Zerrissene Seiten: Kritisier mich!

20 Januar 2013 |

Wow, was für ein Buch, ein echter Bestseller, sagt zumindest die Welt dort draußen, meinen die Amazonier und bewerten mit voller Punktzahl! Die Kritiker jublieren, klatschen euphorisch in die Hände und neigen ihre Köpfe vor solchen Talent. Die Pressestimmen versuchen sich mit Superlativen zu übertreffen, um das Werk vollkommen zu huldigen. Jede Zeile übertrifft die Nächste, jeder will dem Werk gerecht werden. Touchdown! Spiel gewonnen! Die Menge jubelt und mittendrin sitze ich im Stadium der Kritiker und denke mir: Was ist daran so besonders? Der Schreibstil war mir zu holprig, die Charaktere zu flach und die Story fehlte es irgendwo doch an Tiefe. Das Buch kratzte zu sehr an der Oberfläche.
So erhob ich meine Stimme zu „Mir gefiel es…“ Die Menge schnappte nach Atem, wollte nicht glauben, dass die letzte Silbe noch folgt. „...nicht.“

Der Aufschrei war groß, der Mob begann sich zu bewegen, die Waffen wurden gezückt und ich musste Rennen um den Horden zu entfliehen, die das Buch vergöttern. „Sag, dass es dir gefällt!“, brüllen sie mich an und der Schweiß tropft von meiner Stirn. Nein! Ich will mich nicht beugen! Nein! Ich will bestehen bleiben! Es ist die Kritikerehre, die mich veranlasst meine Meinung zu vertreten und zu behalten.
Ich stolpere und falle zu Boden, sie kamen näher und näher, umkreisen mich und ich spüre plötzlich eine Spitze an meinen Hals. Der Federkiel riss mir fast die Haut auf. „Sag, dass es dir gefällt!“
Ein Schlucken und ich wimmere: „Es ist doch nur meine Meinung… euch kann es doch gefallen. Ich beschwere mich doch nicht darüber.“
„Du magst es nicht, dass ist Beschwerde genug.“, schreien sie in einem Chor, dass mir das Trommelfell fast zerreißt. Für einen Takt sah ich die schwarze Spitze der Feder auf mich hinuntersausen.

