Rezension: Wir tun es für Geld von Matthias Sachau

22 Dezember 2012 |

Zum Buch

Fomat: Taschenbuch
Seiten: 352
ISBN-13: 978-3548281445 
Preis: 8,95 €

Ehe wegen steuertechnischen Vorteilen 

Heiraten nur noch aus Liebe? Das war einmal! Heute heiratet man unter dem schicken Namen Ehegattensplitting aus steuertechnischen Gründen. So denkt es sich auch Bernd, der seiner Freundin Ines und ihrem langjährigen Mitbewohner den Vorschlag unterbreitet. Und warum auch nicht? Jeder zieht seine Vorteile daraus. Und für Lukas, der eh eine fadenscheinige Beziehung mit Vanessa führt, die jeden um den Finger wickelt, den sie haben will, scheint es keine Hindernisse dafür zu geben. Außerdem springt dabei für ihn auch noch Mietvorteil heraus, die es ihm ermöglichen nur noch Teilzeit die Unterwäsche bei Karstadt an den Mann zu bringen.
Alles schien eine glorreiche Idee, alles schien perfekt, bis Lukas im Hausflur einem neuen Nachbarn beim Einzug hilft. Ekkehard Stöckelein-Grummler ist nämlich nicht nur ein audiophiler Nachbar, der sich mit seiner tollpatschigen und unselbstständigen Art und auf der Suche nach den perfekten Klang seiner Hi-Fi-Anlage, in das sozialhelferische Herz von Ines und Lukas schleicht,  sondern gleichzeitig auch noch der Finanzbeamte der beiden. Und plötzlich muss aus der Scheinehe Wirklichkeit werden.
Und als wäre es noch nicht Problem genug, versucht der liebgewonnene Nachbar eine scheinbar gefährdete Ehe zu retten.

Matthias Sachau schafft mit „Wir tun es für Geld“ nicht einen oberflächlich humoristischen Roman, sondern zieht in großer Manier eine ganze Gagparade vom Leder, die viele Schmunzler und noch mehr Lacher birgt.
Angefangen bei seinen witzigen, skurrilen Charakteren, die von einem Kneipenbesitzer, der auf der Bühne Shakespeare mit Hingabe verkörpert, bis zum hilflosen Beamten, der versucht sein eigenes Leben auf die Reihe zu bringen, ist alles enthalten, was ein guter Comedyroman braucht.
Dabei liegt das Augenmerk auf Lukas, dem Ich-Erzähler der Geschichte, der mit seiner ungewöhnlichen, aber gleichzeitig sympathischen Art den Leser sofort erreicht und mitnimmt in seine Liebeswelt. Denn nebst seiner Beziehung zu Vanessa, die liebestechnisch nur von Lukas auszugehen scheint, trägt er noch größere Leidenschaften in sich: Er liebt Jazz, kocht für sein Leben gerne und fühlt sich doch missverstanden, ist aber durch seine lakonische Ader gehemmt sich von seinem Job als Unterwäscheverkäufer für Männer zu lösen. Was man hat, hat man halt eben.
Mit diesen skurrilen Protagonisten wird man durch eine witzige Handlung gejagt, deren Berg- und Talfahrt in ein typisches Happy End zu rutschen scheint. Schräge Personen, unterschiedlichstes Setting und spannende, auf ihre Art menschliche, Dialoge machen den Roman zu einer gleichzeitig von Klischees überzogene Comedy zu einem Lachfeuerwerk der besonderen Art. Denn der pointierte, mit Sprachwitz gespickte Schreibstil macht es schwer den Roman wieder aus der Hand zu legen. Nebst ungewöhnlicher Wortwahl und eigenwilligen Satzkonstruktionen und Stilmittel, kommt gekonnte Wortwahl und ein eigenständiger Stil, der vielen Autoren fehlt. Einmal angefangen, rast man über die Zeilen und versucht nicht vor Lachen zu platzen.
Das Leben von Ines und Lukas, deren Beziehung zueinander, und das Verhältnis zu ihrem Nachbarn, prägen den Roman und schaffen daraus ein Dreiergespann der besonderen Art. Während die einen mütterliche Fürsorge pflegen, versucht der Andere seine neugewonnenen Freunde zu einer Ehe zu führen, die es eigentlich gar nicht gibt. Und eigentlich sitzt der Feind noch im eigenen Nest. Das Konfliktpotenzial scheint unausweichlich.
Und trotz all der Komik, schafft Sachau es einen gewissen Tiefgang in seine Geschichte zu bekommen. Trotz der Klischees von Fernbeziehungen, männeraufreißenden Frauen und unselbstständigen Beamten, bleibt die Liebe im Vordergrund. Und die Liebe ist manchmal komplizierter gestrickt als man glaubt. Die Gradwanderung zwischen Komik und echten Gefühlen geht so ineinander über, dass man überrascht ist, wie viel hinter dem Humoristischen liegt.
Die größte Stärke liegt dabei in den Dialogen, die mit ihrer unverblümten Art und Weise, und wie mit ihnen gespielt wird, die Charaktere zu sympathischen und vollen Persönlichkeiten gestalten. Jede Figur bekommt tatsächlich eine individuelle Stimme, die dem Leser mit Nachdruck Zugang zu den Figuren schafft. Und so bleibt zwischen all der Komik als Quintessenz etwas Ernstes zurück, auf dessen Ende man sehnsüchtig spekuliert, dessen glückliches Ende man erwartet.
Und wie es so ist und wie es sein sollte, kommt dieses Ende auch erwartet und wartet doch mit einer Überraschung auf, die den Leser endgültig das Lachen aus dem Halse lockt bis man schwer atmend die Lachtränen aus den Gesicht reibt. Wer meint, er bekommt ein glattes und typisches Happy End serviert, wie es in dem Genre üblich ist, wird sein blaues Wunder erleben.

Fazit

„Wir tun es für Geld“ von Matthias Sachau ist eine rasanter Roman mit viel Komik, viel Herzblut und viel Unterhaltung für den Leser. Ein großartiger humoristischer Schreibstil, gepaart mit den ungewöhnlichsten Charakteren und einer noch amüsanteren Handlung. Wer hier nicht lacht, der hat keinen Humor. Zum Schieflachen und für's Herz.

★★★★

Kommentare:

  1. Hallo Sky,

    eine nette und unterhaltsame Geschichte wie mir scheint.

    Dir ein schönes Weihnachtsfest und schon mal einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

    LG..Karin...

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  2. Huhu Sky! ♥ Wunderschöne Rezension! :) Scheint echt unterhaltsam zu sein :)

    Ganz liebe Grüße :))) ♥

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