Rezension: Kalteis von Andrea Maria Schenkel

08 August 2012 |

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Verlag: btb
Format: Taschenbuch
Seiten: 192
ISBN-13: 978-3442738007
Preis: 7,00 €

Die kalte Seite Münchens

Kathie will raus aus ihrem Dorf. Ihr Vater will schließlich auch, dass sie ihm nicht mehr auf der Tasche liegt und sie selbst sich ein Leben aufbaut. Darum fährt sie nach München und will ein neues Leben beginnen. Doch nicht als eine Dienstmagd, sondern etwas viel besseres, etwas, wovon sie leben kann. Am besten wie ihre neue Bekanntschaft Mitzi, der alles von ihrem Verlobten gezahlt wird.
Zur gleichen Zeit läuft eine Mordserie im München der 1930er Jahre. Frauen werden vergewaltigt, umgebracht und verstümmelt...

Mit „Tannöd“ hat Andrea Maria Schenkel große Resonanz erreicht und legt mit „Kalteis“ nach. Und sie bedient sich demselben Aufbaus wie bei ihrem Debüt: Realer Hintergrund, durchmischt mit Fiktion. Schon die Erzählweise knüpft an „Tannöd“ an: Die Geschichte wird in verschiedenen Perspektiven erzählt, die wie Zeugenvernehmungen gestaltet sind und je nach Perspektivträger in erster oder dritter Person geschildert sind. Dadurch wird dem Leser ein umfassender Blick zwischen innerer und äußerer Reflexion der Figuren gegeben, wie sie gesehen werden und sie tatsächlich sind. Dabei steht oft im Zentrum ein Perspektivträger im Wechsel mit der einseitigen Vernehmung von Joseph Kalteis und einem auktorialen Erzähler.
Der Schreibstil ist geprägt von hauptsächlich kurze Satzstrukturen, die mit bayrischen Dialekt einhergehen um einen erzählenden Charakter zu gewinnen um gleichzeitig lokales Flair zu bewirken.
Hintergrund der Handlung des Romans ist dabei eine Mordserie, die es tatsächlich Beginn der 1930er Jahre gab. Darauf baut die Handlung auf und wird gemischt mit Mutmaßungen und Fiktion.
Im Zentrum von „Kalteis“ steht dabei Kathie, die ihr Glück in der Großstadt München finden, dort arbeiten, leben, lieben und fliehen aus der Heimat will. Diese Haupthandlung wird durch die Übergriffe auf Mädchen unterbrochen, die von verschiedenen Personen geschildert werden.
Diese Art von Erzählung hat etwas kriminalistisches, baut Spannung auf und führt gleichzeitig zur Verwirrung des Lesers. Während man mit vielen Informationen überschüttet und von den Nebenhandlungen beeinflusst wird, versucht man hinter die Morde zu kommen, die aber keine große Kombinationsfähigkeit verlangen. Denn der Täter ist ab der ersten Seite klar und das Ende kommt alles andere als überraschend. Alles ist vorgegeben und so lebt der Roman nicht von spannenden Überraschungen, sondern eher vom Täter selbst, das Monströse, was Andrea Maria Schenkel unterstreichen will, abhängig von der damaligen Zeit und den herrschenden Verhältnissen. Sie versucht den Zeitgeist einzufügen und schafft es einem in ein vergangenes München zu entführen.
Aber hier bleiben auch die einzigen positiven Aspekte. Das Risiko an vielen Perspektiven, ist die Problematik, dass sie sich zu sehr ähneln und keine eigene Persönlichkeit ausstrahlen. Dieses Problem hat auch „Kalteis“ und so fällt es den Figuren an eigenen Charakter. Sie ähneln sich sehr, unterscheidet sich nur minimal und sprechen alle durch die Bank gleich. Alle reden sie in kurzen Sätzen und niemand hebt sich besonders hervor. Nur dadurch, was sie beruflich tun und woher sie kommen, lässt sie zu einzelnen vorstellbaren Charakteren werden.
Auch hat die Handlung nur das zu bieten, was man erwartet und nicht mehr. Sie ist linear und es kommen keine Wendepunkte auf. Dadurch ist sie vorhersehbar und die Spannung bleibt nur durch den Schreibstil und Aufbau. So bleibt nur ein durchschnittliches Psychogramm eines Serienmörders, der Frauen aus reinem Trieb tötet.

Fazit

„Kalteis“ arbeitet nach demselben Schema wie das Debüt von Andrea Maria Schenkel und schafft trotz allem nicht, an dieses heranzureichen. Blasse Charaktere und fehlende Spannung, aber eine immer noch interessanter Aufbau eines Kriminalromans, machen „Kalteis“ nur zu durchschnittlicher Lektüre.

★★★☆☆

Kommentare:

  1. Uaaah, dieses Buch wäre gar nichts für mich.. Einen echten Mord beschrieben zu bekommen? *grusel* Lieber nicht! xD Von diesem Verlag habe ich aber auch noch nichts gehört *klickt auf Link*
    Übrigens sehe ich gerade, dass du ein Buch von Cat Clarke liest. Ist das die englische Version von "Vergissmeinnicht"? Das steht nämlich auf meiner Wunschliste :D

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    1. Dann kann ich dir den Verlag ans Herz legen ;) Hat wirklich sehr interessante Bücher zu bieten!

      Ja, "Entangled" ist die englische Version von "Vergissmeinnicht". Dauert aber noch ein bisschen, bis ich durch bin. Bisher nicht schlecht...

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  2. Ich habe Kalteis und Tannöd von Andrea Maria Schenkel gelesen bzw. in der Schule damals lesen müssen und ich fand sie einfach nur furchtbar. Wie du schon sagst, blasse Charaktere, eine merkwürdige Erzählweise und eine doch recht langweilige Geschichte.
    Ich weiß nicht wieso die Werke von ihr oft ein so gutes Feedback bekommen haben.
    Ich fand sie einfach schrecklich!

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    1. Sehen meine Augen richtig. Ein Mann? :D Ein Mann auf meinen Buchblog!

      Ich habe ja beide gelesen und Tannöd war in meinen Augen sogar ganz gut, da kam die Atmosphäre rüber und man hatte doch noch Unterschiede, die erkennbar waren (zumindest hab ich es so in Erinnerung). Und der Schreibstil ist zwar anfangs merkwürdig, passt aber zum Konzept. Es soll ja bayrische Dorfsprache sein und daran kommt sie doch sehr gut ran. Man merkt halt auch, dass sie aus Bayern kommt. Also ich kann verstehen, warum es gutes Feedback gibt...
      aber genauso verstehe ich, warum man es hasst. Die Art mag nicht jeder.

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  3. Hallo Sky,

    O.K. bei Tannöd klingelt es jetzt auch bei mir! Ja und da kommt wieder das Problem man mag bayrische Dorfsprache oder man mag sie nicht. Da gibt es kein wenn und aber...

    Schade Preis und Klapptext fand ich ganz ansprechend, aber wenn man schon von Anfang weiß wer der Täter ist, macht mir persönlich ein Buch eigentlich keinen so richtigen Spass.

    Was den Mann auf deinen Blog jetzt betrifft, dass ist schon so richtig, denn er hat auch einen Blog und beschäftigt sich besonders gerne mit Zwergen, Fantasy usw.!! Denn da schaue ich auch gerne mal vorbei.Hi Hi...


    LG..Karin...

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  4. hallo Sky, ich hatte mit dem Buch geliebäugelt, aber jetzt lass ich es lieber. Danke für die gute Rezi.. L.G. Annette

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