Rezension: Schwanentanz von Jean Francis

18 Januar 2013 |

Zum Buch

Verlag: Sieben Verlag
Format: Taschenbuch
Seiten: 208
ISBN 978-3-941-54738-4
Preis: 14,90 €

Anmerkung: Nur für erwachsenes Publikum!

Die Sídhefürstin und
ihre Sklaven

Nach ihrem Unfall steht die Karriere der bekannten Londoner Balletttänzerin Suzanna auf der Kippe. Ihr Bein, früher so grazil, scheint nur noch den einfachsten Bewegungen, der einst so talentierten Ballerina, ausführen zu können Für die Londoner Presse scheint sie ein gefundenes Fressen und so beschließt sie, ihre wackelnde Karriere und die Schlagzeilen der Boulevardblätter hinter sich zu lassen, um in Irland Ruhe vor den Ereignissen zu finden. Doch dort angekommen, beginnt schon die erste Katastrophe: Das Cottage, das ihre Freundin aus Irland ihr bereit gestellt hat, hat die Jahre, in denen es leer gestanden hat, gelitten und scheint mehr eine Ruine, als eine Erholungsoase. So bleibt ihr nichts anders übrig, als das von Spinnenweben überzogene Gebäude Grund zu reinigen, bevor sie überhaupt etwas Unternehmen kann.
Aber bald scheint das verschlafene Dorf weit mehr zu verbergen als es scheint. Als ein unbekannter, leicht ungepflegt wirkender Mann in ihrem Garten auftaucht, um die Blume zu retten, die sie schon pflücken wollte, traut sie ihren Augen nicht.  Zuerst scheint er für sie völlig übergeschnappt, doch bald scheint sie ihm vollkommen verfallen zu sein. Er löst eine Anziehungskraft aus, derer sie sich nicht mehr entziehen kann. Wer ist dieser mysteriöse Mann, der sich Brandon nennt? Woher kommt er? Plötzlich scheinen Irland Mythen Wirklichkeit zu werden. Oder sind es nur die Dorfbewohner, die ihrem Aberglauben nacheifern?

Unter dem Pseudonym Jean Francis versteckt sich die renommierte Autorin Jennifer Benkau, die mit „Schwanentanz“ einen erotischen Roman voller irischer Mythengestalten, prickelnder Erotik und einer starken Protagonistin geschaffen hat, der mit allen Wassern gewaschen ist.
Sie greift sich die Sídhe heraus, einem Art Feenvolk, welches in Irland seinen Glauben hat. Sie leben im Síd, einem Ort, der parallel oder unterirdisch zu unserer Welt ist. In diesem Fall ist die Sídhefrau, die Königin eines Volkes, die sich Sexsklaven hält und sich Menschen holt, derer sie mit Hilfe eines Steins an sich bindet. So ist auch Brandon an sie gebunden und muss ihrer gehorchen.
Dieses Konzept verknüpft Jean Francis mit der Geschichte der Ballerina, die nach Irland kommt um sich von ihrem Unfall zu erholen. Denn zwischen Brandon und Suzanna entbrennt eine heiße Leidenschaft, sodass sie ihre Finger nicht mehr von sich lassen können. Durch die Kombination von irischen Mythen und deren sexuellen Erweiterung, entwickelt sich ein Roman, der mit erotischen Szenen nicht geizt. Einerseits sind sie sinnlich, niemals blumig und voller Leidenschaft. Andererseits haben sie viel Härte und es wird nicht mit animalischem Sex gespart. Wer nette Beschreibungen und Kuschelsex erwartet, ist ihr an der falschen Stelle. In „Schwanentanz“ geht es ordentlich zur Sache, manchmal handfest, aber trotzdem niemals ohne Gefühle. Mit gekonnter Feder beschreibt die Autorin die erotischen Szenen mit viel Leidenschaft und noch größer Lust. Sie fügen sich in die Handlung ein, spielt mit erotischen Phantasien und schafft mit ihrem Schreibstil eine dichte Handlung, derer man sich nur schwer wieder entziehen kann. Denn die Entwicklung zwischen den Paar Brandon und Suzanna, deren Problematiken rund um die Sídhefrau, die ihn in seiner Gewalt hat, lesen sich voller geladener Spannung, wodurch die Seiten nur dahinfliegen. Unterwerfung spielt darum auch immer wieder eine Rolle in diesem Roman und speziell in den Szenarien rund um die Sídhefürstin, sodass auch Konstellationen entstehen, die so manchen Leser abschrecken könnte. Es bleibt die eine oder andere Stelle nicht aus, in der auch mal geschlagen wird und sich Anleihen des BDSM finden. So wird sich nicht jeder an diesem Werk erfreuen können.
Mit viel Witz, großartiger Metaphorik und einem einzigartigen Schreibstil erzählt Jennifer Benkau die Geschichte und bringt uns die ungewöhnlichen Charaktere mit jeder Zeile näher. Die starke Balletttänzerin, eine selbstständige Frau, die weiß, was sie will wird einem Krieger entgegengestellt, der sich seiner Herrin nicht mehr unterwerfen will. Beide wirken plastisch, werden auf ihre Weise dem Klischee des Erotikromans gerecht und haben doch so viel Authentizität und Eigenwilligkeit um weit darüber hinauszukommen. Die Dialoge sind oft pointiert, mit viel Sarkasmus und Charme geschaffen, welche sich durch den gesamten Roman ziehen und den großartigen Schreibstil Benkaus nur noch untermalen.
Nichtsdestotrotz fehlt es dem Roman an mancher Stelle an Tiefe. Die Mythologen und die Legenden rund um das Volk der Sídhe kommen nicht immer klar heraus und oft wünscht man sich mehr von der eher unbekannten Mythenwelt Irlands zu erfahren. Es bleibt vielerorts zu oberflächlich angeschnitten, sodass dem Leser immer wieder Hintergrundinformationen fehlen, die die Welt der Sídhe genauer erklären und klarer gestalten lassen.
Das Ende dagegen ist voller Dramatik und bietet die eine oder andere Überraschung, in dem doch eher linear gestalteten Roman. Sie schafft einen Abschluss, der mit einer kleinen Pointe aufwarten kann und die Geschichte abrundet ohne aber den Konflikt zu einfach zu lösen.

Fazit

„Schwanentanz“ ist ein prickelnder, erotischer Roman, mit herausragenden Charakteren und einen genialen Schreibstil der die Mythen Irlands mit einer spannenden Handlung verbindet und daraus etwas Einzigartiges schafft. Lesenswert!

★★★★☆

Kommentare:

  1. Wow, habe gerade entdeckt, dass du den Roman auch gelesen hast. Respekt! Ich fand ihn große Klasse und ich liebe die Autorin einfach für ihren Schreibstil und die tolle Art und Weise, wie sie ihre Charaktere zum Leben erweckt. Schön, dass er dir auch gefallen hat!

    LG Nazurka

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    1. Ich schau auch mal über den Tellerrand hinaus! War aber wirklich ein sehr schöner Roman. In den Schreibstil habe ich mcih auf jeden Fall verliebt! Der ist wirklich einmalig.

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