Hinter dem Buchdeckel: Ein Buch, zwei Zielgruppen

14 März 2013 |

Manchmal gibt es vom selben Roman zwei Ausgaben. Aber sie haben nichts gemein, bis auf den Inhalt, der auf den Seiten abgedruckt ist. Grund dafür sind die Zielgruppen, die der Roman ansprechen will.
Es gibt Bücher, die sind für Jugendliche konzepiert worden, sprechen aber Erwachsene genauso an. Was also tun um beide Zielgruppen zu erreichen? Ganz klar, man druckt zwei verschiedene Ausgaben, die unterschiedlich aussehen und aufgearbeitet werden müssen.

Der erste, sofort ersichtliche, Unterschied, ist das Cover. Während im Jugendbereich oft verspielte, knallige und sehr auffällige Cover gewählt werden, sind es im Erwachsenenbereich gerade dezente Buchfronten, die dominieren. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Jugendliche eher nach Cover kaufen, während Erwachsene stärker auf den Inhalt achten. Zudem lesen Erwachsene auch in Bus und Bahn, so dass ihre Umgebung die Optik erkennen kann. Da man sich nicht die Blöße geben will, sollte es daher unauffälliger sein, während Jugendlichen Auffälligkeit wiederum sehr wichtig ist. Dadurch entsteht ein Unterschied in der Präsentation der einzelnen Werke.
Um den Kunden ansprechen zu können, wird auch der Klappentext umgeschrieben. Klappentexte von Jugendbüchern klingen oftmals sehr episch und pathetisch um möglich großartig zu wirken, während die für Erwachsene abgeschwächt sind und Spannung auf einer sachteren Ebene versprechen. Sie fallen nicht mit der Tür ins Haus, während bei Jugendbüchern die Inhaltsangabe auf der Innenseite des Romans mit sehr viel Spannungserzeugung arbeitet um eine schnelle Emotionalität beim Leser zu erreichen. Das ist bei Erwachsenen nicht so ausschlaggebend. Ihnen ist die Thematik wichtiger, so dass diese stärker betont wird.
Passend dazu ist der Roman meistens ins zwei unterschiedlichen Verlagen untergebracht. Vor allem bei der Gruppe Randomhouse fällt diese Methodik massiv auf. Was im Jugendbuchverlag cbj erscheint, gibt es öfters auch im Goldmann Verlag. Beide haben zwei verschiedene Kundenkreise und passend für ihren Verlag, gestalten sie ihre Bücher in zwei verschiedene Richtungungen, obwohl sie inhaltlich total gleich sind.

Aber diese Trennung von Erwachsenen oder Jugendlichen muss manchmal gar nicht bestehen. Manchmal möchte man zwei komplett unterschiedliche Typen schlichtweg ansprechen. Ein Roman, der Gothic-Elemente besitzt und daher für dessen Szene ansprechend ist, kann gleichzeitig vielleicht für Fans einer anderen Ausrichtung und eines anderen Lebensstils passend sein. Dies verlangt auch unterschiedliche Präsentationen um die Leute dazu zu bringen, das Werk zu kaufen und zu lesen.
Beliebtes Mittel sind hierbei auch Titel- und Coveränderungen. Was vorher mehr auf Männer ausgerichtet war, beispielsweise ein Epos das im Mittelalter angesiedelt ist und auf seinem Cover einen heroischen Helden ablichtet, kann schnell auf die Gruppe der Frauen umgeschlagen werden, indem der Mann durch eine Frau ersetzt wird, die vielleicht die wichtige Gefährtin des Helden darstellt. Beide Personen zusammen können dann wieder dazu führen, dass der Kundenkreis sich auf männlich und weiblich beziehen kann. Vorraussgesetzt, dass der Inhalt selbst diese Erweiterungen im Kundensegment zulässt. Solche "Verweiblichungen" von Literatur sind gar nicht so seltsam wie man glaubt.
Beim Titel verhält es sich ähnlich. Vorher vielleicht verschachtelt um interessant zu wirken, wird er vereinfacht um Leser anderer Absatzschichten anzusprechen. So wird aus einem orginaler Titel, der bestimmte Leser abschreckt, da er zu hochtrabend klingt, geändert zu einen einfachen, der Ähnlichkeit mit anderen Werken solcher Machart hat. So werden Leser angereizt trotz allem zu dem Roman zu greifen, obwohl sie ursprünglich nicht die Zielgruppe der Publikation sind.

Eine Sonderform sind die Lizenzausgaben. Lizenzausgaben sind Bücher, die in einer bestimmten Auflagehöhe bei einen anderen Verlag oder im Rahmen eines Buchclubs erscheinen. Diese Form hat das Ziel den Kunden an sich zu binden, durch günstige Lizenzausgaben, die sich meistens nur in einem Unterschied: der Umschlag. Dieser ist verändert und auch die Formatierungen werden oftmals vom Originalwerk komplett vom Verlag übernommen. So bald diese Auflage verkauft ist ist, ist auch die Lizenzausgabe ausverkauft. Die dadurch geschaffenen günstigeren Werke zum "Original" aus dem eigentlichen Verlag, bringt die Kunden dazu öfter bei dem jeweiligen Buchclub einzukaufen, sodass auch andere Bücher in den Warenkorb landen können, die keine Lizenzausgaben sind.

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum ein Roman in zwei Variationen erscheint. Doch alle haben sie eins gemeinsam: Neue Kunden zu gewinnen und Zielgruppen zu erweitern.

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner und anregender Beitrag! Allerdings fehlen mir die Beispiele?
    LG

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    1. Beispiele im Schnellverfahren:

      Harry Potter (es gibt eine Adult Edition)
      Die Chroniken von Narnia (im Englischen gibt es Versionen, die für Kinder gemacht sind und welche für Erwachsene. Bei den Erwachsenen wurden Illustrationen entfernt um den Büchern das Kindlich ezu nehmen)
      Sieben Minuten nach Mitternacht von Patrick Ness (Beim Goldmann Verlag erschien eine Version für Erwachsene, im cbj Verlag eine Version für Jugendliche)
      Die Bücherdiebin von Markus Zusak (auch hier gab es zwei verschiedene Ausgaben)

      Die Sturmkönige-Trilogie von Kai Meyer. Wenn man sich den ersten Coverentwurf der Taschenbuchausgabe anschaut und dann den Zweiten, merkt man den Unterschied. Das eine war sehr männlich, das andere sehr weiblich. Man wollte eine gezielte Verweiblichung.

      Bei Titeländerung wie Coverredesign würde ich mir einmal "Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick" von Jennifer E. Smith ansehen. Der neue Titel lautet: Punktlandung in Sachen Liebe. Macht schon einen massiven Unterschied im Auftreten.

      Bei Lizenzausgaben brauchst dich nur bei Weltbild oder Club Bertelsmann umsehen. Dort findest du sie sie in Hülle und Fülle.

      Es gibt wahnsinnig viele solcher Phänomene. Wen man sich genau umsieht, findet man viel. Sehr viel sogar!

      Aber freut mich, das dir mein Beitrag gefallen hat.

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    2. Jaaa sehr schöner Beitrag aber mir persönlich hätte der Beitrag mit bildlichen Beispielen vieeeel besser gefallen^^

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    3. *grins* leider muss man wahnsinnig auf das Copyright ja immer aufpassen... das wollte ich nicht riskieren ;)

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