Rezension: Beichten eines Reformators von Patrick Maak

10 Februar 2013 |

Zum Buch

Format: eBook
Seiten: ca 258
ASIN B0098YYO3I
Preis: 2,99 €

Willkommen in der
neuen hippen Kirche

Die Kirche von Christian Sauer hat schon bessere Tage gesehen. Seit es ihm in das kleine verschlafene Billerbeck, in der Nähe von Münster, verschlagen hat, versucht er alles um seine Gemeinde und das Kirchengebäude beisammen zu halten. Denn nicht nur das Kirchschiff modert und verfällt vor sich hin, auch seine wenigen fleißigen Kirchgänger haben es nicht mehr lange, bis sie ihr letztes Gebet gesprochen haben. Und von einer neuen Generation, braucht man gar nicht erst sprechen. Als wären das noch nicht genug Probleme, droht nun auch noch die Schließung der katholischen Kirche Billerbecks und seine Gemeinde wird mit der Nachbargemeinde und ihrer neu sanierten Kirche zusammengelegt. Im Endeffekt bedeutet es auch seine Versetzung und das Zurücklassen seiner heimlichen Freundin Maren, die nicht bereit ist ihm zu folgen.
Und plötzlich kommt die Idee. Edith, eine Rentnerin, die sich mit Leidenschaft um die Blumen der Kirche kümmert und mit ihrem Alter noch geistige und körperliche Fitness aufweist, erzählt Christian über eine Gemeinde, die mit Hilfe von einer PR-Agentur wieder Leben in die Bude gebracht hat. Nach anfänglicher Skepsis entschließt er sich Markus Schlächter aufzusuchen um seiner Hilfe die Kirche wieder hip und attraktiv für die Jugend zu machen. Doch was anfangs noch mit Flyern, die einen Comic-Jesus abbildet, anfängt, steigert sich immer weiter in eine Werbekampagne, die jegliches klassisches Marketing in den Schatten stellt und den kreativen Größenwahn seiner PR-Beraters Tragfläche bietet.

PR und Kirche geht das zusammen? Ein kapitalistisches Prinzip, zur Gewinnsteigerung um den Kunden an sich zu bieten, Interesse zu wecken und somit seinen Bekanntheitsgrad zu erweitern, auf eine Kirche angewendet? Ungewöhnliche Idee, die durchaus gar nicht so wenig Potenzial hat Realität zu werden oder etwa nicht?
Patrick Maak lässt dieser Idee in seinem Roman „Beichten eines Reformators“ freien Lauf und schafft ein gleichzeitig humoristisches wie satirsches Werk über Werbewahnsinn und der heutigen Probleme der Kirche. In einer Zeit in der die Kirche immer mehr Attraktivität einbüßt, vor allem bei der Jugend, braucht es neue Tricks um die Leute in die oftmals verstaubte Kirche zu locken. Wie geht das besser, als sich mit modernen medialen Techniken aus der Wirtschaft? Natürlich nichts... hat ja in einer anderen Kirche auch schon funktioniert, meint Edith und überredet den katholischen Pfarrer es doch einfach mal zu probieren.
Und plötzlich findet man sich als Leser in einer aberwitzigen Geschichte wieder, die mit dem klassischen Bild eines katholischen Pfarrer so gar nichts zu tun hat. Denn Bruder Sauer ist alles andere als konservativ. Nicht nur von seinen Ansichten, sondern auch schon daher, dass er als keuscher gläubiger Katholik keine Frau haben dürfte, aber trotz allem mit seiner Freundin Geschlechtsverkehr betreibt. Schon allein dieser sympathisch unkonventionelle Christ, der uns die Handlung über den Weg seiner Kirche seit der Umstellung der PR erzählt, trägt viel an der Tiefe und dem Humor des Romans bei. Seine Art, gepaart mit witzigen Vergleichen, manchmal bösen Sarkasmus, lassen dem Leser die Gefühlswelt und Persönlichkeit des katholischen Pfarrers erleben, der verzweifelt versucht Leben in seine verstaubte Kirche zu bekommen.
Und genau diese vielschichtige und greifbare Charakter trägt den Roman in seiner ganzen Fülle und stellt das Zentrum der überspitzen Geschichte da. Plötzlich wird dem Wahnsinn der Werbeindustrie freien Lauf und dem Chaos beginnt. Und die Anspielungen an gewisse Werbungen werden immer deutlicher. Das ganze Spektrum schlägt sich nieder und dem Leser bleibt einfach nichts mehr anderes übrig als schallend zu lachen, während man zwischen den Seiten immer wieder die psychologisch ausgetüpftelten und Reizüberflutung des Konsumenten. Die Anglizismen überfliegen sich und jeder folgt dem Hype.
Die Kirchenkritik kommt bei den ganzen Spektakel, dem Relaunch der Kirche im beschaulichen Örtchen, nicht mal zu kurz. Nein, die Problematik und fehlende Selbsterkenntnis wird auf ihre Spitze getrieben, ironisiert und gar ins Gegenteil verkehrt.
Ein Drahtseil für einen Autor, ein Drahtseilakt, den Patrick Maak ohne Probleme meistert. Mit gekonnter Feder, stilsicheren Pointen, einer eigenen verquerten, bitterbösen und doch tiefsinnigen Art, schafft er einen vielschichten Roman, der nicht nur zum Schmunzeln, sondern oft zum Lachen einlädt. Sympathische Charaktere, die ihren vorgegebenen Klischees und Rollen nicht so recht gerecht werden wollen, paaren sich mit aberwitzigen Figurenkonstellationen, deren Verhältnisse zueinander mehr als nur eine Überraschung bergen. Sei es die Journalistin der Lokalzeitung oder die Sekretärin mit den zu kurzen Rock. Hinter ihnen verbergen sich Persönlichkeiten, die man auf den ersten Blick nicht vermutet, die den Leser immer wieder überraschen und durch ihre Eigenwilligkeit, Leben eingehaucht wird.
Und zu allem Ende, findet Patrick Maak, einen würdigen Abschluss, der ohne zu viel Pathos, aber doch mit viel Witz und Charme daherkommt.

Fazit

Mit "Beichten eines Reformators" hat Patrick Maak einen satirischen Roman geschaffen, der die PR-Branche und die Leblosigkeit der heutigen Kirche in den Fokus rückt, ohne zu humoristisch oder ernst zu sein. Witzig, sympathisch und unglaublich ehrlich geschrieben. Ein Werk mit Tiefgang und für die Lachmuskeln gleichermaßen.

★★★★

Kommentare:

  1. Hallo Sky,

    schön, dass Du wieder da bist, hatte Dich schon vermisst.

    Nette Geschichte, nach dem Motto wohl Pfarrer sind auch nur normale Menschen und keine Übertiere.

    Schönen Sonntag und noch eine schöne Faschingszeit..LG..Karin...

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  3. Hallo Sky,
    ein sehr interessanter Blog. Die Rezension habe ich mit Interesse gelesen. Vielleicht interessiert Dich auch meine erste Rezension. buchgespuer.blogspot.de (jetzt die richtige Adresse, ich dachte vorher, es sei .com :-) )

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