Hinter dem Buchdeckel: Warum sind Jugendbücher so teuer?

03 März 2013 |

Von allen Büchern, die auf dem deutschen Markt angeboten werden, sind es gerade die Jugendbücher, die die höchsten Preise besitzen. Ein Roman für Jugendliche, im Hardcover gedruckt und mit der gleichen Seitenanzahl, ist oft doppelt so teuer wie ein ähnlich strukturiertes Buch im Erwachsenensegment. Die Ausrede, es seien die Kosten, gilt diesmal nicht an dieser Stelle. Aber was macht Jugendbücher dann so teuer? Die Lösung ist ganz einfach: Es sind die Menschen, die den Roman kaufen werden.

Jugendliche sind gerade für die Wirtschaft, einer der Gruppen, die eine Kaufkraft besitzt von der sie profitieren können. Ihr Taschengeld haben sie im vollen Umfang zur Verfügung ohne Sozialabgaben, Versicherungen oder Lebensumstandskosten zu bezahlen. Sie besitzen damit eine Summe an finanziellen Mitteln, die sie ohne Hemmungen ausgeben können, da weder zukunftsorientiertes Sparen vollkommen bis kaum umgesetzt wird, noch sonstige Puffer gebildet werden müssen, die die Kaufkraft der Jugendlichen reduzieren könnte. Kein Wunder also, dass sich die Wirtschaft auf die Jugendlichen stürzt, nicht nur mitunter deswegen, da sie auch eine werberelevante Gruppe darstellen, die besonders für Werbung starkt empfinglich ist.
Es sind also gerade die Zielgruppen, die den Preis des Marktes bestimmen und nicht umgekehrt. Vor allem im Bereich der Literatur gilt dies besonders, da festgesetzte Preise, die Nachfrage der Produkte bestimmen. Eine kaufkräftige Jugend hat daher zur Folge, dass die Preise hochgesetzt werden. Nur warum funktioniert das? Jugendlichen besitzen noch keinen konkreten Lebensstil, ihre Gründe zum Konsum sind daher andere, als die von Erwachsenen. Sie lassen sich leichter von Trends leiten als andere Zielgruppen. Das macht sie anfällig für verschiedene Verkaufs- und Absatzstrategien.

Reihentaktik
Das erste Werk einer Romanreihe besitzt oft einen Art Einführungspreis. Es ist oft das günstigste Werk der jeweiligen Reihe, die man als Leser beginnt. Mit steigender Seitenzahl, die einerseits Mehrkosten für die Produktion bedeuten, und Anzahl von Nachfolgern des ersten Bandes, steigen die Preise drastisch an. Als Leser möchte man wissen wie es weiter geht und gerade Jugendliche müssen der Aktualität und dem Hype folgen, der einen umgibt, um mit ihrer Altersklasse Schritt halten zu können und nicht als Außenseiter zu gelten. Daher lesen sie weiter, auch wenn die Preise mit jedem Werk höher werden und mit jedem weiteren Folgeband, die Umsätze des Verlages steigen.

Popularität
Im Zusammenhang mit der Preissteigerung bei Reihen, spielt Popularität und der Trend eine große Rolle. Bestes Beispiel für ein solches Massenphänomen ist die Harry Potter Saga, die nicht nur an Seitenumfang gewonnen hat, sondern auch deren Preise mit jeden Band in die Höhe geschossen sind. Nicht nur, dass beliebte Werke, teure Lizenzrechte für den Verlag bedeuten, sodass der Kauf des Romans, damit er überhaupt veröffentlicht werden kann, an Kosten zunimmt, sondern auch, weil ihr Hypecharatker ausgenutzt wird, da jeder den Roman lesen will. Der Preis wird erhöht und die Nachfrage wird dadurch nicht geringer, da jeder mitreden will und das Werk einfach gelesen haben muss. Dass es aber nicht nur die Mehrkosten sind, sondern oftmals auch die bewusste Umsatzsteigerung der Verlage, ist nicht immer deutlich zu erkennen, da diese größeren Preise durch Kosten der Beschaffung und Produktion herausgeredet werden.

