Zerrissene Seiten: Erotisierte junge Erwachsene?

28 April 2013 |

Eigentlich war ich immer der Meinung das Jugendliche, zumindest in der Literatur, Küsschen rechts, Küsschen links und vielleicht mal einen leidenschaftlichen Zungenkuss als das Höchstgefühl ihrer Liebe empfinden und dann erstmal aufhören bis sie später, in der Erwachsenenabteilung ihre Bücher kaufen und schon ein gewisses, erfahrenes Alter erreicht haben. Sie treibt dann die sexeulle Verzweiflung zu neuen Praktiken. Weit gefehlt! Nicht nur, dass es in den Medien heißt, die Jugend hätte immer früher Sex, was sie wiederum gleichzeitig oft relativiert, sondern wird jetzt eine ganze literarische Revolution geschaffen. Was früher "Shades of Grey" für verzweifelte Hausfrauen war, ist heute erotische Literatur für junge Erwachsene.

Wie passt das zusammen? Jugendlichkeit und Erotik? Gibt es sowas? Ist sowas möglich? Die heutige Literaturwelt ist da einer Meinung: "Das geht sowas von!" Nicht nur, dass Amerika, als Vorreiter jeglichen westlichen kapitalistischen Revolutionsgedanken, schon ihre ersten Ikonen gefunden hat wie Colleen Hoover oder Jamie McGuire, nein sie produzieren es mittlerweile in Massen. Junge Erwachsene? Was lesen die heute? Natürlich die besten erotischen Romane, die es heutzutage überhaupt gibt! Der kinky Christian Grey, wird durch einen heißen Studenten ersetzt und fertig ist das Setting mit viel Drama, viel Tragödie und ganz viel Sex. Nicht mehr nur der Millionär treibt es bunt und macht die unglaublich aussehende, von ihrer Schönheit nichts begreifende, Literaturstudentin ganz wild, sondern jetzt greift sich auch das Frischfleisch, die an den Campus eingetroffene, unerfahrene High School Absolventin, den durchtrainierten Footballspieler, der gar nicht so blöd ist wie man anfangs glaubt. Und was der für einen Body hat! Da schmelzt sie einfach mal in seinen Armen dahin und lässt die Hände über sich krabbeln.
Wer dachte, Jugendliche laufen schon rot an, wenn sie nur über küssende Charaktere lesen, die vielleicht ein bisschen fummeln, schaut heute wohl eher erstaunt drein, wenn jemand einfach mal die Sexpassagen aus den Lieblingsbuch vorliest, selbstbewusst und ohne jegliche Scham. Da staunt die Mutter, die glaubte, ihre Tochter wäre so prüde!
An sich ein wirklich toller Trend, oder? Endlich schafft man es das junge Charaktere, für ein junges Publikum, nicht nur verklärt Händchen halten, sondern dass sie auch mal das tun, womit man mit einen gewissen Alter einfach beginnt: Seine Grenzen austesten, auch in sexueller Natur.
Aber was sind verdammt nochmal "Junge Erwachsene". Irgendwo ist doch der Haken, wenn Kinder- und Jugendbuchverlage Imprints schaffen, die sich nur am Geschlechtsakt der jungen Generation orientieren. Sollte eine Vierzehnjährige zu einem Shades of Grey-Pendant greifen? Sind es die, die schon volljährig sind und ihre Pubertät zumindest glauben, hinter sich gelassen zu haben? Ich glaube keiner würde eine Vierzehnjährige vor einen Hardcorepornostreifen setzen, oder?
Obwohl so übertreiben muss man es auch wieder nicht. Keines dieser Bücher ist gleichzeitig so anzüglich, dass man es mit der Pornoindustrie ohne jegliches Gefühl vergleichen muss. Es geht doch immernoch um viel Liebe, viel Leidenschaft und jetzt kommt halt nur das hinzu, was die Folge der heutigen modernen Gesellschaft ist. Man hat Sex, unverheiratet, wild und keiner beschwert sich darüber. Warum also nicht einen literarischen Rahmen für diese von Zwängen und Normen befreite Jugend schaffen?
Außerdem, so einen heißen Collegestudent mit seinen sexy Augen und umwerfenden Körper, den wünscht sich doch insgeheim jedes Mädchen ab 16 Jahren in seinen Bett und da wird sicher nicht nur nett geredet und gekuschelt. Weder in der Phantasie der Sechszehnjährigen, noch in der ungeschönten Realität des Lebens. Die wird gerne mal mit ihrer Hand ein bisschen herumtasten. Was anderes zu denken, wäre blanke Selbstironie und würde von Verfremdung gegenüber der Realität zeugen. Ich hoffe es gibt keine Eltern, die wirklich glauben, wenn der Freund über Nacht bleibt, wird nur geküsst.
Trotz allem bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Wo sollte so ein Roman stehen? Zwischen Twilight und den Tributen von Panem, oder vielleicht doch in der Erotikabteilung zwischen "Nimm mich!" und "Bestraf mich!"? Irgendwie wirkt er überall deplatziert. In der einen Ecke hat er nichts zu suchen, da auch die Jüngeren dazu greifen (auch wenn in Twilight im letzten Band ins Kissen gebissen wird und das Bett beim Akt zusammenkracht. Bella bekam ja danach auch nicht mehr genug. Vielleicht ist der Roman doch nicht so verkehrt dort aufgehoben...) und in der anderen fühlen sich die Hardcoreleser von der doch eher seichten Sexlektüre untervö...fi... unbefriedigt!
Ja und wohin soll man das gute Stück jetzt stellen? Gute Frage, vielleicht einfach mal das Fach für "Junge Erwachsene" erfinden. Mittlerweile hat die Wirtschaft erkennt, dass es noch eine Zielgruppe zwischen Erwachsenen und Jungendlichen gibt, die ganz eigene Ansprüche hat. Warum jetzt gerade die Verlage die Bücher herausbringen, die gleichzeitig Kinderbücher produzieren, lässt einen erstmal staunen, ist aber absolut nachvollziehbar und schlussrichtig.. Es gibt die Erwachsenen und den Rest. Den Rest machen eben halt die Kinder- und Jugendbuchverlage. Eltern haften für ihre Kinder, und sind wir mal ehrlich, der Klappentext und die Leseprobe macht doch wohl deutlich, wer die Romane lesen sollte und wer nicht, oder? Und selbst, wenn sie es heimlich unter der Bettdecke lesen... lieber auf die Art und Weise (es wird doch eh schon so wenig gelesen von der Jugend von heute) als über irgendeinen Internetstreifen, der jegliche Moral auf Fleischbeschau reduziert. Zudem muss stark bezweifelt werden, dass überhaupt die Jüngsten auf die Repräsentation solcher Bücher überhaupt reagiert. Die meisten Leser solcher Bücher, haben die Volljährigkeit doch eh schon überschritten. So viel Ehrlichkeit muss ein.
Diese Bücher produzieren erotisierte junge Erwachsene! Das mag vielleicht jetzt der Erzkonservative denken, der beim Beischlaf das Licht ausmacht, weil es frivol sein könnte, die Frau nackt zu sehen.
Falsch, sie waren schon vorher erotisiert, auf eine ganz normale Art und Weise, aufgrund ihrer Entwicklung und enstehenden Sexualität, nur jetzt haben sie ihre Phantasien in Buchseiten gebannt. Und Erotikliteratur für Leute, die ihre Sexualität entdecken? Klingt verdammt gut, sexy und modern, oder etwa nicht?

