Rezension: Ava und die STADT des schwarzen Engels von Andreas Dresen

27 August 2012 |

Zum Buch

Verlag: Acabus
Format: Taschenbuch
Seiten: 200
ISBN-13: 978-3862820023
Preis: 12,90 €


STADT-Reihe

1. Ava und die STADT des schwarzen Engels
2. Samson und die STADT des bleichen Teufels

Eine Stadt. Eine STADT. Zwei Welten. 

Sein letztes Abenteuer war alles andere als glorreich und er kann eh nicht viel solchen Dingen abgewinnen. Für den Schwertler Fahrat ist der Wein weitaus einsichtiger als sich in Abenteuer zu stürzen. Doch manchmal bleibt einen keine andere Wahl und die Ehre, ein Schwertler zu sein, muss schließlich auch gehalten werden.
Denn, wenn ein Golem durch die Stadt spaziert, ist es selbst für eine Welt magischer Wesen ein ungewöhnliches Ereignis. Nur wenige haben die Kraft einen solchen zu erschaffen. Die Menschheit um ihn herum kann ihn nicht sehen, sie sind sich nicht bewusst, welche Welt in ihrer Stadt schlummert, welche Wesen bei ihnen nebenan wohnen. Sie ignorieren es.
Er folgt den Golem, bringt ihn zu Fall und stößt auf eine Frau, die eigentlich dieses Wesen nicht sehen sollte. Doch die Menschenfrau Ava sieht die STADT, die neben der eigentlichen Stadt herrscht und wurde von ihrer Welt als geisteskrank erklärt. Sie sucht ihre zwei neugeborenen Kinder, gestohlen von einem schwarzen Engel. Aber niemand glaubt ihr.
In Fahrat schrillen die Alarmglocken: Was will der Vizekanzler des STADTrates von Ava? Hat er wirklich etwas mit den verschwunden Kindern zu tun?
Fahrat nimmt sich ihrer an und gerät tiefer in eine Welt aus Lügen, Schein, kuriosen Gestalten und gerät ins Fadenkreuz des Vizekanzlers. Es zählt nur noch eins: Die Kinder zu finden, die das Schicksal der STADT bedeuten.


Die Fantasyliteratur hat es nicht mit Kurzatmigkeit, ist ausschweifend und voller Seitenwälzer. Wenn ein Roman eine kurze Länge hat, ist es eine Seltenheit und gleichzeitig eine Kunst, ein Reich in wenigen Seiten zu erschaffen. Andreas Dresen schafft es trotz allem sein Universum in wenige Seiten zu packen. Er bringt bekannte Elemente aus der Fantasy, mit Mythologie und Sagengestalten zusammen und lässt sie auf den Alltag treffen. Neben der eigentlichen Stadt, die der Mensch wahr nimmt, ist eine STADT vorhanden, die der Mensch nicht sehen will. Eine Welt voller Magie, voller ungewöhnlicher Kreaturen. Und dabei flechtet er die Geschehnisse, die für den Menschen nicht sichtbare Welt, in die Normale hinein, erklärt sie mit den alltäglichen Kuriositäten, denen wir täglich begegen. Ihm gelingt eine Plausibilität die einen verwundert und lässt die STADT entstehen, trotz der kleinen Seitenanzahl.
Ohne viele Ausschweifungen bringt er die Handlung auf den Punkt, konzentriert sich auf einen Handlungsstrang und lässt sie linear ablaufen. Sprachlich auf das Wesentliche beschränkt, mit Witz gespickt, schreibt Andreas Dresen punktiert und lässt die Dinge so stehen wie sie sind. Es hat etwas von Tatsachenbericht ohne dass Spannung verloren geht. Denn trotz der Minimalisierung des Aufbaus, lebt die Handlung durch ihre Eigenständigkeit und treibt einem voran.
Aber das Problem an wenigen Seiten ist der geringe Platz. Es bleibt oft bei Oberflächlichkeiten und die Tiefen der STADT werden für den Leser nicht immer klar. Im Kuriositätenkabinett möchte man verharren, es genauer betrachten und man wird doch weitergeschoben. So fühlt sich auch die Handlung an: Oft ist man schon einen Schritt weiter als man gedanklich folgen kann. Man wird gedrängt und möchte für ein paar Takte stehen bleiben um sich über vieles klar zu werden. Man möchte mehr über das Paralleluniversum erfahren und bekommt doch nur eine Fülle an Fakten, denen es an weiteren Erläuterungen fehlt, obwohl es dem Roman an Ideenreichtum nicht mangelt.
Diese Problematik zieht sich durch den gesamten Roman: die Charaktere sind vielschichtig, können aber ihr Potenzial nicht ausschöpfen und wirken dadurch schlicht, den phantastischen Elemente fehlt es an Genauigkeit und Tiefe, die Handlung läuft wie im Zeitraffer. So gewinnt die Geschichte eine Art Kurzgeschichtencharakter, der in manchen Punkten eher schadet auf dieser Länge. Der Roman hätte das Potenzial, mehr aus sich zu machen, wird aber gehemmt durch seine Schnelligkeit.
Schlussendlich endet der Roman spannend, wartet aber mit wenig Überraschungen auf. Die lineare Handlung zieht sich hindurch, ohne vom Plan abzuweichen, und nichtsdestotrotz unterhält sie einen. 


Fazit

Ein interessantes Weltenkonzept in einem Roman mit Schwächen. Ein solides Debüt von Andreas Dresen, welches Potenzial zu mehr gehabt hätte und beweist trotz allem: Fantasy in Kurzformat funktioniert. Kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch.

★★

Kommentare:

  1. Danke für die Rezi! Das Buch hört sich interessant an, ich werde es auf jeden Fall im Auge behalten.

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  2. Super Rezi :)
    Das Buch ist auf meiner Wunschliste, wann und ob ich es kaufen werde wird sich irgendwann rausstellen :D

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