Verzörgerung von Ausgabenveröffentlichungen
Wer auf eine Taschenbuchausgabe eines Jugendbuchs wartet, wartet gut und gerne mal länger als das übliche Jahr. Diese Verzörgerung und der Unwille günstigere Ausgaben herauszugiben, seien es die Lizenzausgaben bei Buchclubs oder günstigere Taschenbuchausgaben, hat seinen Grund darin, dass Jugendliche bewusst die viel mehr kostende Hardcoverversion eines Romanes kaufen sollen. Da sie den Gesetzen des Trends folgen und dieser bei Jugendlichen länger anhält und betrieben werden kann, wird das Hardcover auf lange Sicht beibehalten. Der andere Grund liegt darin, dass die Zielgruppe ihr Geld voll ausnutzen kann, während Erwachsene andere Einflussfaktoren zu betrachten haben. Das Geld der Jugend ist gleichzeitig reines Geld zum Konsum, nicht aber zum Lebenserhalt. Darum bleibt auch ein Hardcover länger bestehen, da ein Hardcover höhere Einnahmen für den Verlag bedeutet und sie nicht sofort daran denken, dass der Nutzen des Romans gegenüber seinen Kosten eher gering erscheint, als wenn die Ausgabe eine günstigere Taschenbuchversion wäre.

Besondere Gestaltungstaktik
Wer Jugendbücher genauer betrachtet, wird schnell feststellen, dass andere Maßstäbe an deren Gestaltung gelegt werden wie beispielsweise bei Literatur für Erwachsene. Das fängt damit an, dass ein Buch im Jugendbuchsegment ein Eye-Catcher sein muss. Es muss in der Masse der vielen Bücher auffallen und zwar deshalb, weil es mitunter Modecharakter besitzen soll. Da Lesen mitunter mit viel Akzeptanz verbunden sein kann, sollte die Erscheinung möglichst so erscheinen, dass es ohne Problem herumliegen kann und bewundert werden sollte. So wird der Roman zum dekorativen Gegenstand, der sich als Accessoire im heimischen Jugendzimmer eigenet.
Die Gestaltungstaktik betrifft aber nicht nur das Äußere, auch das Innere bekommt ein Facelifting der besonderen Art. Nicht nur, dass Kapitelüberschriften sehr hervorgehoben werden, sondern auch Seitenzahlen und andere gestalterische Details sind stärker vorhanden als bei anderen Zielgruppen. Und als wär das nicht genug, wird einerseits zur künstlichen Seitenanzahlsverlängerung, der Text und der Abstand zwischen den Zeilen vergrößert um optischen den Eindruck zu erwecken, es wäre mehr als es tatsächlich ist. Einerseits löst es beim Lesen aus, dass automatisch ein Jugendlicher meint, er hätte mehr gelesen als er meint und das in einer kürzeren Zeit wie er geglaubt hat, andererseits, dass man für das Geld mehr bekommt als man schlussendlich in der Hand hält. Das der Jugendliche meint, er hätte schneller gelesen, verleitet ihn auch dazu zu dickeren Büchern zu greifen, die natürlich insgesamt wieder mehr Kosten.

Es gibt viele Möglchkeiten den Kunden oder gerade den Jugendlichen zu beeinflussen, weil gerade er sich noch leichter manipulieren lässt als andere Zielgruppen. Diese vier vorgestellten Taktiken sind übliche Marketingstrategien, die angewendet werden, wobei es noch viele mehr Möglichkeiten es gibt die Preise nach oben zu drücken.

Kommentare:

  1. Hmm, das wird aber auch wohl der Grund sein, wieso so viele Buchhandlungen zu Mängelexemplarenstempel greifen, denn viele Bücher kriegen sie einfach nicht anders los.
    Habe erst vor einer Woche Legend, Reckless 02 & Von der Nacht verzaubert für jeweils 3 € gekauft.. Und das bei Büchern, die fast 20€ kosten und so gut wie neu waren.
    Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso gerade so viele Jugendliche ihre Bücher gebraucht kaufen oder ihre Bücher tauschen, weil sie es sich einfach nicht leisten können 4 oder gar 5 Bücher im Monat zu kaufen ..

    Aber ich muss sagen, dass die Preise in letzter Zeit doch in Ordnung waren und viele Bücher Ende letzten Jahres billiger geworden sind, so konnte man gebundene Bücher für 15€ kaufen, was bei den normalen Preisen ja an ein Schnäppchen grenzt ..

