Zerrissene Seiten: Der Horror einer kalten Herbstnacht

28 Oktober 2012 |

Halloween, entstanden aus dem Wort All Hallows‘ Eve, der Abend vor Allerheiligen, hat die Welt geradezu überrollt. Der 31. Oktober gilt den Geistern, Dämonen und sonstigen grauenhaften Gestalten aus den tiefsten der Erde, den Nebel und alles, was einen kalten Schauer verursacht.
Heutzutage ist es ein Tag an denen Kinder „Trick or Treat!“ schreiend durch die Straßen rennen, sich kleine und große Gespenster in Kostümen verstecken und die Welt für eine Nacht zum Schauplatz der Hölle machen. Ein Tag der Partys mit schauerlicher Dekoration und der Bedrohung.
An diesem Abend treffen sich die Wesen der Hölle und die Menschen Angesicht zu Angesicht, wenn der kalte Wind über die fast kahl gewordenen Bäume hinwegfegt, das Herbstlaub vor sich hintreibt und die Schwärze immer dichter wird.
 
Und gleichzeitig gilt dieser Tag gerade in der Literatur als der Tag der Horrorliteratur. Blut darf fließen, Geister dürfen foltern und uns verfolgen, Hexen wieder zum Leben erwachen und Zombies nach „BRAINS!“ schreien. Tote erwachen zum Leben und Kürbisse zieren das Grauen, welches uns entgegenschlägt.  Häuser werden heimgesucht, seltsame Familiengeheimnisse gelüftet und ein Happy End ist keine Garantie.
Eingeschlossen, benetzt von Panikschweiß, kauern wir zitternd und schluchzend in der Ecke und hoffen bittend, dass es ein Ende hat. Man schnell sterben möge oder jemand uns rettet. Uns durchzuckt es, wenn die Tür plötzlich aufgeht, das Herz pulsiert, wir fühlen uns taub und ohnmächtig, während die Schritte näher kommen. Ein Wimmern, ein Stillstand des Herzens, ein Lichtschwall später und das Monster steht vor uns, schrecklich verzerrt, grotesk, unnatürlich. Deformiert und so furchtbar kalt wird es im Raum um uns herum. Unser Atem wird dichter, bildet Wolken vor unseren Gesicht und rauben uns die Sicht, die Schwärze nimmt. Die Finsternis um uns herum wird vom Licht durchbrochen und plötzlich sehen wir das Monster, es sieht uns an und sagt: „Keine Horrorbücher für dich mehr! Was du immer für ein Drama machst!
Und auf einmal ist der Spuk vorbei.
Die Welt gerettet.
Oder nicht?

Warum faszinieren uns diese Mythen, diese seltsamen Phänomene, die Geschichten um die Geisterwelt, die Dämonen, die unter uns leben sollen? Ist es eine natürliche Vorsicht oder doch schlicht das Adrenalin, was man spürt, wenn einem die Angst im Nacken sitzt?
Jeder kennt diese Atmosphäre wenn man ein verlassenes Gebäude betritt: dieses Leblose, die Kälte, die einen plötzlich überfällt.
Jeder spürt es, wenn in einem kommt, der die Geschichte eines Todes mit sich drückt: dieses Erdrückende, dieser Atmen nehmende Moment, wenn uns etwas aus unsere Gefühlen heraus berührt, streicht und leise einen Schrei brodeln lässt.
Das Gefühl der Verfolgung, wenn man plötzlich aus dem Haus tritt und etwas Fremdes uns augenscheinlich zu verfolgen scheint.
Es ist die Angst, die uns faszniert, dieser Kick, wenn die Kontrolle verloren geht, die Beherrschtheit endet und nichts mehr bleibt als das Hoffen und Bitten, die Resignation, das Lock out des Gehirns, wenn es dem Wahnsinn entgegentritt. Doch eigentlich ist es ein natürlicher Reflex, der unsere Instinkte wachrüttelt, unangehm für uns zu fühlen ist. Warum wollen wir sie absichtlicht spüren?

