Rezension: Den Teufel am Hals von Stefan M. Fischer

02 November 2012 |

Zum Buch

Verlag: Staubkorn
Format: Kindle eBook
Seiten: 126
Dateigröße: 270 KB
ASIN: B008BYHLE0
Preis: 2,99 €

Eine Vision mit Folgen

Ein Vorfall in seiner Jugend hat das Leben von Sebastian völlig verändert. Eigentlich wollte er nur seiner Mutter helfen, ihr die Last nehmen, Schuld am Tod eines geliebten Menschen zu sein. Stattdessen geschieht das Schlimmste: Seine Mutter stirbt bei der Beschwörung eines Dämons und Sebastian plagen seitdem Halluzinationen.
Aber bald muss er erkennen, hinter den Halluzinationen steckt viel mehr. Als er in der Zeitung einen Artikel findet, der ihn unter Mordanklage ausweist, der plötzlich wieder verschwindet, glaubt er in die Zukunft sehen zu können. Auch sieht er voraus, dass sein Nachbar Felix wutentbrannt über die nächtlichen Schreie, die Sebastian aufgrund von Albträumen hat, vor seiner Haustür stehen wird. Ihm ist klar: Er kann in die Zukunft sehen und seine Halluzinationen lassen ihn ein Unheil sehen, welches er verhindern muss.

Vorausahnungen und Zukunftsvisionen sind klassische Themen von Mystery- und Horrorthrillern und führen immer wieder zu Irrungen und Wirrungen seitens des Lesers. Stefan M. Fischer gelingt dieses Verwirrspiel ohne viel Mühe, ohne eine ausschweifende Geschichte und schafft dabei eine Authentizität, die einen erschreckt.
Stefan M. Fischer entwirft nicht einfach normale Charaktere. Sie wirken durch die alltäglichen Situationen, denen sie ausgesetzt sind, menschlich, gefühlvoll und komplett. Ein jeder ist ein Charakterkopf, besitzt seine Ecken und Kanten, hat den ein oder anderen seltsamen Faible und ist doch auf seine Art sympathisch. Sei es eine eigenwillige Persönlichkeit, ein seltsamer sexueller Fetisch oder doch eine liebevolle, normal scheinende, Person. Jede Figur hat ihre speziellen Eigenschaften und bringen Leben in die Gesichte
Und das Leben ist für manchen Leser eine Spur zu viel. Der Autor spart nicht mit prägnanten Sätzen und Beschreibungen, und so fehlt es auch nicht an der ein oder anderen ausführlichen Sexszene, die aufgrund der unverblümten Schreibweise, beim Leser anecken kann. Diese Szenarien fügen sich trotz allem in die Geschichte nahtlos ein, gehören auf ihre Weise dazu. Und genau darin liegt auch das sprachlich Besondere von Stefan M. Fischer: Ihm gelingt es einen fließenden Stil, mit Witz, Ernsthaftigkeit und Emotionalität in kurzen, schlagartigen Sätzen zu verpacken und schafft dadurch eine Spannung, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Die Erzählweise, nicht nur aus der Perspektive von Sebastian, sondern auch aus anderen Sichten, bringt Abwechslung und Vielschichtigkeit in die kurze Geschichte und lässt die einzelnen Charaktere tiefgründiger erscheinen.
Platziert werden sie in Nürnberg, deren Lokalitäten aufgegriffen werden und den Flair der Stadt einfängt. Ein Hauch Lokalkrimi schwingt mit und unterstreicht die Persönlichkeiten der Figuren umso deutlicher.
Die interessante, durchkonstruierte Handlung trägt zudem einen großen Anteil an dem Sog, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Man rätselt darüber, ob die Szene ein Ausblick in die Zukunft ist, wie das Unheil entsteht und wird mit Wendungen überhäuft bis man am Ende die gesamte Tragweite vor sich sehen kann, die Zusammenhänge aller Visionen einer Reihenfolge unworfen werden und einen Sinn ergeben.
Aber nicht alles wirkt so überrascht wie es herausgestellt wird. Manches ist ersichtlich, vorhersehbar und auch die Beziehungen der einzelnen Charaktere wie auch die einzelnen Szenarien, lässen sich vorzeitig zu einer Vorahnung zusammensetzen, so dass mancher Überraschungsffekt ausbleibt.
Nebst dieser Problematik, bleibt die Kürze des Romans. Stellen hätten ausgebaut werden können und gewisse Szenen und Momente kommen zu kurz und folgen zeitweise zu schlagartig oder sprunghaft.
Nichtsdestotrotz, Sebastians Vergangenheit, seine wahnhaften Vorstellungen und Halluzinationen verdichten sich zu einem Netz, in welches der Leser gefangen und verloren hängen bleibt. Wie hängt alles zusammen? Welche Rolle spielt ein jeder Charaktere? Man lässt sich auf das Spiel ein und verfängt sich in der spannungsgeladenen Geschichte, voller Wendungen und unvorhersehbaren Momenten.

Fazit

Mit „Den Teufel am Hals“ gelingt Stefan M. Fischer es in Kürze, eine Handlung zu entwerfen, die ohne große Ornamente auskommt, und durch ihre puristische Art und Weise Tiefgang, Tiefgründigkeit und eine Brise Witz ausstrahlt. Ein spannender Mystery-Thriller mit menschlichen Charakteren und einer wendepunktreichen Handlung. Absolut lesenswert!

★★★★☆

Kommentare:

  1. Okay... in meiner Blogroll ist mir grad der Name "Stefan M. Fischer" entgegengesprungen. Der Mann bzw. Autor hat mich letztens auf LB angeschrieben. Ich kenne ihn jedoch nicht ;) Kommt aus Nürnberg und hat wohl das Buch geschrieben, das du letztens meintest ;)

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  2. Hallo,

    O.K. Danke an Bröselchen für die Info. Also Leute aus Mittelfranken sind mir immer sehr sympatisch....

    LG..Karin...

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