    PS: Tolles Thema und toller Beitrag ;)

    Grüße Natalie.

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  2. Ein sehr interessanter Post! Und ich denke, dass es genau so ist! Allerdings merke ich, dass der Trend mittlerweile eher dazu geht, englische (Jugend)Bücher zu lesen. Die sind 1. billiger und 2. schneller erschienen.
    Ich selbst lese seit ein paar Wochen auch lieber englische Bücher. :)
    Vielleicht geht dieser Trend ja irgendwann so weit, dass die Verlage die Preise wieder senken? Ich hoffe es jedenfalls. :)

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  3. es stimmt. und nun greifen wir uns mal an die eigene Nase: Wir regen uns darüber auf, aber trotzdem kaufen wir die Bücher!!!
    Ich gehe lieber in einen Buchladen, wo es mehr Taschenbücher gibt - mehr Buch für weniger Geld.

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  4. Danke für den tollen Beitrag, so viele Gedanken hatte ich mir zu dem Thema noch gar nicht gemacht und auf so viele Ideen wäre ich gar nicht gekommen.
    Die hohen Preise bei Jugendbüchern bringen mich mittlerweile auch dazu, mehr englische Bücher zu lesen. Teilweise habe ich deswegen die ersten Teile einer reihe auf deutsch im Regal stehen und den Folgeband auf englisch. Das ist z.B. bei den House of Night Büchern so. Anstatt 17 Euro für das deutsche Buch zu zahlen doch lieber 7 Euro für das englische :)

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  5. Ich denke, das ist genau das, was jeder auch in der Buchhandlung beobachten kann, wenn er mal vergleicht und ein wenig drüber nachdenkt. Das Preis-Leistungsverhältnis bei Jugendbüchern ist mitunter wirklich nicht das beste, aber nirgends findet man Bücher mit so dicken Seiten, so großer Schrift und so vielen Abständen und Leerseiten, wie bei den Jugendbüchern. Was anderswo nur Mehrkosten bedeutet, wird dort eben genutzt, um mehr Volumen zu erzeugen und damit mehr Inhalt vorzugaukeln.
    Außerdem ist es ja wahr, dass man als Jugendlicher sehr viel unbeschwerter Geld ausgeben kann - man hat halt keine Verpflichtungen. Das Essen bringen die Eltern auf den Tisch, für eine Wohung muss man noch nichts zahlen und der Staat will einem auch noch nicht ans Geld. Deswegen können Jugendliche sich das oft leisten - auch, was ich häufig höre, am liebsten neu und dann für immer ins Regal stellen.

    Da englische Bücher für mich aber nur phasenweise eine Alternative sind, bin ich fast vollständig aufs Tauschen und Leihen umgestiegen. Dabei würde ich bestimmt mehr Jugendbücher kaufen, wenn es sie als Taschenbücher gäbe...

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  6. Die großen Preisunterschiede sind mir bisher nicht wirklich aufgefallen. Vielleicht weil ich mich seit langem im Jugendbuchgenre rumtreibe und mich schon an die Preise gewöhnt habe.
    Zu Verzögerungen kann ich nur sagen, dass Autoren, Lektoren und sonstiges Verlagspersonal auch nur Menschen sind. Dort werden auch mal Kinder krank, es stirbt ein Verwandter oder weiß der Geier was. Ich war vor kurzem zu Gast beim Arena-Verlag. Dort haben wir uns auch über diese Thematik unterhalten. Es ist nicht immer alles mutwillig und hat daher meistens ganz normale Gründe, die jeder einzelne von uns nachvollziehen können sollte.
    Es steckt unfassbar viel Arbeit in einem Buch, bis wir es endlich in der Hand halten. Die Versuchung ist wirklich groß, voreilige Schlüsse über ein bestimmtes Buch zu ziehen und es in der Rezension abzustrafen oder über den Preis zu meckern, aber bitte vergesst nicht, dass sich Leute hier unglaublich viel Arbeit machen. Dass sie am Ende noch etwas daran verdienen wollen ist nur gerecht aus meiner Sicht. Die meisten Bücher, die ich neu gekauft habe, waren ihr Geld allemal wert.