Als Rezensent und Kritiker hat man es nicht leicht. Wenn die Masse etwas hochlobt, der Hype größer wird und nicht als Mitläufer sich der Masse anschließt, wird man von der Welle der Anderen überrollt. Plötzlich wird eine Meinung zum Diskussionsgrund, obwohl es nur eine Meinung ist. Man kritisiert das Werk, nicht seine Fans und doch öffnet man das Höllentor mit jedem Strich, der dem Werk weniger abgewinnen zu scheint.
Man kritisiert den Schreibstil, Aufbau und Orthographie. Sie bilden die Grundlage für eine fundierte Begründung. Man schmiegt sich an die Charaktere oder stößt sie weg und bringt doch nur seine eigenen Empfindungen hervor. Es ist wie, wenn man jemanden begegnet, jemanden völlig Fremden. Sympathisch oder nicht? Das ist rein subjektiv, vom eigenen Geschmack abhängig. Für manche mag es unverständlich sein, warum man diese Person liebt, für andere umso nachvollziehbarer und doch gibt es die, die voller Unverständnis den Kopf schütteln.
Eine Kritik besteht also rein aus den eigenen Gedanken, nicht dem Gedankengut fremder Personen. Sollen diese eigene Reflektionen überspult werden mit dem Fremden, nur um des Massens Willen? Nein. Es gibt Dinge, über die kann man diskutieren, denen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Gewalt verherrlichende Inhalte oder ethisch-moralische Problematiken sind durchaus zu debattieren, radikaler Content kann wiederum propagiert werden, doch eine reine Meinung bleibt etwas, was einem selbst gehört, was unanfechtbar ist.
Warum also greifen manchen den Urheber dieser Meinung an? Warum wird nicht über die Meinung, sondern dem Geisteszustand des Äußerenden gesprochen? Da kann keiner verstehen, warum sich Fans verschiedener Fronten die Köpfe einschlagen. Sie stürzen sich wie Hooligans aufeinander, die unterschiedliche Vereine lieben und bringen doch nichts hervor, außer einen Konflikt, dessen Basis der Fanatismus ist.
Wo bleibt da noch die Würde des Einzelnen, wenn der Kritiker als Idiot abgestempelt wird? Ein guter Kritiker beleidigt nie den Autor, sondern gibt Denkanstöße zur Verbesserung seiner Arbeit. Nie ist es gegen die Person gerichtet und doch wird der Rezensant schlussendlich für seine Gedanken, seine Ansichten kritisiert. Natürlich, etwas Selbstkreitiertes, ist immer wie ein Kind. Es ist verständlich, dass das Herzblut des Schöpfers in es geflossen, aber auch muss man lernen, dass manches nicht von allem gemocht wird.
Ob jetzt eine solche Meinung über Seiten geht oder in drei Zeilen verpackt, ist schlicht der Willen des Einzelnen. Und in Deutschland gibt es schon im Grundgesetz eine festgeschriebene Meinungsfreiheit und Würde ist unantastbar. Wird also durch das Kritisieren einer Meinung, die nur sagt, ob man es mochte oder nicht, die nichts Anstößiges bildet, damit der Würde des Meinungsäußerden und dem Gedanken an Subjektivität gerecht?
Warum wird der Rezensant angeklagt? Er macht nichts anderes, als die Person, die sich zur Rezension äußert: Eine Meinung abgeben, eine personalisierte Meinung, die nur er so haben kann. Man kann sie teilen, man kann sie nicht verstehen, man nicht deren Meinung sein. Doch schlussendlich ist eine Rezension etwas, was individuell ist… und kein Grund zu einer Debatte. Die Debatte kann nur der zu rezensierende Gegenstand selbst sein.
Seien es Autor oder Liebhaber eines bestimmen Romanes. Seien es Anhänger einer bestimmten Szene oder bestimmen Richtung, jeder meint es besser zu wissen und greift dabei nicht an den Fundamenten der Argumentionen, um den Stuhl unter den Beinen eines Jeden wegzuziehen, sondern man greift sich die Arme des Schreibenden, reißt sie heraus und sagt im klar heraus, dass er nichts zu sein scheint, außer ein Ignorant.
Und wenn wir so weit denken, sind wir plötzlich in der dunklen Seele des Menschen angekommen. Irgendwo zwischen Neid und Obsession findet man sich wieder in Schemata, die ganze Menschen zerstören können. Die Meinung scheint irgendwann überflüssig zu sein und irgendwann wird der Streit nur noch ein strittiger Dialog ohne Grundlage. Der eine ist beleidigt, der andere frustriert und der Dritte lacht sich über die Idiotie tot. Weil nur der Dritte kapiert, dass der Streit kein Fundament besitzt.

Es gibt die einen, die lieben ein Werk. Es gibt die anderen, die hassen ein Werk. Es gibt die, die zwiegespalten es betrachten. Und es sind die Meinungen Einzelner, deren Gründe für ihr Missfallen oder Wohlwollen unterschiedlich gelagert sich. Darüber kann man debattieren, über die Gründe, wieso und weshalb, aber nicht darüber, ob der eine Kritiker besser ist als der Andere, nur weil er investigativer argumentiert. Ob der Autor besser ist, der sich über die Meinung der Leser stellt und für sich selbst ein Originalgenie bleibt, steht dem Gegenüber, was der Leser empfindet.
Vielleicht müssen wir alle ein wenig an unseren Neid arbeiten, von unseren hohen Rössern herunter. Denn eigentlich haben wir alle etwas gemeinsam: Die Liebe zur Literatur. Und das sollte verbinden und nicht verfeinden. Und nur gemeinsam, kann man diese Kunst verfeinern, verbessern und ihr Potenzial ausschöpfen. Nobody is perfect! Weder Autor, noch Kritiker, noch Leser..

Kommentare:

  1. Meine Meinung kennst du ja schon. Ich finde die Zerrissene Seite toll! Schön, dass du auch mal ernstere Themen ansprichst.. :)

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  2. Seufz, wie wahr! Allein wie negative Meinungen bei Amazon abgeklickt werden, ist schon traurig.

