Rezension: Fifty Shades of Grey von E. L. James

12 August 2012 |

Zum Buch

Dt. Titel: Shades of Grey. Geheimes Verlangen
Verlag: Vintage
Format: Taschenbuch
Seiten: 528
ISBN-13: 978-0345803481
Preis: $15.95 U.S.

Fifty Shades Trilogy

1. Fifty Shades of Grey
2. Fifty Shades Darker
3. Fifty Shades Freed

Anmerkung: Nur für erwachsenes Publikum

Schmerz, Sex und Grauschatten

Als Katherine, ihre Freundin und Mitbewohnerin, aus Krankheitsgründen das Interview mit Christian Grey, einen jungen, attraktiven Großunternehmer, nicht führen kann, springt Anastasia Steele für sie ein. Eigentlich Literaturstudentin und bemüht für ihr Abschlussprüfungen zu lesen, fährt sie unvorbereitet nach Seattle und findet sich Mr. Grey entgegen, dessen Bann sie sich nicht mehr entziehen kann. Er ist der Einzige, in dem sie sich jemals verliebt hat. Er ist etwas Besonderes für sie, etwas von dem sie sich nicht mehr lösen kann, aber gleichzeitig verboten für sie ist. Denn Christian Grey ist ein schwieriger Mensch, voller Geheimnisse und dunkler Gelüste, voller „Grauschatten“. Er macht nicht Liebe, sondern Sex und in seinem Apartment gibt es den „Roten Raum des Schmerzes“ um seine Dominanz und Kontrolle zu befrieden. Seine tiefe Leidenschaft und sein bossartiges Auftreten machen es für Ana… doch sie scheint hoffnungslos verloren in seinen Armen.
Der Roman beginnt wie ein Liebesroman, steigert sich in fesselnde Erotik und hat dabei Handlung zu bieten, deren Tiefe man zuerst nicht so erwartet. Denn hinter dem Phänomen „Fifty Shades of Grey“ steckt weitaus weniger SM und BDSM als einem in den Medien vorgegaukelt wird, sondern vielmehr eine Liebesgeschichte mit einem gewissen sexuellen Kick.
Als Fan-Fiction zu Twilight angefangen, hat sich der Roman zu etwas eigenständigen entwickelt, obwohl die Ähnlichkeit zur Vorlage unübersehbar ist. Christian Grey, ein Mysterium, ein verschlossener Mensch, ein Kontrollfreak, ein Mensch, der eine dunkle Vergangenheit besitzt und Geheimnisse in sich trägt, die Anastasia herausfinden will, die sie anziehen. Ein Mann, der mehr Geld hat als sie sich träumen lassen kann, der sie verwöhnt, der nur sie will, voll und ganz, obwohl er weiß, dass er nicht gut für sie ist. Umwerfendes Aussehen, Charme, aber gleichzeitig launenhaft und unergründlich. Edward Cullen in neuen Rahmen.
Im Gegensatz dazu haben wir Anastasia. Der Literatur verfallen, ein braves Mädchen, tollpatschig, emotional und sie hat nie richtig geliebt. Bis sie auf Grey trifft, der einzig Wahre in ihrem Leben, der sie entführt und der ihr Inneres aufrüttelt. Naiv und blindäugig läuft sie hinein in eine Beziehung, in der sie mit ihrem Unterbewusstsein, welches skeptisch gegenüber der neuen Situation ist, und mit ihrer „inneren Göttin“, die lustvoll sich nach dem Neuen sehnt, hadert. Sie stecken in ihrem Kopf und dadurch wird ein Zwiespalt gebildet über was sie will, was sie tun kann und wie weit sie sich traut zu gehen. Belle Stewart, mit etwas anderer Art und noch größere Naivität, die einfach alles mit sich machen lässt, geblendet von Christian Grey.
Die aber doch toughe, unnachgiebige Anastasia trifft nun auf den dominanten Christian und beide können die Finger nicht mehr von sich lassen, speziell nach Ana’s Entjungferung. Denn sobald ihre Sexualität mal geweckt ist, bekommt sie nicht mehr genug und treibt es wild und vielfältig mit ihm. Immer im Hinterkopf, dass er, der dominante Part, und sie, der devote Part sein, sein soll, was sie immer wieder in Konflikte bringt. Sie zweifelt daran, ob sie so ent(ge)fesselt sein will, was ihre Eigenständig hervorbringt und zeigt wie ihre eigenen sexuellen Grenzen erforscht und manchmal überschreitet.
