrlich dargestellt wurden. Denn ihre Gefühle sind spürbar, speziell die des Protagonisten Vincent, ihre Panik, ihre Machtlosigkeit gegenüber den Staat und den jeweiligen Probleme der Flächenüberwachung, die ihnen zu schaffen machen. Nichtsdestotrotz zieht sich die Problematik durch den gesamten Roman.
Die Handlung des Romans kommt einen an manchen Stellen bekannt vor, aus Sci-Fi-Werken, die man gelesen oder auch gesehen hat, und bringt aber doch neue Elemente herein, die doch von der Norm abweichen. So wird neben der eigentlichen Handlung, auch auf die jeweiligen Änderungen in der Zukunft aufmerksam gemacht, mit Zeigefinger auf die Umweltverschmutzung, dem Klimawandel und der immer stärker wachsenden Überwachung des Bürgers eingegangen, deren Realismus und Anfang sich heute schon abzeichnen. Durch die ID, unseren biometrischen Code, der in einer Datenbank hinterlegt ist, werden wir gläsern und können auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Dadurch dass wir an den Tagger (die technologische Weiterführung vom Smartphone) gebunden sind und davon abhängig werden, kann der Staat uns schier mühelos kontrollieren ohne dass wir uns darüber im Klaren sind. Die Meere sind von Ölteppichen besudelt, Städte sterben aus und die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. All diese kleinen Details machen „Die Kuppel“ zu einen realistischen und wirklichkeitsnahen Szenario, welches gekonnt seine Anker in der Gegenwart findet. Diese Elemente regen zum Nachdenken an, machen die Handlung überzeugend, trotz ihrer stellenweisen Ähnlichkeit mit anderen Werken desselben Genres.
Auch wird immer mehr auf die Digitalisierung der Welt eingegangen, die Möglichkeiten von geschaffenen Illusionen und die dadurch resultierenden Gefahren. Unsere Abhängigkeit von der elektronischen Welt wird in diesem Thriller deutlich und führt zu Schrecken und Beklommenheit des Lesers.
Der rasante Schreibstil, der wahres Popcorn-Kopfkino hervorruft, trägt zudem zum mulmigen Gefühl des Lesers bei. Die plastische Art mit der Markus Stromiedel schreibt, macht den Zukunftsthriller spannungsgeladen und lässt einen den Roman schwer aus der Hand legen. Seite um Seite lässt man sich weitertreiben von Vincent, der seine Geschichte erzählt, auf rückblickende und immer wieder wertende Art und Weise, so dass der Leser das Gefühl bekommt, weitaus dramatischere Szenen und korruptere Aktionen des Staates zu begegnen, bis sich die Entwicklungen immer stärker zuspitzen.
Und dieses Gefühl täuscht nicht. Denn das Ende schafft es einen mit offenem Mund stehen zu lassen und verhält sich anomal zum typischen Rezept. Moralisch und gar philosophisch endet der Pageturner und lässt einen mit wirren Gedanken zurück. Auch nach dem Lesen der letzten Seite bleibt man ein paar Minuten sitzen, nachdenkend, wie man selbst zu der Thematik steht, die zuletzt aufkommt. Es lässt Platz für Interpretationsspielraum, eigener Wertung und gibt keine Meinung vor.

Fazit

„Die Kuppel“ ist ein Zukunftsthriller, der sich zum waschechten Pageturner entwickelt, durch seine Grundthematik und Authentizität überzeugt und dadurch weitaus mehr wird als nur ein einfacher Thriller. Ein Roman mit Nachdenkpotenzial, Kritik und beklemmender Darstellung einer durchaus realistischen Zukunft in Popcorn-Kopfkino-Sprache.

★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Hallo Sky,

    diese Rezi ist klasse und überzeugt mich, dass Buch kommt auf die Wunschliste.

    LG..karin..

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