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    1. Wenn es beim Abklicken bleibt...ich hatte letzte Woche sinngemäß eine Bemerkung unter einer Amazon - Rezi stehen, dass ich gar keine Ahnung hätte und das *tolle* Buch nicht zu würdigen wüsste.

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  3. Danke danke danke danke *verneigt* du sprichst mir aus der Seele!!! ♥

    Liebe heftigst nickende Lesegrüße
    Sandra

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    1. nicke nicht so viel, am Schluss nickst du dir noch den Kopf ab!
      ;) Aber freut mich zu hören.

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  4. Immer wieder großartig wie du es auf den Punkt bringst. Danke Sky <3 Gerne geteilt

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  5. Klasse, wunderbar geschrieben. Du solltest...MUSST in der Zukunft im Beruf, etwas Tun, dass mit dem Schreiben in Verbindung steht. :)

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    1. *lach* würd ich gerne, aber das Meiste ist unterbezahlt oder eher Glückssache ;)

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  6. Das scheint mehr ein Amazonphänomen als ein allgemeines zu sein, oder? Ich bin persönlich noch nie für eine andere Meinung in meinen Rezensionen fertig gemacht worden und darüber auch ganz froh. Noch ein Grund mehr für mich, meine Rezensionen nicht bei Amazon einzustellen :)

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    1. leider nein, es gibt immer wieder Fälle, wo man von Autoren angegriffen wurde und Co...

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  7. Ein rundum gelungener Artikel. Dem ich nur zustimmen kann. Der Titel macht sehr neugierig, so dass ich sofort den Rest lesen musste! :)

    Liebe Grüße,
    Charlousie

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  8. Hallo Sky,

    nun Ehrlichkeit und mit Kritik umzugehen ist ein schwieriges Brot. Nicht jeder schafft es ohne den guten Ton zu Wahren. Aber jeder sollte sich auch an die eigene Nase fassen. Wer nimmt Kritik so einfach auch hin, jeder entrüstet sich erst einmal und dann fängt vielleicht auch "Das Nachdenken" mal an.

    In diesem Sinne einen guten Start in die neue Woche.

    LG..Karin...

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    1. Wobei man fairerweise sagen muss, dass es immer die Fans des Buches / Autors sind, die sich so im Ton vergreifen.Und die dafür richtig. Bei Autoren, die sich im Ton vergreifen, fällt mir nur die John Asht - Affaire*** ein. Ansonsten waren Rückmeldungen von Autoren zumindest auf meinem Blog immer sehr zivil.

      ***
      http://buecherzeit.wordpress.com/2011/11/16/john-asht-twin-pryx-zwillingsbrut/#comment-1169

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    2. Hab ich auch mitbekommen... fand ich irgendwie sehr lustig :D

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    3. Es war lustig...vor allem, weil der Autor immer noch Stuß veröffentlicht, wie ich heute auf Amazon mitbekommen habe.

      Es wäre interessant zu wissen, warum sich die Fans angegriffener fühlen als die Autoren und so heftig auf Kritik reagieren, was in deinem Artikel leider nicht untersucht worden ist.

      Bei Autoren verstehe ich es noch, weil das Buch ihr *Baby* ist. Aber genau die machen es nicht, sondern die Anhänger, die in der Regel aggressiv reagieren.

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    4. Vielleicht kann ich die Sache in einer weiteren "Zerrissenen Seite" mal behandeln... hätte schon ihren Reiz ;)

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    5. Jetzt bekomme ich John Asht nicht mehr aus meinem Kopf :-( . Sein Blog war das schrägste, was ich je gelesen habe; dummerweise bekomme ich den Eintrag nicht aus meinem Kopf, wie gerne er zwischen den Brüsten einer Frau hängen würde...brrr, mich schauderts.

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  9. Ich kenne da auch einige Fälle:

    1.) In einem Blog wurde zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Dennis Scheck niedergemacht, weil der die Twillight-Romane nicht mochte.

    2.) Negative Amazon-Rezis sind zu 99% *nicht hilfreich*.

    3.) Ich hatte letzte Woche den Fall, dass mich (und auch andere ) ein Autor persönlich ziemlich heftig angegangen ist. Da ich ein Rezi-Exemplar vom Verlag hatte schrieb ich nur eine Vorstellung, in deren *Vorwort* ich erwähnt, dass ich keine neutrale Rezi mehr schreiben kann. Ich kritisierte 1-2 Dinge und schon hatte sofort ein paar Fans auf den Plan, die mir Vorhaltungen machten.

