English Books Week: Do it in English! But why?

25 Juni 2013 |

Warum sollte ich English lesen?

1. Englisch ist in der Schule mies? Who cares... Englisch lebt man und lernt man nicht!
Wer schon sagt, er liest keine englischen Büchern, weil seine Englischnote so schlecht ist, dem kann gesagt sein: Schulenglisch entspricht bei weitem nicht dem, was man als normales Englisch bezeichnen kann. Einfach mal überliegen wie man beim Bäcker ein Brötchen kauft ohne unhöflich zu wirken oder sich zu blamieren? Wenn der erste Satz ist: "I want a Brötchen" wird jeder englischer Muttersprachler einen eher fragend anschauen. Aber was heißt Brötchen? Und wie macht man es höflich: "I'd like a roll". So klingt es besser. Das lernt man im üblichen Englischunterricht meistens nicht.
Woher ich das weiß ohne jemals englischen Boden betreten zu haben? Über das Lesen von Büchern. Wenn ich heute mit Engländern oder Iren im Irish Pub rede sind sie ganz begeistert von meinen Englisch, von seiner Natürlichkeit. Das ist wahres Englisch und nicht das, was man in der Schule gelernt hat.
Außerdem... wer Englisch liest, der verbessert nicht nur seine Sprachfähigkeit, sondern zugleich auch noch seine Englischnote. Kommt ganz von allein! Und tut nicht mal weh... und dass man dabei was lernt, merkt man gar nicht.

2. Kleiner Geldbeutel? Cheap books for everyone!
Der Geldbeutel ist klein, der Hunger nach Büchern groß? Da kann sich der englische Leser nur freuen, denn er spart bestimmt die Hälfte an Kosten für die Bücher, die er auf den deutschen Markt kauft. Warum das so ist? Erstens unterliegen englische Bücher keiner Preisbindung (siehe auch: Hinter dem Buchdeckel: Preisbindung in Deutschland) wie sie in Deutschland bei deutschen Büchern besteht, sondern sie sind flexibel. Das drückt die Preise nach unten und so kann das Taschenbuch für sonst 9,99 einfach mal für 6 € gekauft werden. Einziger Unterschied: Es ist englische Sprache und keine Deutsche. Ist das nicht ein Argument für das Sparer's Herz? Wenn wir hochrechnen, kann für eine Leseratte, die gut und gerne mal zehn Bücher im Monat liest eine Preisersparnis von (10*10 - 6*10 = 40) vierzig Euro eintreten. Bei Sonderangeboten sogar noch mehr. Und hier gilt nicht das Prinzip: Billig ist nicht gleich schlecht!

3. Nie wieder warten auf schlechte Übersetzungen!
Sprachen haben die Angewohnheit nicht eins zu eins übersetzt werden zu können. Das liegt an den sogenanten Idiomen, also Redewendungen, die nur in dem Land so existieren. Während wir Löcher in den Himmel starren, wächst bei Engländern das Gras unter den Füßen (let the grass grow under your feet). Klingt ulkig für den Deutschen, macht aber Sprachkultur aus. Und solche Feinheiten finden sich nur im Original. Manchmal merkt man erst, welche wahre Bildgewalt ein Autor besitzt, wenn man das "wahre" Werk gelesen hat. Nicht nur für das Alltagsenglisch ungemein praktisch, teilweise unglaublich amüsant und dadurch auch spannend und interessant das Original zu lesen.
Außerdem gibt es Übersetzungen, die einen wirklich erstaunen lassen. "Just fucked up hair" mit "postkoitale Haare" zu übersetzen grenzt nicht nur an teilweise ungewöhnlicher Niveauanhebung des Originals, sondern auch ein wenig an Zerstörung von der Bedeutung des Satzes. Was eher willkürlich und anzüglich klingt, wirkt auf einmal fast wissenschaftlich. Dafür kann der Übersetzer nicht immer etwas, doch es trübt und verzerrt das Auftreten des Originals.

4. Wann kommt denn die Fortsetzung?! The English can read it now!
Und weil man auf schlechte Übersetzungen nicht warten muss, kann man das englische Original lesen. Viel schneller, als es der Leser von deutscher Literatur kann. Das heißt, nie wieder lange warten auf Übersetzungen, Lizenzkäufen deutscher Verlage und vor allem, nie wieder das Problem besitzen, dass eine Reihe einfach beendet wird... weil sie auf dem deutschen Markt nicht luktrativ ist. Man hat einen wahnsinnigen Vorteil, weil man unabhängig ist, wählen kann oder weitermachen, wenn es eigentlich beendet ist. Wer möchte denn schon gerne lange warten müssen oder hoffen, dass es irgendwann einmal eine Übersetzung zu dem Roman geben wird?

