Rezension: Dark Inside von Jeyn Roberts

05 Juli 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: Dark Inside
Verlag: Loewe
Format: Klappenbroschur
Seiten: 400
ISBN-13: 978-3785573969
Preis: 14,95 €

Das Böse ist im Menschen

Die Welt steht Kopf. Ein Erdbeben erschüttert die Welt und wirft sie ins Chaos. Menschen sterben, das Stromnetz ist zusammengebrochen und es gibt keine Kommunikationsmöglichkeit mehr. Die Menschheit steht vor einem Problem und dabei ist verlorener Komfort noch das geringste Übel. Leute bringen sich gegenseitig kaltblütig um als wären sie von einer Krankheit überfallen worden. Aber was ist passiert?
In dieser postapokalyptischen Welt gilt es nur noch zu Überleben, den bösen Menschen, die alles ausrotten, zu entfliehen und zu hoffen, dass man nicht selbst einer von ihnen wird. Vier Jugendliche gehören zu ihnen, die, die nicht ausrasten und versuchen am Leben zu bleiben
Mason wird aus dem Unterricht geholt, weil seine Mutter einen Unfall hatte. Sofort wird er ins Krankenhaus gefahren und muss miterleben wie seine Mutter stirbt. Doch nicht nur seine Mutter findet den Tod, sondern auch seine Mitschüler, die Opfer von einem Bombenattentat in seiner Schule werden. Eine Leere füllt ihn aus und er versucht nur noch zu überleben.
Aries sitzt in einem Bus als das Erdbeben losgeht. Sie hat es überlebt, doch viele andere Passagiere sind gestorben, mitunter auch ihre beste Freundin Sara. Aber ein Junge namens Daniel konnte ihr helfen und begleitet Aries an die vom Erdbeben wenig betroffene Schule, wo sie die Leute der Theatergruppe, unter der Führung ihrer Lehrerin Ms Darcy, trifft. Daniel ist einfach verschwunden und sie versucht mit den Anderen am Leben zu bleiben. Aber als kurz darauf die Lehrerin stirbt, müssen auch sie sich dem Grauen stellen.
Clementine wohnt einer Gemeindesitzung bei, als es plötzlich passiert. Auf einmal tauchen Leute auf und richten ein Blutbad an. Einzig Clementine konnte überleben, weil sie sich aus der Sitzung geschlichen hat, bevor die Gewalt sich Bahn brach. Doch auch sie schaut den Tod in die Augen, als sie draußen steht und sie sich nur durch einen wachen Moment ihres Gegenübers fliehen kann um schlussendlich mit den SUV abzuhauen und alles hinter sich zurückzulassen um ihren Bruder in Seattle zu finden, in der Hoffnung, dass er ihr helfen kann und das Erdbeben überlebt hat.
Michael findet sich urplötzlich auf der Straße mit einen ungeheuerlichen Ereignis konfrontiert. Ein Auto fährt absichtlich einen Motorradfahrer an, der tödlich ums Leben kommt. Michael und sein Freund mussten es grausam mit ansehen. Als die Polizei eintrifft um lautlich den Autofahrer zu stellen, sehen sie sich mit einer komplett anderen Situation entgegensehend. Die zwei Polizisten wollen nichts von ihnen wissen und schießen irrational um sich. Nur mit der Hilfe eines anderen Autofahrers, der Michael und sein Freund mitnimmt, können sie fliehen. Doch ihre Flucht hat noch nicht geendet.