    4.) Es passiert immer wieder, dass sich Fremde total im Ton vergreifen, wenn ihnen eine Rezi nicht gefallen hat. So 1-2mal im Jahr habe ich was Satiges stehen.

    5.) Ich habe bei Amazon die Rezi zu einem Buch reingesetzt (Der Mittagsmörder). Da sowohl Titel als auch Beschreibung auf eine Krimihandlung hinwiesen, habe ich das Buch entsprechend bewertet. Diese Woche bekam ich die Nachricht, dass ich ja überhaupt keine Ahnung hätte und wie ich dazu käme, dass Buch schlecht zu bewerten. Dabei wäre das Buch selbst als Nichtkrimi zu langweilig gewesen.

    Gibt sicherlich noch mehr Beispiele. Warum man nicht die Meinungen anderer einfach stehenlassen kann oder sachlich darlegen, warum man das anderes sieht - keine Ahnung.

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    1. Das sind eben immer wieder die Probleme, die regelmäßig auftauchen. Mir ist es bisher noch nie passiert, außer das bei Amazon mir unter einer Rezension geschrieben würde, mir wäre mein Beitrag sprachlich misslungen. Wenn er das so meint *schulterzuck*

      Leider passiert so etwas viel zu oft.

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    2. Mir ist gerade noch eine sechste Variante eingefallen: Ich mag deine Rezi nicht und folge daher nicht mehr deinem Blog. Kommt auch immer wieder vor.

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    3. Wenn dein Beitrag nur *sprachlich misslungen* ist, bzw. dies kritisiert wird, scheint der Inhalt ja zu stimmen :-) .

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  10. Puh, irgendwie scheinen sich bei euch eher unfreundlichere Besucher zu tummeln, als ich es gewohnt bin...

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    1. Das ist eben das Internet:

      Die Leute, mit der ich mich in einem Blog / Forum zusammengetan habe, sind alle intelligent und Mainstream, was daran abzulesen ist, dass wir alle einer Meinung sind. Und alle anderen haben Unrecht, was man deutlich daran sehen kann, dass sie nicht die eigene Meinung vertreten. Also kann man sie ruhig flamen.

      *Wer die Ironie findet, darf sie behalten.*

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  11. Hallo Sky!

    Ich habe deinen Text bereits am Sonntag gelesen und bin mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht sicher, was ich von ihm halten soll. Mir ist nämlich leider nicht ganz klar geworden, worauf du eigentlich hinausmöchtest, da du dich zu widersprechen scheinst.

    Ich will versuchen zu erklären, was ich meine:

    Anfangs beschreibst du den Konflikt mit beleidigten Fans, die sich für eine missliebige Rezension rächen, indem sie persönlich werden und den Rezensenten angreifen – was, wie du ja auch schreibst, nicht in Ordnung ist. Klar. Darüber müssen wir hier nicht diskutieren. Ich finde jedoch, dass das Nicht-Okay-Sein nichts mit Meinungsfreiheit zu tun hat. Denn die Fans haben ebenso das Recht, eine Rezension schlecht zu finden und diese Meinung dann gegenüber dem Rezensenten zu äußern. Beleidigungen und Beschimpfungen verbieten sich folglich nicht aufgrund der Meinungsfreiheit (in gewisser Hinsicht sind es ja „verunglückte“ Meinungsäußerungen), sondern aufgrund des Respekts, den man gegenüber seinen Mitmenschen empfinden sollte.

    In der Mitte des Textes wirst du dann – ja, ich weiß auch nicht – unpräzise? Nachdem du weiter vorne sehr richtig feststellst, dass nicht der Rezensent, sondern die Meinung diskutiert werden sollte, negierst du diese Aussage im weiteren Verlauf des Textes wieder.

