Zerrissene Seiten: Noch ne Literaturverfilmung!?

24 März 2013 |

"Ich hab Neuigkeiten! Du wirst es nicht glauben. Du wirst es nicht glauben!"
"Was denn?"
"Der Roman wird verfilmt. Er wird verdammt nochmal verfilmt!"
"Ich habe es doch noch nicht mal gelesen... Gibt's das nicht erst seit einer Woche oder so?"
"Ja! Es ist toll, du musst es noch lesen... nächsten Monat kommt schon der Film."
"Aber... ich... was? Ernsthaft?"

So oder so ähnlich, ergeht es mir momentan gefühlt täglich. Es gibt keinen Roman mehr, der nicht verfilmt wird. Und noch schlimmer, es geschieht so schnell, man kommt gar nicht hinterher die Vorlage vorab zu lesen. Auf den Markt geworfen, zum Bestseller gehypt und ab damit nach Hollywood. Ob jetzt das Buch für die Leinwand geeignet ist, ob man selbst es überhaupt auf der Leinwand sehen will, interessiert nicht mehr. Hauptsache es gibt den Roman, der aus Wörtern besteht, der Bilder im Kopf schaffen sollen, in den Kinosälen oder daheim auf dem Sofa.

Für einen Autor ist eine Verfilmung wie ein Sechser im Lotto. Die Rechte, die er verkauft, bringen ihm viel Geld ein, dass er so, über den reinen Buchverkauf, gar nicht erlangt. Zudem wird durch jede Literaturverfilmung gleichzeitig auch der Verkauf der verfilmten Vorlage angekulpert, sodass ein Jeder von dem Geschäft provitiert. Welcher Autor würde also schon "NEIN! AUF KEINEN FALL!", schreien, wenn man an seine Tür klopft und nach dem Filmrechten bettelt. Autoren sind eh grundsätzlich unterbezahlt, wie alle Künstler es irgendwie sind.
Doch mittlerweile wird die Kinolandschaft überschwemmt mit Buchverfilmungen jeglicher Art. Egal ob Sachbuch, Thriller, Romanze oder etwas komplett anderes. Alles muss projektziert werden, was einigermaßen Erfolg hatte. Unwichtig wie gut umgesetzt das Ganze ist oder nicht! Doch die Idee stammt nicht mehr aus einem ausgeklügelten Drehbuch, das ein Drehbuchautor sich hart erarbeitet hat, sondern aus einer Adaption eines Werkes. Einem Transkript des Romans, gekürzt auf die Bildfolgen, die unser Auge treffen sollen. Die cineastische Kultur ist nicht mehr Kunst, die sich selbst schafft, sondern die Übersetzung von Wörtern in Bilder. Sie schafft nichts mehr, sondern reproduziert und so verkommt der Film zu einer Kurzfassung eines Eposes, dessen sie eigentlich nicht mächtig ist.
Und zudem, wer kann schon behaupten, jemals richtig zufrieden mit einer Buchverfilmung gewesen zu sein? Eingefleischte Leser und Fans eines Werkes, werden eh den Film boykottieren und ihn soweit herabstufen wie es geht. Aber um die geht es nicht. Wir, als Leser, sind in diesem Zusammenhang nicht so wichtig.
Die Hauptzielgluppe sind die Nichtleser und so wird ein Werk schmackhaft für alle Leseverweigerer, die es ja auch geben muss, gemacht. Und wir werden alle glücklich, egal ob Leser oder Kinogänger. Wir sind plötzlich eins! Unsere Lieblingsgeschichte kennen wir plötzlich beide! Wobei sich Leser oder Filmliebhaber ja doch oftmals nicht umbedingt lieb haben.
So utopisch wird es wohl nicht werden, aber trotz allem ist die Flut an Buchverfilmungen erdrückend. Hat Hollywood keine Ideen mehr oder warum nimmt man mittlerweile alles vom Grabbeltisch der Literatur und packt es in die Kamera? Leider vergeht dann oftmals die Lust auf den Roman, weil entweder der Film nicht gut war, oder man nicht mehr die Handlung nochmal durchkauen möchte, obwohl vielleicht die Grundhandlung dieselbe, nicht aber die Umsetzung von Roman oder Film sich ähneln.
Dabei sind es heutzutage nicht nur Kinospielfilme, die aus Buchseiten gemacht sind, es sind auch Serien wie "True Blood" oder "Games of Thrones", die ihren Ursprung und ihre Handlung aus Reihen beziehen. Hier wird weniger gekürzt und trotz allem verändert.
Und gerade diese Veränderungen machen es schwierig noch von richtigen Verfilmungen zu sprechen. Sind es überhaupt noch Verfilmungen oder sind es eigene Kreationen, geschöpft und inspiriert von Werken anderer? Oftmals ist es unterschiedlich, einzelne Szenen sind zugefügt, andere dafür entfernt, seitens des angeblichen Willen des Zuschauers. Dem Roman wird dann nicht mehr gerecht und man weicht von dessen Spielplan ab.
Ist dann eine solche Buchverfilmung dann überhaupt noch sinnvoll? Die Frage darf sich jeder stellen. Doch egal, ob man Fan der Serie oder Fan des Werkes ist. Hauptsache die Handlung wird bekannter. Und irgendwie scheint es doch viel wichtiger zu sein, als die Verfilmung oder der Roman selbst.

