Rezension: Mission Munroe. Die Touristin von Taylor Stevens

24 Juni 2012 |

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Originaltitel: The Informationist
Verlag: Goldmann
Format: Klappenbroschur
Seiten. 448
ISBN-13: 978-3442478231
Preis: 9,99 €

Afrika meets Informationsbeschafferin

Vanessa Munroe ist eine Frau, die jegliche Informationen besorgen kann, egal auf welche Art und Weise. Sie ist intelligent, beherrscht 22 Sprachen und ist durch die harte Schule des Lebens gegangen. Michael, wie sie sich noch nennt, hat schon viele Dämonen in die Augen gesehen, ist auch im Umgang mit Waffen vertraut und vor allem gefährlich.
Diesmal verschlägt sie ein Auftrag zurück nach Afrika, dorthin, wo ihre Vergangenheit am Lebendigsten ist. Munroe soll gemeinsam mit Miles Bradford Emily, eine Tochter eines Unternehmens, suchen, die in Afrika eingereist ist, aber nie wieder zurückkehrt ist. Beide treffen sie auf Länder voller Korruption, Diktaturen und Willkür. Doch irgendjemand will nicht, dass Emily gefunden wird. Sie werden beschattet, angegriffen und kommen öfter den Tod näher als dem Leben. Aber Michael lässt sich nicht unterbringen und stellt sich ihren Feinden, ihrer Vergangenheit und der Suche nach Emily.

Der erste Band rund um die toughe Vanessa Munroe wartet mit starken Plot, erbarmlosen Geschehnissen und schlagartigen Wendepunkten auf.
Die Protagonistin ist eine vielschichte Persönlichkeit, lebt in einer Welt, die von Männern dominiert ist, ist in Afrika aufgewachsen, ein Sprachgenie und doch versucht sie die inneren Geister und Dämonen, die sich im Laufe der Jahre in ihr angesammelt halten, still zu halten. All die Geschehnisse in ihrem Leben beeinflussen sie, die Grauen haben sie abstumpfen lassen und man ist erschrocken von ihrer Erbarmungslosigkeit wie Finesse. Dabei kommt ihr ganzes Facettenreichtum nur über leichte Informationen zustande. Ihre Gefühlswelt ist ausgeblendet und man hat nur ihre Momentaufnahmen aus ihrem Leben, die Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeit ziehen lassen, die manchmal durchsickert.
Die anderen Charaktere sind weitaus emotionaler angesiedelt und heben sich durch ihre Nahbarkeit von der Protagonistin ab. Munroe wirkt gegenüber ihnen fast gefühlskalt, berechnet und bildet damit einen starken Kontrast.
Diese Unnahbarkeit der Hauptfigur spiegelt sich auch im Schreibstil wieder. Manchmal hat man das Gefühl mehr einen Tatsachenbericht zu lesen anstatt eines wahren Romans. Ihre gesamten Schritte werden geschildert, aber ohne viel Einfluss von Innensicht. Aber diese Art zu schreiben, hat gleichzeitig den Effekt, dass der Spielort des Romans besser beleuchtet wird.
Afrika, ein Kontinent der uns eher unbekannt und fern ist, wird klar herausgearbeitet. Länder zwischen Korruption, Diktatur und rechtlicher Willkür, zwischen arm und reich und dem immer währenden Rückschritt zur restlichen Welt. Es sind Städte, die schnell zusammengebaut wurden, mal trifft das Moderne auf Verfall und jeder versucht Geld zu bekommen um zu überleben. Wer Macht hat, nutzt sie aus, wer keine hat, versucht sie sich zu beschaffen. Dieses Bild von Afrika ist so stark, dass man zum ersten Mal richtig auf diese Länder schaut und sich ein wahres Bild von ihnen schafft.
Aber durch die halbe Sozial- und Landesstudie von Afrika, bekommt der temporeiche Roman oft immer wieder Bremsen gelegt, die das Lesevergnüngen trüben. Durch die Beleuchtung der äußeren Faktoren bilden sich Längen, die Zügel für die schnelle, überschlagartige Handlung darstellen.
Denn Vorhersehbarkeit ist bei „Mission Munroe. Die Touristin“ schieres Wunschdenken. Bis zum Ende hin wird man von einer Vermutung zur Nächsten gehetzt, verliert oftmals den Überblick über das große Ganze um schlussendlich mit einen überraschenden Ende zurückgelassen wird. Von einer Pointe zur Nächsten kommt man und sieht sich irgendwann plötzlich einem Ende entgegen. Und dieses bringt weitaus mehr als nur die Suche von Emily zu Ende, sondern bringt noch einmal das gesamte Spektrum der Protagonistin zum Vorschein, über die man sich oft wundert, egal ob auf positiver oder negativer Seite.
Ein Schwarz-Weiß-Denken gibt es in diesem Roman nicht, wie man es üblicherweise hat, sondern hier verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse so weit, dass man sich selbst nicht mehr sicher ist, wer in der Welt zu was fähig ist, zu was Munroe selbst fähig ist und welche dunklen Geheimnisse in ihr Schlummern.
All diese Faktoren machen den Thriller zu einem spannungsgeladenen Pageturner, der aber an manchen Stellen auch an seinen starken Plot leiden muss. Denn an mancher Stelle fehlen einem die Antworten und es kommt einen doch etwas zu übertrieben vor, was aufgetischt wird. Nichtsdestotrotz bleibt man an den Seiten hängen bis man zu einem Ende kommt, welches man in seiner Form nie vorhersehen konnte.

Fazit

„Mission Munroe. Die Touristin“ ist ein wahrer Pageturner. Spannungsgeladen, mit einer starken und vielschichten Protagonistin und einem erbarmungslosen Plot voller überraschenden Wendungen. Ein starker Auftakt einer Serie, mit viel Potenzial nach oben.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Booah nee xD Erst voll die düsteren Sätze in der Inhaltsangabe und dann: "Ich bin ein Chamäleon." Bitte was?! xDDDD *räusper* Ich versuche dann mal, die Rezi und dieses Buch ernst zu nehmen *grins*...
    Ui, das Buch hört sich ziemlich cool an und Vanessa Munroe erinnert mich ein wenig an Hanna aus dem Film "Wer ist Hanna?"^^ Der Film gefiel mir, das Buch hört sich auch interessant an, aber beantworte mir die Frage: Gibt es allzu blutige Stellen? Wenn es sehr extrem ist, streiche ich es nämlich wieder von meiner Wunschliste xD

    Liebe Grüße! :D

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    1. Der Klappentext ist ja nicht von mir :D

      Blutig... an mancher Stelle schon ;) Sehr extrem? Ich würde sagen... es geht. Für Leute, die wenig Thriller lesen, vielleicht ein bisschen viel

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    2. *aus der Wunschliste streich* Ich weiß, ich weiß, deswegen habe ich mir ja Mühe gegeben, nicht zu lachen! xD

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  2. Danke für deinen Kommi :)

    LG Plumblossoms

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  3. Werde deine Geschichte mal morgen oder so lesen, wenn ich Zeit habe. Freue mich schon drauf! Muss ja schließlich Leute geben, die für meinen Lesegenuss sorgen xD :)

    LG PLumblossoms

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