    Ich zitiere: „Warum wird der Rezensant angeklagt? Er macht nichts anderes, als die Person, die sich zur Rezension äußert: Eine Meinung abgeben, eine personalisierte Meinung, die nur er so haben kann. Man kann sie teilen, man kann sie nicht verstehen, man nicht deren Meinung sein. Doch schlussendlich ist eine Rezension etwas, was individuell ist… und kein Grund zu einer Debatte. Die Debatte kann nur der zu rezensierende Gegenstand selbst sein.“

    Ich frage dich: Wie passt das mit der Frage, warum nicht über die Meinung, sondern den Geisteszustand des Äußerenden gesprochen werde, zusammen? Ist das nicht eigentlich ein Widerspruch in sich? Warum soll die Rezension plötzlich nicht mehr Gegenstand von Diskussionen sein? Mich würde wirklich sehr interessieren, was du eigentlich sagen willst. Vielleicht hast du ja Lust, mich Unwissende darüber aufzuklären. :)

    Für mich steht auf jeden Fall fest, dass auch die Rezensionen jederzeit zur Debatte stehen. Sie sind zwar Ausdruck einer (hoffentlich) wohl überlegten Meinung. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie richtig begründet sind oder keine verwerflichen (d.h. rassistische, sexistische, …) Gedanken beinhalten.

    So. Nun habe ich mir alles von der Seele geschrieben. Ich hoffe, du kannst nachvollziehen, weshalb ich deine Kolumne trotz des wichtigen Themas nicht ganz so toll finde wie meine Vorredner. Möglicherweise verstehe ich sie einfach nur falsch, weil wir uns nicht kennen und ich deine Worte daher nicht richtig auslegen kann. Vielleicht hat aber auch die Prüfungsphase mein Gehirn nachhaltig geschädigt. Du darfst es dir aussuchen. ;)

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    1. Um das Zitat aufzugreifen: Mir geht es in dem Satz darum (deswegen vielleicht verwirrend), dass sich die Meinungsabgabe eigentlich selten oder nie auf die Rezension selbst bezieht, sondern auf den Gegenstand, der rezensiert wird. Also man gibt eigentlich seine Meinung zu einem Buch ab, wie man es persönlich empfand und was unterschiedlich zu den Empfindungen des Anderen ist. Darum ist die Rezension kein Grund zu der Debatte... sonst kritisiert man nämlich nicht mehr die "Meinung", sondern den Meinungsgeber selber. Ich weiß, der Grad ist sehr schmal und es lässt sich auch sehr schwer fassen, aber ich hoffe du verstehst was ich meine.
      Mir geht es eben darum, dass die „Meinung“ eigentlich gleichzeitig die Repräsentative des Menschen ist. Wenn man jetzt diese kritisiert, sollte es über das Thema der Meinung geschehen, nicht aber über die Meinung selbst. Wenn man sagt: „Das Buch war einfach nur schlecht. Schlecht geschrieben, schlechte Handlung. Es war eine Qual!“ und dann kommt zurück ein: „Ich empfand das Buch als schön geschrieben mit toller Handlung, dann hat man zwei Ansichten, die über das Buch sprechen können, über dieses debattieren können. Aber fällt da einmal die Meinung ins Spiel? Wenn man die Meinung kritisiert mit: „Für mich wird das nicht klar.“, ist es in Ordnung. Man versteht es nicht und möchte mehr hören. Wenn man aber sagt: „Deine Schlüsse sind komplett falsch!“, ist es wieder nicht die Meinung, sondern eigentlich wieder der Gegenstand.

      Beispiel? Man nimmt sich ein Thema raus. Der eine ist dafür, der andere dagegen. Was wird debattiert? Nicht die Meinung selbst, sondern das Thema mit seinen Vor- und Nachteilen. Man sagt zwar: "Ich bin nicht deiner Meinung", aber man äußert sich zum Thema, nicht zu der Meinung. Verstehst du was ich meine?
      Und zu deinen verwerflichen Gedanken, ich zitiere mich mal: "Gewalt verherrlichende Inhalte oder ethisch-moralische Problematiken sind durchaus zu debattieren, radikaler Content kann wiederum propagiert werden, doch eine reine Meinung bleibt etwas, was einem selbst gehört, was unanfechtbar ist."
      Das meine ich... solche Sachen sollen natürlich nicht sein! Die wollte ich ausklammern.

      Das Thema ist nicht einfach... aber ich finde, es gehört sich mal angesprochen. Und natürlich können wir auch anderer Meinungen sein. Das liegt in der Natur der Sache. ;) Ich hoffe, ich hab es gut rübergebracht und du verstehst, was ich verdeutlichen wollte.

