Rezension: Todesgeil von Bryan Smith

17 Juli 2012 |

Zum Buch

Originaltitel: The Killing Kind
Verlag: Festa
Format: Taschenbuch
Seiten: 352
ISBN-13: 978-3865521347
Preis: 13,95€

Gothicgirl mit Mordlust

Als Rob das attraktive Gothicgirl Roxie sieht, gehen mit ihm die Gedanken durch und auch das Gothicgirl haut mit ihm ab. Mit seinen vollgetankten Galaxie wird er von ihr entführt, als Geisel und Chauffeur gleichermaßen. Mit der Knarre im Anschlag und mit Handschellen ans Auto gekettet, soll er eine Gruppe junger Menschen folgen, mit denen sie eine Rechnung zu begleichen hat. Und das Schlimmste: Er wehrt sich nicht einmal. Er denkt sogar an Sex mit ihr und seine Mitfahrerin weiß es ebenso. Doch die Fahrt entwickelt sich immer mehr zu einen Roadhorrortrip, derer Gewalt er sich nicht mehr entziehen kann. Denn Roxie bringt willkürlich Menschen um, weitaus schilmmer als er es sich in seinen Albträumen ausgemalt hat. Unfreiwillig wird er ein Teil der Gewaltexzesse, muss sich mit ansehen und findet sich einen Mischung auf Faszniation und Ekel wieder.
Julie ist besessen von Tatortfotos und Dingen ähnliches Schlages. Doch als sie bei der Familie eintrifft, wo sie Babys sittet, findet sie nicht nur den Ehemann Tod auf, mit dem sie gerne in Bett gestiegen wäre, sondern auch der Rest der Familie. Brutal ermordet von zwei perversen Serienkillern, die sich noch im Haus aufhalten und an den Leichnamen vergehen. Aber statt zu fliehen, bricht sich etwas völlig anderes in ihr Bann...

Um diesen Thriller zu lesen, braucht es ein paar Voraussetzungen, damit man den Horror und das Grauen, was einen mit jeder Seite entgegenschlägt, verkraftet: Einen starken Magen, eine starke Psyche und vor allem viel Mut. Denn Bryan Smith serviert feinste Slasher-Kost, drapiert und garniert mit allen, was die tiefschwarze menschliche Seele hergibt.
Denn der Autor gibt sich nicht mit klassischen Klischees zufrieden und lässt jegliche Moral und Anstand in diesem Buch komplett wegfallen. Frauen, die sich am Morden und der Qual ihrer Opfer ergötzen, Männer, die sich an Leichen vergehen, sexuelle Ausflüge jeglicher Art und noch vieles mehr lassen den Leser mit aufgerissenen Augen und noch mulmigeren Gefühlen zurück.
Dabei ist die Grundidee nicht so unüblich wie es scheint: Ein Mädchen, was Rache nehmen will. Doch dieser oberflächliche Plot und die Tour de Mord, die sich einen entgegenschlägt, münden in weitaus tiefere Abgründe, wie man zunächst vermutet und treiben einen durch den Hochspannungsthriller.
Die Charaktere machen viel bei der Spannung aus. Facetten, die man anfangs vermutet, werden später relativiert und auch entwickeln sich die jeweiligen Figuren so stark zueinander, miteinander und gleichzeitig voneinander, dass man schier erstaunt ist, wie der Autor dabei noch Authentizität zwischen all den Wahnsinn schafft. Jede Person hat seinen eigenen Kampf, charakterlichen Schwächen und Stärken wie auch Abgründe und das macht sie alle zu vollwertigen Figuren. Durch diese Greifbarkeit erscheint der gesamte Thriller noch perfider und düsterer als er schon allein von den brutalen Szenen her ist.
Der Aufbau greift genau bei diesen Charakteren an und lässt jeden seinem Raum durch seine eigene personale Perspektive. Der Schreibstil passt sich an den jeweiligen Kopf an und bringt Gedanken zu Tage, die man einerseits fürchtet, nachvollziehbar sind und vor allem damit die Persönlichkeit der jeweiligen Figur prägen. Die jeweiligen Handlungsstränge, die aufgeworfen werden, verdichten sich dabei immer mehr. Jeder einzelne Faden trägt zur Zugkraft bei, bis es sich zum Seil entwickelt, dass einen mitreißt. Dadurch entsteht ein starkes Ensemble, welches sich bis zum Ende hin entwickelt und erst mit der letzten Seite auch damit aufhört.
Die Handlung gliedert sich in diesem Konzept nahtlos ein und wird im Zeitraum einer Woche erzählt, die durch verschiedene Zeit- und Perspektivwechsel zu ihrem Ganzen findet. Bewusst wird man anfangs komplett ratlos gehalten und es drängt sich die Frage "Warum?" auf. Warum diese Szene existiert? Warum es so geschieht? Warum er und kein Anderer? Manche werden niemals einen Grund haben, was die Angst noch weiter anpeitscht, andere hingegen fügen sich zum Schluss ein, der alles noch einmal hervorbringt.
Aber bis zum Ende muss man es schaffen und hier wird es bei „Todesgeil“ schwierig. Das gesamte Konzept des Thrillers ist so dicht und teilweise psychologisch, dass man schier Angst vor dem Lesen bekommt. Der für das Genre wirklich sehr gute und vor allem wandelbare Schreibstil, tut dann sein übriges. Oft muss man es beiseite lesen und nicht wahnsinnig zu werden, zwischen all den brutalen, sadistischen, gnadenlosen und oft auch pornographischen Stellen, die in einem normalen Menschen Ekel und Abscheu hervorrufen. Manchmal ist es schier zu viel für die Psyche und den Magen und dadurch wird „Todesgeil“ zu einer leserlichen Mutprobe für Magen, Psyche und vor allem die Moral in einem.
Dieses zu viel, äußert sich leider auch in der Handlung, die durchaus logisch durchgezogen wird, aber oft zur starken Zufälligkeit abschweift und Spannung nimmt. Speziell am Ende hat man die Probleme manches Szenario sich so vorstellen, wie es einen aufgetischt wird. Zu viele Zufälle und manchmal auch leichte Brüche in der Logik manches zu manches feste Gerüst in der Handlung etwas wackelig.
Trotz allem wird man am Ende gleich mehrmals überrascht, auch wenn sich im Laufe des Thrillers abzeichnet, wie die verschiedenen Handlungsstränge sich zusammenfügen, und die Frage von Schuld und Sühne stellt sich auf ganz eigene Art in den Raum. Ein fulminanter Schluss, der auch bis zum Ende mit nichts spart.