In der Welt der Dystopien schaut es auf dem aktuellen Markt schon alles gegeben zu haben. Doch was Jeyn Roberts dem Leser präsentiert ist weitaus mehr als Einheitskost. Ihr Entwurf einer Trümmerwelt arbeitet mit den Abgründen der menschlichen Welt und findet viele Anleihen in der Psychologie und Philisophie. Was wäre wenn das Böse im Menschen plötzlich hervortritt? Es wäre ein Chaos, welches nicht mehr zu stoppen wäre und das macht uns die Autorin klar deutlich. Überall fließt Blut, Menschen sterben auf schlimmste Weisen und man ist nirgendwo in Sicherheit. Man rennt von einem Ort zum Anderen in der Hoffnung irgendwann den ganzen Wahnsinn zu entfliehen und endet doch wieder in der Menschenmenge um dem Tod von der Klippe zu springen.
So müssen auch die Akteure des Romans die Grausamkeiten überleben, ertragen und verarbeiten. Dadurch wird eine bedrohliche, unheimliche und beklemmende Atmosphäre geschaffen, die dem Leser dem Atem nimmt. Direkt wird man mitgenommen in diese chaotische Welt in der nichts mehr normal ist, nichts mehr so wie es einmal war. Die Spannung ist zum bersten wie das Glas, welches immer wieder zerbricht und man fiebert jede Seite mit, hofft auf Ruhe, hofft darauf, dass sie überleben und ist mit Leid und Überraschungen konfrontiert. Wer Helden sucht, ist fehl am Platz. Denn hier geht es schlussendlich nur ums Überleben. Vertrauen und Misstrauen stehen an der Tagesordnung. Ist der, der mir gegenüber steht, der, der er vorgibt zu sein? Man kann sich nie sicher sein und so verfallen auch die Charaktere in ein stetiges Abwiegen von Risiko, Reflexion und Intuition. Blanke Instinkte kommen zum Vorschein um den ganzen Wahnsinn einfach zu überleben und versucht stumpf sich auf das Wichtigste zu reduzieren.
Das ganze Spektrum an Gefühlen kommt zum Vorschein und Jeyn Roberts gelingt es, diese in Worte zu kleiden. Oft sind es gerade die körperlichen Eigenschaften, die die Autorin beschreibt und uns damit ohne tiefergehende Gedanken, die unzensierte Angst nahe führt. An jeder Ecke wartet man auf das Unausweichliche und als man sich in Sicherheit wiegt, kommt es doch zurück.
Dabei resultiert die Spannung viel durch die fünf verschiedenen Perspektiven. Vier davon bilden die Jugendlichen, die als persönliche Erzähler die Geschichte von außen betrachten und das Handeln und die zwischenmenschlichen Beziehungen geschildert werden. Dabei hat jeder seine eigene Gedankenwelt und Steine zu tragen. Die fünfte Perspektive hingegen wird mit „NICHTS“ tituliert und bildet einen starken Gegenpart. Das NICHTS tritt als Ich-Erzähler auf und erläutert in philiosopisch-psychologischer Manier über das Leben und über sich selbst. Was das NICHTS ist, bleibt unerwähnt, auch wenn dieses NICHTS eine starke zwiegespaltene Persönlichkeit hat, die immer wieder mich sich zu hadern scheint.
Aber gerade diese vielen Perspektiven führen zu Problemen. Denn die Charaktere sind nicht vielschichtig und tiefgründig ausgearbeitet, dass man mit ihnen richtig arbeiten kann. Es fehlt ihnen eine Stimme und sie sind nur an kleinen Nuancen zu unterscheiden. Sie ähneln sich zu sehr, so dass man sie als eher flach betrachten muss. Mitunter liegt es auch an den Schreibstil, der sich an die einzelnen Perspektiven nur wenig anpasst und somit wenig vom Inneren der einzelnen Figuren preisgibt, auch wenn über ihr altes und auch derzeitiges Leben berichtet wird.
Darunter leidet aber die Spannung nur wenig, so dass man durch die Seiten geradezu fliegt um sich vor dem Ende des ersten Bandes einer Dilogie vorfindet, welches einen hibbelig auf den zweiten Teil macht. Viele Fragen bleiben offen und die Schlussszene reißt einen die Augen auf. Ein Cliffhanger, der seinen Zweck auf Spannung-halten vollkommen erfüllt.

Fazit

Jeyn Roberts hat mit „Dark Inside“ den ersten Teil einer Dystopie-Dilogie hervorgeberacht, die einen durch ihren Ansatz vollkommen mitreist. Die Spannung ist so nervenaufreibend, dass einen der Schweiß an der Stirn steht und das innere Glas fast zu bersten droht. Mitreißend, atemberaubend, absolut spannend und keineswegs verniedlichend. Es ist kein Roman für seichte Gemüter, aber ein waschechter Pageturner und ein Auftakt für ein vielversprechendes Ende.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Toll, dass du wie ich nur 4 von 5 vergeben hast. Warum genau, konnte ich aus deiner Rezension jetzt nicht rauslesen, aber vllt gings dir da auch wie mir. In der Mitte war die erste Hochspannung dann teilweise abgeflaut und nicht mehr soooo fesselnd. Aber wie immer sehr schön sky-like :)

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  2. Ich hatte das Buch neulich im Laden in der Hand und hab es doch nicht mitgenommen. Nach deiner Rezi ärgere ich mich ein bisl darüber ;)

    LG Andrea

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  3. Hallo Sky,

    man was für eine schlimme Geschichte, scheint aber voll im Trend zu liegen entweder Liebe oder Katastrophe, da kann man z.Z. wählen im Jugendbereich lach. Andere Auswahl Fehlanzeige...

    LG..karin

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    1. Liebe oder Katastrophe, manchmal auch beides :D

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  4. Ich muss, dass auch noch lesen ;D

    LG Plumi

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  5. Eine sehr schöne Rezension. Ist dir wirklich gut gelungen. Jetzt habe ich nur noch mehr Lust, das Buch auch endlich zu lesen.

    Liebe Grüße, Diti

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  6. Ich werde es jetzt lesen, weil ich keinen Bock mehr auf Romantasy habe. Zumindest im Moment. Es ärgert einfach das immer das selbe passiert, deshalb werde ich mich jetzt bei diesem Buch versuchen xD
    Einen guten Gruß
    Annik von Les Bookmoiselles

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