Kommentare:

  1. Interessant, interessant und auch sehr gut und teilweise zum Schmunzeln einladend geschrieben. :) Mir ist nur das Ende noch nicht so bewusst. Bzw. die Aussage, die du nun eigentlich damit als Fazit treffen willst...
    Aber soweit, so gut, auf jedenfall eine spannende Sichtweise auf die Dinge.

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    1. 1. Es gibt keine Aussage, damit man selbst entscheiden kann.
      2. Meine persönliche Meinung ist: Ich empfinde ich es eigentlich gut, aber es hat auch seine Probleme. Also an sich weder befürwortet, noch explizit dagegen.

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  2. Mh ein sehr interessantes Thema und natürlich aktuell.
    Ich hab nicht wirklich deine Meinung rausgelesen. Bist du nun gegen dieses, sagen wir ... Genre ... oder dafür?

    Ich hab absolut nichts gegen diese Bücher und ich muss zugeben, dass Shades of Grey eines meiner Lieblingsbücher ist. Mit meinen fast 19 Jahren werd ich da auch nicht komisch von der Seite angeschaut. Wenn sich ein Mädchen mit 16 dieses Buch zu legt, ist es auch nicht verwerflich finde ich aber ich habe in der Buchhandlung schon 13 oder 14 jährige Mädchen getroffen, die sich über Anas übertriebene Reaktion, auf Schläge mit dem Gürtel, unterhielten. Da dache ich mir auch erst mal "ooookay".

    Am Ende ist es eher die Schuld der Eltern, die es ihren Kindern erlauben einen erotischen Roman zu lesen. Kann man es verbieten? Nein aber man kann es wenigstens versuchen.

    Ein schwieriges Thema, wie ich finde und ich tippe stark darauf, dass sich, da die Geister scheiden.

    Liebe Grüße
    Franzi

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    1. Das ist natürlich ein Problem. Zuerst, weil Shades of Grey dein Lieblingsbuch ist (warum? WARUM? :D Nein, kleiner Spaß am Rande). Aber da müssen meiner Ansicht nach, die Eltern auch wirklich schauen, was ihre Kinder tun. Und "Shades of Grey" war ja definitiv nicht für Jugendliche gedacht.

      Meine eigene persönliche Meinung dem Genre "New Adult" (so heißt es in Amerika, soweit ich weiß) ist: Ich empfinde ich es eigentlich gut, aber es hat auch seine Probleme. Also an sich weder befürwortet, noch explizit dagegen.

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    2. Haha :D Ich mag es einfach.

      Ich kenn so einige, die noch nie ein Buch in der Hand hatten außer "Feuchtgebiete" oder "Shades of Grey" ... ob das gerade förderlich für Jugendliche/junge Erwachsene ist ... ich glaube es nicht gerade. Da wird einem ja richtig gezeigt, was wichtig im Leben ist!

      Es ist ja leider so, dass ich viele Eltern entweder einfach nicht dafür interessieren oder aber sich schon freuen, wenn ihr Kind ein Buch in der Hand hat.

      Jeder muss selbst entscheiden, ob man es lesen will oder nicht. Ich verstehe die Leute nicht, die explizit dagegen sind. Keiner zwing sie dazu es zu lesen. Mich nerven ja nur die Vergleiche. Jedes zweite Buch vergleichen sie doch heutzutage mit SoG *seufz*

      Alles hat seine Vor- und Nachteile :)

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  3. Sehr interessanter Beitrag. Also wenn deine Literaturkolumne immer so ansprechend ist, wirst du mich zukünftig öfter hier sehen.

    Und Franzi: "Jedes zweite Buch vergleichen sie doch heutzutage mit SoG". Da Seufze ich mit. Das ist echt nicht mehr auszuhalten. :)

    LG Michael

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    1. Das macht mich immer dezent wütend ^^

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    2. Ich hoffe, ichb ind amit nicht gemeint. Die Vergleiche nerven mich eh immer. Und ja Michael, es ist immer so ansprechend (so sagen es zumindest die Leser :D)

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