Die alten Geschichten tragen bei, die über Jahrhunderte hinweg überlebt haben. Über eingemauerte Frauen, die nachts durch die Straßen schleichen, über ermordete Menschen, die im Zimmer auftauchen, über Poltergeister, die die Wohnungen verwüsten. Es ist die Angst vor dem Übernatürlichen, etwas, was weit weg ist, in den Köpfen der Menschen wütet und uns beschäftigt. Es ist die Schizophrenie, die Paranoia, die in uns versteckt haust.
Die Hexen, die keine waren, wurden früher aus Furcht vor ihrer Macht und ihrem Können verbrannt. Das düstere Mittelalter, mit all seinen Glauben an Geister und Dämonen, die die Kirche von ihren Kanzeln predigte um die Menschen um sich herum an sie zu bieten.
Vampire die Blut aussagen, Dämonen, die einen für die Sünde aufspiesen, groteske Gestalten, die nur ein H. P. Lovecraft auf Papier zu bändigen schien.

Und schon damals war der Horror im Zentrum, Halloween ein Tag, an dem die Höllengestalten hereinbrechen. Man erzählte sich schwarz gefärbte Geschichten beim Feuer, ließ sich erschrecken, wollte die Angst in seinen Knochen klappern hören, damit das Herz rast, der Atem flacher wird und man für einen Takt kurz zittert, wie es ist verzweifelt zu sein. Wenn die Stimme erstickt und das Blut aus den Adern fließt, man krediebleich wird.
Es ist die Sucht nach Stresshormonen, die schnell, nachdem die Realität eingekehrt ist, abflachen und man sich erleichert entspannt, der Angst die Stirn geboten hat, sie besiegt, für einen Moment dagegen gekämpft hat.
Auf eine gewisse Art macht es Spaß, Leute Angst einzujagen, auf einer perfide Art und Weise, ist die Furcht etwas, was wir lieben, als kurzen Witz, für einen Adrenalinaustoß lang, so lange es keine Wirklichkeit wird. 

Die Fasznation besteht in unseren Kopf, eine Flucht aus der Realität und gleichzeitig bleibt der Hintergedanke, dass es nicht wirklich ist, was passiert. Wir fühlen uns gut, wenn wir den Roman geschafft haben, die Monster in die Flucht geschlagen haben, die Ängste bekämpft und wir mit guten Gefühl ins Bett verschwinden können.
Oder?
Oder doch nicht?
Denken wir als uns Arme umschließen und eine Handfläche den Atem raubt. Wir versuchen zu schreien, uns niemand hört. Wenn wir unter das Bett gezogen werden mit grellen Schreien und verschwinden, der Horror uns auch noch in der Nacht angreift. Kürbisse kreischen, die Flammen nach oben schnellen und wir in einem schwarzen Loch nimmermehr gesehen wurden.
Dann... geht der Horror von Neuem los. 

Kommentare:

  1. Also meine Lieblingsstelle ist eindeutig: „Keine Horrorbücher für dich mehr! Was du immer für ein Drama machst!“ Ich erkenne mich da sowas von wieder xDDD
    Aber ansonsten bin ich eher der Typ, der sich zum Beispiel bei Horrorfilm-Abenden die Kopfhörer des iPods ganz tief ins Ohr schiebt, damit man ja nichts mitbekommt xD

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  2. Hallo Sky,

    man das war jetzt, aber sehr poetisch/wissenschaftlich an die Sache heran gegangen. Ich persönlich, bringe das da einfacher auf den Punkt...man weiß nie, was nach dem Tod passiert, außer Mann/Frau hat eine bestimmte Glaubensrichtung z.B. Wiedergeburt usw. , dann liegt der Fall klar. So aber gibt es doch die abenteuerlichsten Geschichten und da lässt es sich gerne munkeln, hi hi!!

    LG..Karin...

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