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  12. Ich glaube, ich verstehe jetzt, was du meinst, ja. :) Und ich stimme dir (vorausgesetzt ich habe es *wirklich* verstanden) auch zu. Im Nachhinein denke ich jedoch, dass deine Kolumne ohne den Schlenker, den ich in meinem ersten Kommentar erwähnt habe, viel präziser wäre. Der Anfang und Schluss deines Textes entspricht den Gedanken, die du jetzt in deinem Kommentar geäußert hast, nämlich sehr gut, finde ich. Aber letztendlich ist und bleibt das Ansichtssache. :)

    Das Zitat habe ich im Übrigen gelesen, habe es aber, da ich den Eindruck hatte, dass du zwei Fälle unterscheidest, nicht mit dem Rest in Verbindung gebracht. :)

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  13. Hallo Sky,

    nun ihr Blogger bewegt Euch am einem schmalen Grad beim rezischreiben.
    1) um die Sache etwas zu verbildlichen..Beiße nicht die Hand, die dich füttern.

    Damit meine ich die kostenlose Bereitstellung von Büchern egal ob vom Autoren selber oder Verlag.

    2) Und das jeder Blogger auch eine eigene Meinung hat/haben soll und da fängt das Problem meiner Meinung an.

    Was ist wichtiger seine/eigene Meinung oder das man möglicherweise weiterhin Bücher eines bestimmten Verlages bekommt/kann.

    Denn die Autoren/Verlag verschicken ihre Bücher nicht für Gottes Lohn. Sie wollen/erwarten eine gute Rezi von den Bloggern. Wenn man Buch O.K. kein Thema, aber wenn es einem ganz nicht zu sagt. Was dann, in welche Richtung schlägt die Waage aus.

    Schwierig für jeden diese Entscheidung! Da beneidet ich Euch Blogger nicht um diese Entscheidung...

    LG..Karin..

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  14. Hallo Sky,

    keine weiteren Meldungen zum Thema.

    O.K. allen ein schönes Wochenende.

    LG..Karin...

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    1. Hast du etwa ernsthaft auf diese ungewollte Satire eine Antwort erwartet? Das dürfte wohl jedem zu blöd sein.Inklusive mir.

      Ein schönes Wochenende auch dir.

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    2. nicht ausfallend werden. Karin, du hast schon nicth ganz unrecht, aber die Rezensionsgeschichte mit Verlagen und Autoren sehe ich wie folgt: Wenn ein Verlag einem Zeitungskritiker ein Buch schickt und er einen Verriss scheribt, ist das nun einmal so. So halte ich es auch...

      Euch auch ein schönes Wochenende

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    3. Glaube mir, ich habe mich noch gemäßigt.

      Was Karin loslässt, sind bösartige Unterstellungen, die mangels eigener Erfahrung jeder Grundlage entbehren.
      Gefolgt von einem enttäuschten: *Oh, mir antwortet niemand. Total verwunderlich.*

      Wenn die Verlage nur gute Rezis erwarten würden, säße ich schon lange auf dem Trockenen. Im Gegenteil: Es ist wichtig zu wissen, was nicht ankommt.

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    4. Hallo Nomadenseele,

      ich habe niemand persönlich angegriffen und deshalb auch in meinen Augen "keine bösartigen Unterstellung" gemacht.

      Ich sehe halt da ein Problem für jeden Blogger.....

      LG..Karin..

      PS: Ich sehe, diese Sache damit auch als beendet da.

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  15. Hallo Nomandenseele,

    nun jeder darf frei "seine" Meinung äußern oder? Und keiner muss den anderen den er nicht kennt deswegen in dieser Art und Weise anmachen oder?

    O.K. Danke ..LG..Karin..

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    1. Ich verstehe nur eins: Dass du absolut nicht verstehst, was du da an Unterstellungen losgelassen hast.

      Damit ist das Thema für mich beendet. Lohnt sich nicht, das weiter fortzusetzen.

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  16. Hallo Sky,

    ich sehe, die Problematik aus der Sicht einer normalen Leserin und denke mir, da ist die Sache für Blogger schon eine schmale Gradwanderung.