Wobei im Roman das Spiel von SM und BDSM, von Dominanz und Ergebenheit seltsame Rahmenbedingungen hat, die so normalerweise nicht üblich sind. Man merkt, dass sie Autorin nicht rein von dieser Welt ausgeht, sondern eine sexuelle Phantasie erschaffen wollte und nicht eine realistische sexuelle Beziehung in einer von Sadomasochismus und Bondage geprägten Beziehung. E. L. James hat schlicht einen erotischen Traum geschaffen, der jede Frau (und auch Mann) anspricht. Der reiche, charmante, gutaussehende Milliardär nimmt die kleine aus einfachen Verhältnissen stammende Literaturstudentin… nicht nur in seine Arme, sondern auch in jeder Lage, mal zärtlich, mal härter oder mal auf eine ganz Ebene. Darüber muss man sich im Klaren sein, wenn man dieses Stück Erotik liest, sonst verkehrt sich Unterhaltung in Frust, die „Fifty Shades of Grey“ nicht immer verdient. Handlungstechnisch ist der Roman nämlich durchaus spannend und vergnügt einen die Stunden.
Und vor allem die Handlung steht im Vordergrund und nicht die Sprache. E. L. James neigt zu überproportional vielen Wortwiederholungen und kurzen Passagen um ihre Geschichte voranzutreiben. Nichts ist zu ausschweifend oder vertiefend und auch die Sprache hebt sich nicht besonders hervor. Man wird enttäuscht von der einfachen Wortwahl und teilweise auch von der Art der Charaktere. Es fehlt an Variation und vor allem zeitweise an Plastizität der Figuren, obwohl sie durchaus lebendig gestaltet sind. Die Sexszenen sind aber nicht blumig oder ohne jegliche Fokus, sondern in einer erotischen Sprache verpackt, die Platz für die eigene Phantasie lässt um sich vollends dem eigenen Bildern hingeben zu können. Auch wenn hier die immer gleichen Worte nicht ausbleiben und man sich kräftigeres Vokabular wünscht.
Doch wie lebendig sie auch sind und die Stunden durch die ungewöhnliche Beziehung von Christian Grey und Anastasia Steel versüßt werden, sind sie doch sehr klischeehaft und es fehlt ihnen an Originalität. Es ist das typische Rollenspiel vom Adoptivsohn einer reichen Familie, der einen Schmerz in sich trägt und diesen kompensiert durch seine Lust. Gleichzeitig haben wir die Schöne, die an ihrer Schönheit zweifelt und glaubt nicht genug für den übermächtigen Mann zu sein. Klischeebilder, die im gesamten Roman nicht durchbrochen werden und dessen Muster immer gleich sind.
Abschließend wartet der Roman mit einem Cliffhanger auf, der gleichzeitig genauso zu Twilight gehören könnte wie auch viele Teile des Romans, der vor allem Anreiz zum Weiterlesen gibt. Trotz den Schwächen überwiegt die Unterhaltung und schlussendlich ist der Roman nicht ein realistisches Machwerk, sondern eine sexuelle Wunschphantasie. Und das bringt der Roman gekonnt herüber, auch wenn sich bestimmt bessere Werke solcher Art finden mögen und weitaus härter, sexuell fundierter und sprachlich ansprechender. Denn wir große SM oder BDSM-Sessions erwartet, kann darauf warten, denn sie werden nicht kommen. Warum der Roman in einer solcher Richtung getrieben wird, ist fraglich, denn das typische Bild von SM gibt es hier nicht, sondern es ist hier eingeschränkt und auf einer anderen Ebene, wie es üblicherweise ist. Es ist mehr eine abgeschwächte Form, derer Ausmaße absehbar sind.