Fazit

Mit „Todesgeil“ bricht Bryan Smith moralische Vorstellungen und Horrorthrillerklischees gekonnt hindurch und schafft eine dichte und rasante Handlung, die eine Mutprobe für Magen und Psyche darstellt. Ein Albtraum von Thriller, der in noch größeren Albträumen endet. Ein Thriller mit monströser Psychologie, der nicht nur einen leichten Schauer auslöst, sondern eine ganze Flut. Verstörend und faszinierend zugleich. Wer es aushält und sich traut: Lesen!

★★★★☆

Kommentare:

  1. Oh das Buch lesen im Moment sehr viele.. ich glaub ich muss es auch haben :-))

    PS: z.Z. wird irgendwie "getaggt" zu einem immer anderen Thema. Schau doch mal bei mir vorbei, du bist eins meiner Tag-"Opfer". Wenn du nicht willst einfach Bescheid sagen dann nehme ich es wieder raus.. will ja nicht spammen :-)

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  2. Danke für deine liebe Nachricht! Es freut mich, dass dir das, was ich schreibe, so gut gefällt. Das kann ich nur zurück geben (und nicht, um Freundlichkeit zu heucheln, denn schließlich habe ich dir das hier schon mal geschrieben..) - du hast zurecht 'lediglich' die beiden letzten Bücher meines Gewinnspiels angepriesen. "Das göttliche Mädchen" habe ich unangefordert vom Verlag bekommen und schon vorher an drei, vier eindeutige Rezensionen von Bloggern, deren Meinungen mir viel wert sind, gemerkt, dass ich es nicht lesen möchte. Nach einem obligatorischem Blättern habe ich mich dann dazu entschlossen es zu verlosen ... ;) - wegschmeißen mag ich so etwas dann doch nicht, und verschenken - wenn es vom Verlag als Leseexemplar kommt - auch nicht. Mh..

    Liebe Grüße

    Jimmy

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    1. Ja gut, da hast du natürlich recht. ;)

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  3. Hallo Sky,

    nun da hast Du, aber mal wieder eine wirklich abgefahren Geschichte/Roman an uns Leser gebracht. Alle Achtung welche Tabubrüche der Autorin Byran Smith da so angeht.

    Ob ich, dass auch wie Du wirklich lesen möchte bezeichne ich mal mit???

    LG..Karin...

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    1. Du weißt doch, ich lese ungewönlich, gerne mal hart, gerne mal komplett anders :)
      Macht meinen Blog ja auch aus ;)

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    2. Hallo Sky,

      ja das stimmt!! Deshalb schaue ich auch gerne jeder(fast) Woche
      bei Dir vorbei.

      Schönes Wochenende schon mal.

      LG...karin...

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  4. klingt total toll
    -- ab auf den Wunschzettel=)

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