    Meine Argumente dazu habe ich dazu ja schon geschrieben.

    Außerdem eine Zeitungskritik ist schnell vergessen, aber die Sachen im Internet.Rezi z.B. bei Amazon sind nicht einfach so wieder löschbar. Wie heißt es so schön, dass Internet vergiest nichts oder?

    Facebook und manch unschöne Fotos, die Probleme machen den Leute, so schnell bekommt die sie auch nicht wieder weg.

    Danke für dein klärendes Wort.

    LG..Karin...

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  17. Hallo Sky,

    noch einen guten Start in die neue Woche.

    LG..Karin...

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  18. Hallo Sky,

    O.K. dann einen wiederum guten Start ins Wochenende.

    LG..Karin...

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  19. Hallo Sky,

    was für ein toller, treffender (und literarisch hochwertiger) Text, den du da geschrieben hast. Dem kann ich nur zustimmen. Besonders auf Amazon wird man gerne mal wegen seiner Meinung fertig gemacht und mit "Nicht hilfreich"-Klicks bombardiert.

    Entweder findet man ein Produkt sehr toll und die "Hater" kritisieren, dass du das Produkt gut findet (mir geschehen bei der Rezension zu Der Hobbit - Der Film --> über 10 "Nicht hilfreich"-Klicks), oder man findet ein Produkt schlecht und einem wird unterstellt, man sei sogar zu dumm gewesen und habe das Abitur nicht bestanden (mir geschehen bei einer Rezension zu einem Handy).

    Ich gebe zu, wenn ich eine Rezension lese wie "Das Buch war voll langweilig" und sonst steht nichts dabei, dann juckt es mich auch schon mal in den Fingern, auf "Nicht hilfreich" zu klicken, denn solche Rezensionen helfen dem möglichen Käufer nicht. Warum war das Buch langweilig? Gab es dennoch ein paar gute Stellen? Und so weiter...

    Wenn aber eine Rezension gut begründet ist, auch wenn sie ein Produkt kritisiert, das ich toll finde, dann freue ich mich über die neuen Anhaltspunkte und denke auch darüber nach, ob die Person recht hat und die Kritik wirklich angebracht ist. Egal, wie ich mich dann entscheide: ich kritisiere die Person nicht für ihre Meinung.

    Zudem passiert es oft, dass gerade die gehypten Produkte (Bücher) meistens doch einen gewissen faden Beigeschmack hinterlassen und dann wird man wirklich beleidigt, wenn man dann mal sagt, dass man den Hype nicht nachvollziehen kann und dass einem persönlich das Produkt einfach nicht gefällt.

    Liebe Grüße, KQ

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  20. Hallo Sky,

    nun ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und klar auch tolle und erholsame Ferien.

    LG..Karin...

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  21. Hallo Sky!
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Es kommen einem ja immer mal Bücher 'unter' die Nase, bei denen man sich nicht nur nach dem letzten Satz auf der letzten Seite denkt: "Wie und wo kamen da bitte nun diese UNzähligen, euphorischen Stimmen" zusammen? Haben sich die Leser nicht mal das Buch durchgelesen? Sich nicht mit den Charakteren, Zusammenhängen auseinander gesetzt?"
    Ich beginne dann manchmal sogar - und das ist oberwitzig - an MEINEM Urteilsvermögen zu zweifeln. Warum gebe ich diesem Buch höchstens 3 Bewertungspunkte, wenn andere über lieber mehr als 5 geben würden? Es ist, wie es ist. Den großen Erwartungen, wird manchmal ein richtig schlimmer Tritt verpasst. Man verlässt sich zu sehr auf anderer Leute Urteil, will auch mitreden können (mit der gleichen Meinung natürlich). Doch dann nimmt man sich der Geschichte an und merkt, das klappt irgendwie nicht.
    Und verbiegen lassen sollte man sich nicht. Sonst bräuchte ich doch kein Buch mehr selbst zu lesen.

    Also bewerte ich auch weiterhin so, wie ICH mich beim lesen fühle und nicht wie es die Masse vielleicht von einem erwartet.

    Ein toller Beitrag zu einer Rubrik, die ich mir zukünftig mal öfters anschauen möchte.


    LG

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