Fazit

„Fifty Shades of Grey“ ist ein spannender Auftakt einer Erotiktrilogie, dessen Parallelen zur Twilight-Saga von Stephenie Meyer unübersehbar sind. Sprachlich eine reine Wiederholung, mit klischeehaften Charakteren behaftet und mit einer Handlung, die durchaus Gefallen findet. Eine erotische Phantasie, die schlicht auf Realismus verzichtet, aber gerade dadurch unterhält: Leichte und schlichte Kost für das Bett, die nicht so schlecht ist wie sie gemacht wird.

★★★☆☆

Kommentare:

  1. Erstens: Heißt es "Stephenie Meyer" und zweitens tuts mir in der Seele weh, wenn das mit Twilight verglichen wird :D
    Nein jetzt mal ehrlich. Toll beschrieben, bin der gleichen Meinung wie du und wieder mal hab ich viel von "Sky" bekommen :)

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    1. Also bitte. Es ist UNÜBERSEHBAR. Außerdem soll es ja eine Fan-Fiction sein :D Und stimmt... ich dachte ich hätte sie richtig geschrieben. Ausgebessert! Danke für den Hinweis.

      Es gibt noch mehr Sky unc Grey :D Also grey sky (schlechter Witz). Die anderen beiden Teile werden demnächst so nebenbei mal gelesen. ;)

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  2. Endlich ist sie da, ich hab ja schon die ganze Zeit drauf gewartet. :) Also keine Ahnung obs Ähnlichkeiten gibt. Twilight hab ich nie gelesen und werds auch nie tun :D
    Aber, deine Meinung vom Buch ist schon genau so, wie ich sie auch hatte. Und Dani auch, wir haben das Buch ja sozusagen "zusammen" gelesen. :)

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    1. Doch... und man merkt wirklich, dass es eine Fan-Fiction ist... Er spielt ja sogar Klavier, fühlt sie wie ein "Monster" und so weiter... also ist schon sehr ähnlich :D

      Ja, hab eure Rezensionen gelesen. Da sind wir uns einig! :D

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  3. Das ist ja mal ein ganz interessanter Vergleich: Twilight und Shades of Grey - wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, das miteinander zu vergleichen.
    Ich finde deine Rezi echt gelungen :-)
    LG Bine
    http://bines-buecherparadies.blogspot.de/

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  4. "Nur für erwachsenes Publikum" Aha? :D *scrollt runter*
    Uah, Englisch! *scrollt weiter runter*
    Na also, schon wieder kriege ich Minderwertigkeitskomplexe wegen deiner Rezi! o.o
    Ich mag diese Rollenverteilung wie zum Beispiel in diesem Buch gar nicht so sehr :/ "Haaach, er sieht sooo toll aus, aber ich bin doch viel zu hässlich für ihn". Öhm? Da denkt ja jemand überhaupt nicht oberflächlich? :D Ich weiß nicht, andererseits kann man das ja auch verstehen, denn vielleicht schüchtert er sie ja wegen seiner "Schönheit" (ich finde, es gibt verschiedene Arten von Schönheit, nur wissen das anscheinend nicht alle ._.) ein.. *grübel* Auf jeden Fall bin ich bei so einer Rollenverteilung immer total skeptisch^^ Ich habe schon mitbekommen, dass die schlimmsten Szenen immer brav von den Medien rausgepickt worden sind :D Aber ich habe von einer Bloggerin von der Tampon-Szene erfahren.. schon etwas strange o.O :D

    So, ich habe mich wieder an meine Rezi-Entwürfe getraut, vielleicht mache ich jetzt mal weiter...

    Ich wünsch dir noch einen schönen Tag! :) (bei uns scheint die Sonne! :o)

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    1. Naja, ganzu so einfach ist es nicht in dem Buch, aber man hat doch dieses Traumtypfeeling wie bei anderen Roman dieses Kalibers. Er ist so schön, so wunderbar, so verboten und so weiter....
      Ja, die Tampon-Szene ist nicht ganz so toll. Aber auch nicht so dramatisch wie man immer tut.

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  5. Eine sehr gute Rezension zu dem Buch. Einige Dinge sehe ich ähnlich und bin doch recht gespannt was du zu den Folgebänden schreiben wirst.
    Im gesamten bin ich doch recht angetan von der Reihe, trotz zahlreicher Schwächen. Den Twillightvergleich (Fan-Fiction)hab ich im ersten Band, außer Kleinigkeiten weniger gesehen (oder wohl drüber weggeschaut). In Band 2+3 wurde es dann doch zunehmens deutlich. Also kannst du dir bestimmt schon denken, was da noch kommen mag...

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    1. Doch, finde ich schon... dann weiß ich ja schon wie es weitergeht, wenn es tatsächlich so bleibt :D Naja, aber gut zu lesen ist es trotzdem... was ich so seltsam daran finde. Man mag es, obwohl es eigentlich nicht so überragend ist :)

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    2. "Man mag es, obwohl es eigentlich nicht so überragend ist :)" Ich nicke zustimmend mit dem Kopf.

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  6. Hallo Sky,

    nicht jedermanns Geschmack, aber man kann viel darüber diskutieren!

    Ich würde noch gerne den Vergleich mit 9 1/2 Wochen mitein bringen, auch ne Sache mit klaren Rollenverteilungen am Anfang.

    LG..Karin...

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    1. Dafür hab ich zu wenig Ahnung vom Film... und Twilight ist doch näherliegend, weil es ja anfangs als eine Fan-Fiction geschrieben wurde. ;)

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  7. Hallo Sky,

    ist ein Film mit Kim Bassinger aus den guten 80er. Mit Sex in allen möglichen Varianten körperlich, seelisch usw.
    Damals ein ziemlicher Aufreger so jetzt wie dieses Buch auch.


    LG..karin..

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  8. ich finde manche Cick-lit (?) Story langweiliger, weil immer die Emanzipation der Frau celebriert wird. Hier haben wir eine klassische Rollenverteilung und man kann sich wunderbar darin suhlen. Ich mag den Schreibstil sehr, weil er so leicht ist. Und Christian ist charismatisch xD

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  9. Hallöchen,
    ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezi auf meinem Blog verlinkt habe :)

    Viele liebe Grüße
    Nelly von Nellys Leseecke

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