Rezension: Looking for Alaska von John Green

07 Juni 2012 |

Zum Buch

Dt. Titel: Eine wie Alaska
Verlag: Speak
Format: Taschenbuch
Seiten: 256
ISBN 978-0-142-40251-1
Preis: $7,99 US

Suchend, im Labyrinth des Lebens

Miles Halter ist besessen von letzen Worten und liest die Biographien berühmter Persönlichkeiten, obwohl er oft die eigentlichen Meisterwerke dieser Berühmtheiten nicht einmal kennen will. Doch sein sonstiges Leben ist trist, kein wahres Leben, ohne wahre Freundschaften. Er beschließt das „Große Vielleicht (Great Perhaps)“ zu suchen und geht ins Culver Creek Internat, wo schon sein Vater war und einiges erlebt hat.
Das Internat ändert seit gesamtes Leben, seit er seinen Zimmernachbarn kennt und auf Alaska Young trifft. Eine unberechenbare, launische, gut aussehende, intelligente, literaturverrückte Alaska, die ihn in eine Welt aus Freiheiten, Freundschaft und Liebe entführt. Eine Welt, in der Miles Pudge heißt und sich in Alaska verliebt, obwohl sie einen Freund hat und weil sie ihn süß findet.
Aber so neu, so überraschend, so voller Leben, Freundschaft und Liebe sein neues Leben ist, ist plötzlich alles nicht mehr wie es war. Das Leben ändert sich schlagartig und ohne Vorwarnung.

John Green hat mit „Looking for Alaska“ einen Jugendroman geschaffen, der voller jugendlichen Esprit und Leben sprießt. Die Geschichte, Handlung und der Schreibstil bilden eine lebendige Einheit, die einen an den Seiten kleben lässt und erst wieder loslässt, wenn man das Ende erreicht hat. Einem Ende, das kein wahres Ende ist. Einem Ende, welches überrascht und einen zufrieden zurücklässt.
Denn die Geschichte, die John Green erzählt, ist die einer Gruppe Jugendlicher und Freunde, die sich mit etwas konfrontiert sehen, das ihr Leben einschneidet. Eine Clique, die einen mit jeder Seite mehr ans Herz wächst, die vielfältig, wo jeder Einzelne individuell und auf seine Art speziell ist. Alle haben ihre Ecken und Kanten, jede Person ist eigen, hat seine Macken und wirkt real, fast anfassbar. Oft denkt man sich, es könnten die eigenen Freunde sein und man kann unter ihnen sitzen, mit Alkohol und Zigaretten, gemeinsam lachend, weinend und tröstend. Sie strahlen jugendlichen Esprit aus, haben aufkommende Gefühle, erste Liebeleien und Erfahrungen in ihren Leben und sind dabei wie jeder andere Jugendliche auf der Welt und doch ein bisschen mehr, ein bisschen spezieller, ein bisschen eigener und ein bisschen individueller wie so viele andere Teenanger in Jugendbüchern. Witzig, spontan, impulsiv, aber doch ernst und wechselnd in ihrer Position und Gefühlslage. Eben keine festgefahrenen Stereotypen, sondern normale Menschen.
Ihre Lebendigkeit und Individualität findet sich auch im Schreibstil wieder. Die gesamte Handlung ist aus Pudges (Miles) Perspektive geschildert und er allein bringt uns seine neue Umgebung näher, in Jugendsprache, ehrlich und doch sehr tiefgründig und lebensphilosophisch, dass der Roman voller Zeilen gespickt ist, die einem sich in den Kopf brennen. Sein eingeschränktes Sichtfeld auf die Dinge, seine Unwissenheit, macht die Dinge realer und lebendiger uns nah an die Dinge heran, obwohl wir feststellen, dass wir genauso fern davon sind, wie Miles selbst.
Denn auch wenn es ein Jugendroman ist, geht es um ein ernstes Thema, einen Thema, mit dem wir alle fertig werden müssen, und sich beim Lesen plötzlich wie ein Stein auf uns liegt, was mitunter auf den Aufbau zurückzuführen ist.
Man geht eine Beziehung mit den Charakteren ein, bekommt im ersten Teil, dem „before“, einen Sinn für die Figuren, ist ihnen nahe und fühlt sich irgendwann, als würde man sie schon ewig kennen. Diese Bindung macht uns dann im „after“ zu schaffen, treibt uns durch Gefühlsmeere wie die Menschen, die in dieser Situation stecken. Von Ängsten, von Verzweiflung, von Zuneigung, von Liebe, von Trauer, von Nähe... von so viel mehr, machen wir eine Reise durch ein Labyrinth des Lebens um festzustellen, dass wir darin bleiben. Einen Ausgang muss jeder für sich selbst finden.
Und hier löst sich John Green vom typischen Jugendroman. Es sind die Charaktere, das Leben, die Botschaften zwischen den Zeilen, die Lebensphilosophie, die Ernsthaftigkeit, die Schwere, schlicht die Komplexität der Existenz, die uns in dem Roman begegnet ohne uns zu sehr zu belästigen und überfordern. Schlicht das Labyrinth des Lebens in dem wir umherlaufen auf der Suche nach dem großem Vielleicht. Ein Gefühlsbad und doch ein reales und wahres Stück Leben ohne Übertreibung und Künstlichkeit rund um eine Thematik, bei der dem Leser keine Meinung aufgezwängt wird, sondern er selbst entscheiden kann.

Fazit

John Green hat mit „Looking for Alaska“ einen lebendigen Jugendroman geschaffen, der mitreißt, voller Menschlichkeit ist und Platz für das wahre und manchmal schwere Leben lässt. Ein Must-Read an jugendlicher Literatur, die weitaus mehr anspricht, als die Jugend.

★★★★★

Kommentare:

  1. Hallo Sky,
    nach dem tollen "Will & Will" ist Eine wie Alaska sofort auf meine WuLi gewandert. Green schreibt einfach super u. deine Rezi bestätigt das wieder.
    LG,
    Damaris

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  2. Aw, und schon die nächste fünf-Sterne-Rezi zu einem Buch, das ich definitiv noch lesen möchte. Sowieso steht John Green da gerade ganz oben drauf :-) Dankeschön!

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  3. Wieder einmal eine schöne, ausführliche Rezension zu einem Buch, dass ich sonst nie in die Hände genommen hätte rein vom Cover her. Sehr interessant, bei dir gibt es immer wieder neue Bücher zu entdecken! :)

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