5. Design bis zum Abwinken
Für manchen Biblophilen ist das ein Kriterium, was ausschlaggebend ist. Der englische Markt, der nicht durch Preisbindungen reguliert wird, muss sich seinen Erfolg erkämpfen. So wird auch viel Wert auf Präsentation gelegt, sodass individuelle Cover, zugeschnitten auf den Roman, mehr als häufig sind. Was dem deutschen Buchmarkt an Kreativität fehlt, gleicht der englische gleich mal aus. Die schönsten Cover in bester Optik präsentiert und das auch noch günstig und Originalsprache... was will man mehr?

Was ist/war für euch ausschlaggebend auf Englisch zu lesen?

Argumente erfahrener Englischleser

"Wenn die englische Sprache das Original ist, dann kann es bei vielen Romanen dazu kommen, dass sie auf englisch deutlich besser sind. Das fällt vor allem bei humorvollen Romanen auf. Oft werden Begriffe, die für die Geschichte spezifisch sind, fast schon lächerlich übersetzt. Übersetzungen kosten eben manchmal Qualität." - Amelie von Amelies Rezensionen
"Weil die Sprache toll ist? :D Ich denke, es gibt viele Gründe, die dafür sprechen. Mein Grund Nr. 1 ist, dass es sehr viele interessante Bücher gibt, die derzeit nur auf Englisch erschienen sind und die ich nicht verpassen möchte! Ich habe viele wundervolle Bücher gelesen, die es leider bis heute nicht in den deutschsprachigen Raum geschafft haben und finde das ziemlich traurig :/ Deshalb hat man als Englischleser vielmehr Auswahl!" - Tanja von Tanjas Rezensionen
"Zum einen ist es eine tolle Erfahrung, ein Buch zu lesen und zu verstehen, das nicht in der eigenen Muttersprache geschrieben wurde. Das motiviert und macht gleichzeitig unheimlichen Spaß. Dann empfinde ich viele Sätze und Ausdrücke in der Originalsprache, also auf Englisch, viel "cooler" als auf Deutsch. Englisch kann mit wenigen und einfachen Worten Dinge wahnsinnig intensiv ausdrücken. Das gefällt mir. Bei umgangssprachlichen Ausrücken fällt mir das besonders auf, wenn ich die deutsche Übersetzung mit der englischen Originalversion vergleiche." - Damaris von Damaris liest
"Dafür gibt es mehrere gute Gründe. Der erste ist etwas für Büchersammler, so wie ich es bin: englische Bücher sind billiger als Deutsche. Für das gleiche Geld bekommt man mehr englische Exemplare als Deutsche, da viele englische Titel gleichzeitig als TB und HC erscheinen und man sich somit gleich für die billigere Variante entscheiden kann. Zudem sind sie dünner und nehmen nicht ganz so viel Platz weg.
Das andere ist, dass durch die deutsche Übersetzung oft viele Wortspiele, Witze und andere Sachen verhunzt werden. Ich habe schon öfters mal einen Vergleich gemacht und konnte teilweise nur mit dem Kopf schütteln. Man glaubt gar nicht, was alles durch eine schlechte Übersetzung kaputt gemacht werden kann. Daher ist das Original immer besser!
Des Weiteren sind englische Bücher vor allem für Leute gut, die nicht mehr in die Schule gehen und nur noch bedingt etwas mit Englisch zu tun haben.  Englisch ist auch im Alltag überall und es kann nicht schaden, sich darin etwas aufzufrischen und neue Wörter zu lernen. Wer weiß, wann man es wieder mal gebrauchen kann. Ich habe unibedingt mit Englisch zu tun, weil ich Paper auf Englisch lesen muss und bald auch die Vorlesungen und sonstige Lektüre auf Englisch sein werden. Daher ist es für mich nur von Vorteil, englische Bücher zu lesen." - Lisa von Books & Senses

Kommentare:

  1. Genau darüber habe ich neulich auch einen Post geschrieben :) Und ich stimme dir in allen Punkten zu ;) Kannst ja vlt mal bei mir gucken: http://yoshislesewelt.blogspot.de/2013/05/gedankenflug-1-englisch-vs-deutsch.html

    Liebe Grüße
    Yoshi :)

    PS: Meine Englischnote hat sich aber leider trotzdem nicht verbessert ... :D

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  2. Du nennst exakt die Gründe, die für mich auch ausschlaggebend dafür waren, mich den englischsprachigen Originalen zuzuwenden. Das die englischen Paperbacks sehr viel günstiger sind als deutsche TBs, ist eigentlich nur ein hübscher Nebeneffekt - viel wichtiger ist mir, dass die Originalität der Sprache (v.a. der Wortwitz) durch Übersetzungen nicht verloren geht.

    Das mit den auf Deutsch nicht fortgeführten Reihen kenne ich. Ich habe meinen guten Englischkenntnissen echt gedankt, als ich mit den Romanen von R. Scott Bakker angefangen habe. Die Prince of Nothing-Reihe wurde als Krieg der Propheten komplett übersetzt, die darauf aufbauende The Aspect Emperor-Trilogie wurde allerdings aufgrund mangelnder Verkaufszahlen der ersten Trilogie nicht übersetzt. Gott, wären mir da gute Bücher entgangen!
    Selbiges bei der Godless World-Trilogie von Brian Ruckley. Von der ist sogar nur Band 1 ins Deutsche übersetzt worden, auf den Rest warten die Fans schon seit Jahren, aber sie werden vermutlich nie folgen. Sehr, sehr schade darum, aber als Englischleser muss ich auf Nachschub nicht verzichten :)

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  3. "... für eine Leseratte, die gut und gerne mal zehn Bücher die Woche liest..." , meinst du da vielleicht pro Monat? 10 Bücher pro Woche ist ja Killer :-)))
    LG,
    Damaris

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    1. Meinte pro Monat :D Danke für die Aufmerksamkeit. 10 Bücher pro Woche wäre ja ein Traum! Schafft aber wohl eher die Minderheit ;)

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    2. Da wär mein SuB schnell abgebaut ;-)

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  4. Hallo,
    sehr schöner Artikel!
    Ich lese momentan auch vermehrt Bücher auf englisch. Einfach weil bei Übersetzungen so viel verloren geht und weil sie günstiger sind!
    Das man nicht lange auf eine Fortsetzung warten muss, ist aber auch ein guter Punkt. ;)

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  5. Sehr toller Post!
    Ich werde in nächster Zeit auch einige englische Bücher lesen. Aktuell habe ich noch sehr viele deutsche (über 180 Bücher xD) ungelesen hier stehen, aber danach werde ich auf jeden Fall mehr englische Bücher als deutsche lesen. Außerdem habe ich nächstes Schuljahr Abschlussprüfung, ich denke, da kann es nicht schaden, vorher einige englische Bücher zu lesen. :)

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  6. Ich kann deine Punkte alle nachvollziehen, aber bei Punkt 3 gibt es nicht nur Vorteile, sondern auch den Nachteil, dass der deutsche Leser eben nicht weiß, dass dies im Englischen eine Redewendung ist, die wir im Deutschen auch kennen, nur anders und fragt sich dann, was dieser seltsame Satz zu bedeuten hat...
    Ich muss wirklich mehr Englisch lesen, vor allem weil ich jetzt so gut wie gar nichts mehr damit zu tun habe, seitdem ich mein Abi vor einigen Jahren geschrieben habe und ich möchte nicht, dass ich irgendwann mit sehr schlechten Englischkenntnissen dastehe...

    lg. Tine =)

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  7. Sehr sehr toller Post! :) Die Kommentare von anderen Bloggerinnen hintendran fand ich auch sehr interessant.

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  8. Oh, da sind wirklich ein paar tolle Argumente dabei. :D
    Viele von denen klingen auch wirklich einleuchtend, aber ich hab mir das mit dem englisch Lesen schon so oft vorgenommen, aber ich scheitere schon auf den ersten Seiten, weil ich es hasse, wenn ich nicht jedes Wort verstehe. Aber ich hab im Moment eine Austauschschülerin da, mit der ich nur Englisch spreche und das funktoniert ganz gut und ich denke ich wage mich auch nochmal an englische Bücher :D

    Toller Post :)
    LG Jana

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