Rezension: Die Rückkehr der Jungfrau Maria von Bjarni Bjarnasson

27 Juli 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: Endurkoma Maríu
Verlag: Tropen
Format: Gebunden
Seiten: 176
ISBN-13: 978-3608501223
Preis: 17,95 €

Wunder sind Wunder, weil sie Wunder sind

Michaels Vater war angesehener Theologe, der vor allem mit seiner Schrift „Die Rückkehr der Jungfrau Maria“ für Aufsehen gesorgt hat. Von seinen Träumen heraus, schrieb er über eine Frau, die als Reinkarnation der Jungfrau Maria auf die Erde kommen wird. Doch seine Schrift findet nicht nur Anhänger, und bald wird sie als Irrsinn deklariert und verschwindet in der Versenkung.
Als Michael, dessen Vater mittlerweile verstorben ist, mittlerweile für den Zirkus arbeitet, findet er das Manuskript seines Vaters wieder und begegnet Maria, ohne Kleidung und voller Schönheit und hilft ihr aus ihrer Misere. Sie wird seine Assistentin bei seinen Zaubertricks, auch wenn sie kein Spiegelbild besitzt. Auch sonst scheint Maria nicht zu existieren. Alles Geschriebene, alle ihre Personalien sind plötzlich leer und nicht ausgefüllt und zu allem Überdruss wird sie noch als größte Stipendienbetrügerin gesucht. Besonders ein Bischof hat es auf sie angesehen und zweifelt an Maria mit aller Kraft. Aber, was Maria wirklich ist... ist ein Wunder.

Bjarni Bjarnasson schafft ein irrwitziges Werk über Religion und Glauben und die Wunder in der Welt, in dem man sich verliert um aus einer Vision wieder aufzuwachen.
Denn „Die Rückkehr der Jungfrau Maria“ ist aufsehend erregend, nicht nur für den Leser. Sinnlich und in einem visuellen Rausch gefangen, liest man über die alles überschattende Gestalt, dessen Identität aus dem Bücher der Regierung verschwunden ist und bildet eine Menschen der vor Liebe für die Welt nur sprüht. Dabei sehnt sie sich genauso nach Liebe und findet sie in Michael, der sie berühren kann, weil er sie mit dem Herz berührt.
Und hinter all der Symbolik steht ein tiefer Gedanke über die Wunder der Erde. Denn Maria wird angezweifelt, weil sei nicht erklärbar scheint. Nur sind Wunder nicht immer greifbar, fundiert auf Papier zu bringen, und müssen sie genommen werden wie sie sind: Als Wunder, als Anomalie, als etwas, was schön ist, beeindruckt und verzaubert zurücklässt. Und die Wunder ziehen sich immer weiter, finden sich in Parabeln zur Menschlichkeit wieder, über das Glauben an sich und andere und strahlt dabei eine auslegbare Lektüre aus, die für jeden etwas beherbergt. Speziell auch dadurch, dass der Autor ohne Prüde an Religion und Wunder herangeht und die Glückseligkeit auch auf eine sexuelle Ebene hebt. Glück stellt vielmehr einen Zustand da und nicht eine kurze Gefühlsphase.
Der Protagonist, der alles erzählt und über seine Begegnung mit der Jungfrau Maria spricht, ist herzerwärmend und lässt auch einen selbst denken, in wie weit Liebe gehen kann, in wie weit die Welt nicht die wirkliche Wahrheit über das eigene Glück erkennt. Auch die anderen Charaktere sind ehrlich, lebendig und nachvollziehbar, auch besonders durch ihre skurrile und einzigartige Art, die aus jeder Figur etwas Eigenständiges macht. Es entstehen spezielle Konstellationen durch ungewöhnliche Menschen, die alle selbst auf der Suche nach der Zufriedenheit sind.
Die Sprache ist dabei unterschiedlich und gekonnt platziert. Mal parabelhaft bei Marias Erzählungen über die Eule und die Drossel, mal poetisch und metaphorisch und dann doch auf seine Art ernst und geradlinig. Und all die Unterschiede braucht der Roman um sein Spektrum abzudecken und seine Phantasie durchleuchten zu können. Die Bilder dringen in einen ein und bringen die Lebendigkeit hervor, die Maria auch in des Leser’s Herz schleichen lässt und es bis zur letzten Seite bleibt.
Es findet sich alles in einem Ende ein, welches nochmal alles deutlich macht. Wunder, falsche Vorstellungen und Liebe. Wunder sind Wunder, weil sie Wunder sind und nicht etwas, was man erklären kann. Allein der Glaube, macht sie zu Wundern und bringt uns das Glück an unsere menschliche Haustür, zur Umarmung, weil wir die Wahl haben uns selbst zu bestimmen. Etwas wird schön, wenn man es nimmt wie es ist, und nicht den Sinn dahinter sucht.
All das steckt in diesem kleinen Werk und liest sich wie ein wunderschöner Traum, der auch negative Seiten haben kann. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten und Zweifel.

Fazit

Bjarni Bjarnasson hat mit „Die Rückkehr der Jungfrau Maria“ ein Werk voller Menschlichkeit, Poesie und Wunder geschaffen, welches mit farbenfroher Sprache, zu einem kleinen Meisterwerk wird. Ein tiefsinniges Werk mit Allegorie und der Fähigkeit den Leser zu berühren. Intelligent und einzigartig!

★★★★★

Kommentare:

  1. Hallo Sky,

    ja Du bist wirklich ein Völlhorn für immer wieder ungewöhnliche-und interessante Bücher.

    Nur der Preis fällt schon ganz schön bei diesem Buch aus dem Rahmen oder?

    LG..karin...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich stolper halt immer so darüber :) Außerdem steht der Tropen Verlag für außergewöhnliche Literatur, leider nicht immer ganz billig, weil es ja nicht umbedingt massenkompatibel ist...

      Außerdem ist die Übersetzung ins Isländische ein wenig teuer (gibt's ja auch nicht bei allen). Dafür sind die Bücher top verarbeitet und sehr gut gebunden. Die sind noch gebunden und nicht geklebt! :D

      Aber ja... der Preis ist schon wirklich nicht schlecht... muss ich zugeben.

      Löschen
    2. Hallo Sky,

      O.K. dass wäre immerhin ein Argument wie der Preis für diese Buch zu Stande kommt!!

      LG..karin...

      Löschen