Rezension: Rabentot von Heather Graham

01 Juni 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: The Death Dealer
Format: Taschenbuch
Seiten: 320
ISBN-13: 978-3862783113
Preis: 8,99 €

Die Welt der Geister nach Edgar Allan Poe

Die Mitglieder der Edgar-Allan-Poe-Gesellschaft in New York müssen um ihr Leben bangen. Aus ihrer Mitte wurde schon einer umgebracht, mit Arsen, einem Gift, in seinem Wein, was den Rückschluss auf einen Mörder zulässt, der nach Vorlage von Poes Geschichten mordet. Auch wurde ein Zettel mit den Worten: „Sprach der Rabe: Stirb!“ gefunden. Genevieve O’Brien bereitet das Sorgen, denn auch ihre Mutter ist Teil der Gesellschaft und könnte ins Fadenkreuz des Mörders gelangen. Daher wendet sie sich an Joe Connolly, einen Privatdetektiv, von dem sie weitaus mehr erhofft als seine Ermittlungsarbeit.
Doch auch er sieht sich mit den Morden direkt konfrontiert. Als Joe in einen Autounfall verwickelt ist, ahnt er noch nicht, dass auch eines der Gesellschaftsmitglieder von diesem Unglück betroffen war. Sollte er umgebracht werden? Noch seltsamer ist für Joe aber die Tatsache, dass ein umgekommener Autofahrer ihn darum bittet seine Tochter auf der Rückbank zu retten. Aber wie kann es sein, dass er jemanden reden hört, der bei dem Autounfall gestorben ist? War es nur Einbildung, wird er verrückt oder gibt es etwa doch Übernatürliches in der Welt?

„Rabentot“ hat alles, was eine klassische Kriminalgeschichte nach Poes Manier ausmacht. Spannung und einen Hauch Übernatürlichkeit. Gepaart wird diese Mischung noch mit einer Prise Erotik und fertig ist der Sud aus der Heather Grahams paranormaler Thriller gekocht ist. Doch wer viel Thrill erwartet, wird enttäuscht werden, denn der Schwerpunkt liegt hier weitaus mehr auf klassischer Ermittlungsarbeit eines Privatdetektivs statt knallharter Schauer und Schrecken. Oft hat man das Gefühl, dass die Autorin versucht hat dem Erfinder der Detektivgeschichte gerecht zu werden, um dadurch die Grundthematik rund um Edgar Allan Poe zu verfestigen. Auch der Umgang mit Geistern und dem Paranormalen findet damit seinen Platz und fügt sich in die gesamte Handlung ein.
Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven. Es wird die Sicht von Joe eingenommen, dem selbstbewussten Ermittler, der einen Beschützerinstinkt gegenüber Genevieve hat und ein ruhiger, aber gleichzeitig bodenständiger Mann ist, dessen letzte Liebe bei einem Fall gestorben ist. Ein stereotyper Ermittler, der trotz allem nicht gefühlskalt ist, durchaus Schwächen hat und von seiner Struktur dem Bild des klassischen Privatdetektivs gerecht wird. Die andere Sicht ist die von Genevieve, einer starken Persönlichkeit und Frau, die ihr Trauma einer Entführung überwunden hat und keine Hilfe braucht, aber doch in ihrem Inneren verletzlich ist, auch wenn sie es nicht zeigen will.
Alles klare Figuren und typische Profile für einen Kriminalroman, die sich aber durch ein Detail unterscheiden: Sie können die Toten hören und hierin liegt das Interessante des Thrillers. Die Komponente mit dem Paranormalen, welche gleichzeitig auf einer emotionalen, ehrfürchtigen wie auch mit Angst betrachteten Ebene ist, macht den Roman lesenswert und den Fall interessant. Oft kann nur mit Hilfe dieser übersinnlichen Fähigkeiten die Ermittlung vorangetrieben werden, obwohl die Charaktere selbst nicht wahrhaben wollen, dass so etwas überhaupt möglich ist. Dabei wird keineswegs zu viel auf die Thematik eingegangen, so dass dem Leser Freiraum für seine eigene Gedankenwelt rund um das Paranormale in der Welt bleibt. Man bekommt keine speziellen Vorstellungen aufgedrückt, sondern nur die, die man auch in Poes Werken wiederfinden würde.
Der Schreibstil von Heather Graham ist nüchtern, nicht zu ausschmückend, aber durchaus emotional gestaltet, so dass auch die leicht erotischen Szenen angenehm und unterhaltsam gelesen werden können, ohne in zu viel Kitsch auszuarten und Klischees zu bedienen.
Die Handlung hingegen hat manchmal ihre Längen und man wünscht sich, dass sie endlich vorankommt und nicht ständig auf der Stelle tritt, obwohl dieses Gefühl oft aus eigener Ratlosigkeit über einen Verdächtigen resultiert. Schlussendlich mündet sie in einer Auflösung, die einen überrascht und in seiner Form nicht vorhersehbar ist. So wird der Thriller auf die ein oder andere Art - durch seine Motive - wiederum dem klassischen Detektivroman gerecht
Besonders interessant ist wie auf Edgar Allen Poe und sein Leben eingegangen wird. Es liest sich wie eine Hommage an den Schriftsteller und Erfinder der Kriminalgeschichte, so dass man auch etwas vom Leben des renommierten Autors und seinen Geschichten mitnimmt.

Fazit

„Rabentot“ erinnert an klassische Detektivromane à la Sherlock Holmes und hebt sich doch mit seiner Übernatürlichkeit und dem paranormalen Momenten ab. Insgesamt eine kleine Hommage an den Erfinder der Kriminalgeschichte Edgar Allan Poe und ein durchaus spannender, ruhiger und leicht erotischer Thriller von Heather Graham.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Hi,
    schöne Rezi! Ich habe es ähnlich gesehen. Für mich war "Rabentot" auch mehr ein Krimi als Thriller und hätte ab und an etwas temporeicher erzählt werden können. Aber insgesamt hat mir der Thriller auch richtig gut gefallen.
    LG Isabel

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    1. Obwohl für mich klar eine Absicht dahintersteckt, schon allein von der Figurenkonstellation her! Es ist Poes Konzept hinter diesem Thriller ;)
      Aber schön, dass wir einer Meinung sind!

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