Kommentare:

  1. Hallihallo Christian,

    ich würde nicht unbedingt sagen, dass heute so viel mehr Buchverfilmungen auf den Markt kommen als früher. Das war schon immer Gang und Gebe und so übel finde ich es nun auch nicht. Was mich stört - und das hast du ja auch kritisiert -, ist, dass offenbar nicht mehr wirklich ausgewählt wird: Buch auf den Markt, Hype, Film, passt - die Kassen klingeln. Je einfacher die Vorlage, desto besser. Darum muss auch jeder noch so billige Jugendroman aus den USA gerade herhalten. Man engagiert die stümperhaftesten und unbekanntesten Schauspieler, die man finden kann (weil billig?), der Erfolg ist ja sowieso garantiert, solange nur möglichst viele Leute den Stoff schon kennen.

    Die Veränderungen der Vorlage sehe ich dabei gar nicht so kritisch. Oftmals ist sie sogar notwenig, damit man den Film versteht, auch wenn man das Buch nicht kennt. Das ist meiner Meinung nach nämlich das eigentliche Problem an der Sache. Bücher haben ganz andere Möglichkeiten als Filme und umgekehrt arbeiten Filme ganz anders als Bücher. Das eine eins zu eins in das andere zu transferieren, ist schlichtweg einfach nicht möglich. Und das ist die Schwierigkeit, an der so viele Verfilmungen scheitern. Die Fans wollen nichts anderes sehen, als sie kennen, und die anderen verstehen die Zusammenhänge ohne Hintergrundwissen einfach nicht. Zurück zum früher: Vermutlich sind älterer Verfilmungen einfach durchdachter, hatten die Möglichkeit, sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Das geht aber heute oft gar nicht, denn der Film muss ja raus, bevor der Hype vorbei ist. Zudem kann ein Film, der sich so nah wie möglich an der allzu flachen Vorlage bewegt, auch kein filmisches Meisterwerk werden.

    Lange Rede, kurzer Sinn, das Thema ist echt komplex! ;)

    Liebe Grüße
    Sandy

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    1. Und ich geb dir in allen Punkten recht! Wobei es für Jungschauspieler ein Karrieresprungbett werden kann (manchmal leider auch das Gegenteil, weil sie festgefahren auf diese Rolle sind. Robert Pattinson hat es beispielsweise geschafft, sich von der Rolle zu lösen. Andere Schauspieler schaffen es leider nicht immer)
      Es ist wirklich kein leichtes Thema, weil viel zusammenspielt und viele Faktoren zusammenhängen. Aber ich finde es ist es mal wert, hinzuschauen.

      Aber wir haben beide die gleiche Meinung :)

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  2. ja. leider...
    und die Filme werde immer schlechter. Oder so gehypt, dass es nur schlecht sein kann... ich weiß nicht, wie wäre es mal mit einem guten Film, gut geschauspielert, mit neuen Darstellern, wo das alles NICHT aus einem Buch hervorgeht??

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  3. Hallo Sky,

    ich war gestern in "Les Miserables" der jetzt ja auch verfilmt wurde mit wirklich guten Schauspieler wie Russel Crow und Hugh Jackman. Es war jetzt eher als Musical angelegt, denn es wurde fast nur gesungen, aber mit sehr viel Leidenschaft und Inbrunst, was aber nun nicht Jedermannsgeschmack. Manchmal war es schon etwas nervig, aber trotzdem kam die Zeit und das ganze Leben/Leiden der Menschen sehr gut rüber. Und am Ende musste ich weinen.....
    Hat echt einen bleibenden Eindruck hinterlassen bei mir....


    Also meine Empfehlung für eine gute Buchverfilmung.
    Habe jetzt noch das Buch zum Schmöckern

    LG..Karin...

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  4. Hey Sky,
    Ja, ich komm auch gar nicht mehr mit mit dem Lesen ^^ Immer wieder wird bekannt gegeben, dass ein Buch verfilmt wird. Besonders schlimm fand ich das ja aber bei "Legend". Kaum ein paar Monate draußen, schon will man es verfilmen...
    wahrscheinlich werde ich aber eh in alle Buchverfilmungen reingehn, weil ich einfach zu neugierig bin und die leise Hoffnung habe, dass vielleicht nicht jede so schlecht ist :)
    Deine zerrissenen Seiten finde ich eh immer wieder klasse! :)

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