Rezension: Crank von Ellen Hopkins

10 November 2012 |

Zum Buch

Dt. Titel: Crank
Format: Taschenbuch
Seiten: 544
ISBN-13: 978-0689865190
Preis: $10.99 U.S.

Crank-Trilogie

1. Crank
2. Glass
3. Fallout

Das Monster der Sucht

Als Kristina beschließt ihren Vater zu treffen, war die Freude ihrer Mutter eher gering. Von ihrem Vater weiß Kristina nur wenig, und was sie weiß, ist meist negativ. Doch sie will ihn sehen und fährt in ihrem Sommerferien für drei Wochen nach Albuquerque in New Mexico. Aber schon bald muss sie erkennen, dass es ein Fehler war.
Bei ihrem Vater angekommen, fühlte sie sich wie bei einem Fremden, eine wahre Beziehung zwischen Tochter und Vater will sich nicht aufbauen. Dort wo ihr Vater lebt, lernt sie Adam kennen. Und mit Adam betritt sie eine andere Welt. Sie stellt sich ihm als Bree vor, als jemand, der sie gar nicht ist und sie verfällt den Monster. Mit einer Line wird sie abhängig von Crystal Meth und sucht seitdem nach dem Kick der Droge. Aus der perfekten Schülerin und Tochter wird der Fall, der immer tiefer sinkt… und das Monster hört nicht auf nach ihr zu jagen.


„Crank“ ist kein gewöhnlicher Absturzroman über eine Jugendliche, die im Kontakt mit der Droge, ihr vollends verfällt und ihr Leben endgültig abrutscht. Es ist vielmehr eine Geschichte, über das, was man gerne wäre, und das was man ist, die umso tragischer wird, wenn man weiß, dass Ellen Hopkins die Geschichte ihrer eigenen Tochter verarbeitet hat.
Aus der Sicht von der sechzehnjährigen Kristina erzählt Ellen Hopkins eine Geschichte, in einer Form, die man bei einem solchen Roman nicht erwartet. „Crank“ ist nicht prosaische Kunst, sondern lyrische und besteht aus Gedichten, die verschiedenartig die Handlung zum Ausdruck bringen. Es sind Gedichte, die oftmals mit freien Rhythmen arbeiten und anderseits sich der konkreten Poesie hingeben, die zusammen einen gesamten Roman bilden, mit einzelnen Gedichten die aufeinander aufbauen.
Der Aufbau der Gedichte hat dabei vor allem mehrere Funktionen: Durch ihre Brechungen und Trennungen lassen sie verschiedene Sichten zu, lassen einerseits Zwiespalt aufkommen und durch die einzelnen Einrückungen, werden bestimmte Aspekte betont, mit der vorübergehenden Strophe in einen anderen Kontext gestellt oder komplett herausgenommen. Die Einrückungen selbst erstellen einen neuen Text, nebst den eigentlich zu lesenden Strophen. Mit dieser Brechung baut sie auch oft die Gespräche auf: Auf der einen Seite die Gedanken von Kristina, auf der gegenüberliegenden Seite die Meinung der Anderen, oder aber auch die kontroversen Gedanken von Kristina und ihrer neuer Persönlichkeit Bree.
Mit einbezogen sind daber die Titel, die sich über mehrere Gedichte hinweg zu einen eigenen Text stellenweise entwickelt und somit einzelne Linien zwischen den jeweiligen lyrischen Texten schafft ein Gesamtkunstwerk erschaffen. Aber nicht nur die einzelnen Überschneidungen und Brechungen selbst strukturieren die Texte, sondern auch optisch bilden die Texte, durch die verschiedenen Anordnungen, eigene Figuren. Optisch repräsentieren die Gedichte den jeweiligen Inhalt und schaffen daraus weitere Verbindungen zwischen der jeweiligen Formatieren und Gestaltungen des Textes mit dem Inhalt, den die Autorin uns wiedergeben will.
Dabei achtet sie sprachlich auf eine poetische, aber doch harte, jugendliche Sprache, die ihre Protagonistin zum Ausdruck bringt. Mal verliert man sich in Sätzen, mal werden schlaghammermäßig einzelne Wörter genannt. Es ist mal ruhig, dann nehmen die Texte Fahrt auf und bilden einen eigenen Rausch, den man sich schwer wieder entziehen kann. Die dichte, poetische Sprache und die jeweilige Gestaltungsformen schaffen eine eigene Art der Erzählform, die mit vielen Gefühlen und doch großer Distanz auftritt. Eingezogen ins Geschehen, wird der Leser auch immer wieder angesprochen, zu ihr geholt, nach seiner Meinung gefragt und diese Formen machen „Crank“ weitaus als zu nur einem Absturzroman.
Denn plötzlich ist man Kristina nahe, man fühlt mit ihr, man begleitet sie auf ihren Weg und lernt sie zu verstehen, auf einen Weg, die man durch Prosa nicht hätte schaffen können. Als Leser steht mit mittendrin in der Handlung, als ein Bekannter, ein Zuhörer, der sich seine eigene Wertung erlauben darf. Einen Zeigefinger gibt es nicht und trotzdem werden die Gefahren durch die Drogensucht deutlich und klar, trotz der ungewöhnlichen Art der Romangestaltung.
Und nebst diesem Realismus, den Kristina ausstrahlt, haben die anderen Charaktere eine Menschlichkeit, die einem ans Herz geht. Nicht nur Kristina steht es im Zentrum, auch die sorgenden Eltern, die vergessenen Freunde und die falschen Momente, die falschen Entscheidungen, die man trifft und einen Weg eingeschlagen hat, den man nicht mehr verlassen kann.
Dadurch ist „Crank“ nicht nur ein Jugenddrama oder eine ernste Geschichte, sondern vielmehr ein Roman über unsere eigenen Entscheidungen, der Fähigkeit sich zu verändern und dem Gefühl, dass man schneller falsch abbiegt als man glaubt. Es ist die Geschichte eines Mädchen, welches fällt und im Begriff ist, ihren Fall zu begreifen.
Für den Leser bleibt ein Ende, welches keines darstellt. Ein Ende, welches man selbst bewerten muss, weil Kristina ihre eigene Einschätzung zur Situation nur schwach durchscheinen lässt. So bleibt schlussendlich der Gedanke an eine Geschichte, deren Ende bewusst offen gehalten worden ist