    Ich möchte kein Spielverderber sein, aber eine Medaille hat immer zwei Seiten.
    Wer möchte denn noch ernsthaft gute Bücher schreiben, wenn sie zu Dumping-Preisen verschachtert werden? Am Ende bleibt uns dann nur noch der E-Reader, das wäre wirklich schade.

    LG
    Anja

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  7. Wir wollen ALLES, aber geben wollen wir nichts oder zumindest nicht viel. Aber Hauptsache 600 Euro für ein iPhone ausgeben, das nichtmal ein Drittel des Preises überhaupt wert ist. Sehr glaubwürdig ^^. Dann zahle ich lieber 20 Euro für ein Jugendbuch =)
    Trotzdem sehr interessante Thematik, die du hier aufwirfst.

    Nochmal LG
    Anja

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    1. Mir ist durchaus klar wie ein Buch entsteht. Ich würde mich beispielsweise nie über die Preis bei Kleinverlagen aufregen oder auch mittelständischen Verlagen, die einfach so hohe Preise brauchen. Natürlich gibt es auch Romane, die größeren Risiko besitzen und auch deswegen höhere Preise besitzen. Warum Bücher teuer sind, kann viele Gründe haben. Es wird auch nicht das einzige Mal bleiben, wo ich über die Preise von Büchern und deren Entstehung spreche.
      Aber es gibt doch Indikatoren bei Jugendbücher, die eben deutlich machen, dass hier Dinge ausgenutzt werden und gewisse wirtschaftspsychologische Taktiken zum Tragen kommen. Stärker als normal.
      Beispielsweise die Verzörgerung von Taschenbuchtiteln. Das Werk ist schon fertig vorbereitet, muss nur noch auf den kleineren Druck umgestellt werden. Das war es. Höchstens vielleicht noch Fehler, die aufgefallen sind, ausbessern. Aber das würde man bei Neuauflagen eh machen. Ich finde, da zählt das Argument nicht wirklich, dass die, die am Buch arbeiten, länger brachen als es der Plan vorgibt. Da würde ich keinen Vorwurf machen, keineswegs! Manches klappt einfach nicht wie es klappen soll... es ist doch mennschlich. Würden Jugendbuchverlage auf mehr Taschenbücher als Hardcover setzen, wären die Umsätze, meiner Meinung nach, höher.
      Das ein Autor sein Werk nicht zu Dumpingpreisen anbieten sollen, ist mir vollkommen klar. Teilweise wird aber ein Preis veranschlagt, den sich keiner mehr leisten kann und will.

      Natürlich gibt es zwei Seiten, aber jede Seite hat ihre Berechtigung. Was von außen vielleicht gewissen Gründe hat, besitzt verborgene, die eben nicht jeder sieht. Und darum gings mir hier hauptsächlich. Es wird aber zum Thema noch andere Beiträge geben, zumindestens habe ich da etwas geplant (auch zu gunsten der Verlage und nicht nur dagegen)

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  8. Hallo alle Zusammen,

    dass Problem ist halt auch das viele Jugendbücher von Jugendlichen zum Teil auch gar nicht gelesen werden. Bevor jetzt ein Aufschrei kommt. Sorry , aber wo gibt es noch wirklich Jugendbücher.

    Junge Erwachsene mit eigenem Einkommen.O.K. Bei 20-30 Euro im Monat Taschengeld ist doch für eine normale Leseratte nicht viel drin oder? Tauschen, Mängelexsemplare oder die Hoffnung auf das gute alte TB.

    Kino, Süßigkeiten will man sich auch mal leisten oder zum Mc.

    LG..Karin...

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  9. So ein kurzes Beispiel Das Unkrautland von Stefan Seitz 1.Teil November 2010 als gebundene Ausgabe für 14,99 Euro.

    Jetzt gibt es das Gleiche als TB für 7,95. Wieso kann man die Käufer/innen nicht selber entscheiden, ob gerne Gebunden oder als TB.

    Etweder kauf oder warte, lieber Leser/inn, Käufer/inn so ein Diktat finde ich persönlich nicht toll.

    Und die Verlage brauchen sich da auch nicht zu wundert, wenn weniger gekauft wird.

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