Fazit 

„Crank“ ist ein ungewöhnlicher Roman, der mit seiner lyrischen Erzählform, eine Emotionalität schafft, die dem Leser zu schaffen macht. Mit einzigartiger Sprache und Form und bitteren Realismus ist „Crank“ ein Roman, der ein Meisterwerk. Ungewöhnlich gut!


★★★★★

Kommentare:

  1. Es gibt kein Buch, welches ich zurzeit lieber lesen mag *__* Immer wenn du von diesem Buch berichtest, packt mich die Leselust :D

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Sky,

    sicherlich eine interessanter Roman ..nur leider auf Englisch!

    LG..Karin...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Den Roman gibt es aber auch in Deutsch. Zumindest "Crank" wurde übersetzt und ist eigentlich sogar in sich abgeschlossen.

      Löschen
  3. Hallo Sky,

    Danke für die Info, dass ist doch mal was.

    LG..Karin..

    AntwortenLöschen
  4. ich hab schon viel über die bücher von ellen hopekins gehört und auch das crank ein echt gutes buch sein soll. allerdings stell ich mir die frage was besser ist:auf deutsch oder englisch? ich würde halt evtl. auch noch die nachfolgenden bücher lesen aber da die ja auf englisch sind, warum sollte ich das erste auf deutsch lesen? ist es schwierig auf englisch?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei Gedichten (was es ja in diesem Fall ist) ist es natürlich immer besser das Original statt die Übersetzung zu lesen. Also wäre Englisch wahrscheinlich sinnvoller. Außerdem werden anscheinend die Folgebände nichts ins Deutsche übertragen.
      Das Englisch ist schaffbar. Ich will nicht behaupten, es ist das einfachste Englisch auf der Welt, aber es ist auch nicht so kompliziert, dass man damit nicht zurechtkommen könnte. Für Leute, die hin und wieder zumindest ein englisches Buch lesen, ohne Probleme lesbar.

      Löschen
  5. Ich finde dieses Buch echt porno <3 Es ist mega geschrieben, hat ein eigenen Style und spannend zu lesen!! Ich hab nur ein Problem und ich hoffe du kannst mir aushelfen: Da ich ein verdammter Suchtii bin muss ich auch Glass und Fallout lesen... Wo finde ich die Bücher blos auf deutsch? :'(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Leider findet man die Nachfolger nicht auf Deutsch... nach "Crank" hat man aufgehört zu übersetzen. Warum das so ist, weiß ich leider nicht. Ich tippe darauf, dass sich der erste Teil wohl zu schlecht verkauft hat.Es ist schade, aber da kann man leider nichts machen, außer zum englischen Original zu greifen...

      Löschen